Deep Blue Sea (Filmkritik)

Dr. Susan McAlester (Saffron Burrows) hat einen Plan: Sie will Alzheimer bezwingen. Dazu hat sie eine Forschungsbasis mitten im Ozean eingerichtet. Finanziert wird die Forschung von einer großen Firma. Und diese schickt, nachdem ein Hai aus der Forschungsstation entkommen war, einen Inspekteur (Samuel L. Jackson), der sich die Sache vor Ort ansehen soll. Die Sache ist die: Das Präperat, welches Alzheimer heilen kann, wird den Gehirnen von Haien entzogen. Gefährlich? Klar. Aber deshalb gibt es ja auch den Haifänger Carter Blake (Thomas Jane), der dafür sorgen soll, dass nichts Schlimmes passiert.

Dummerweise hat Dr. McAlester gemeinsam mit Forscherkumpel Jim Whitlock (Stellan Skarsgaard) über die Stränge geschlagen und nicht ganz legale Mittel benutzt, um die Gehirne der Haie zu vergrößeren, was diese auch intelligenter macht. Und sehr bald beschäftigt eine Frage alle auf der Station: Was wollen super-intelligente Haie, an denen herumexperimentiert wurde, sobald sie freigelassen werden? Rache vielleicht?

Nein, „Deep Blue Sea“ ist, wenn man ihn mit Hausverstand, Logik und Objektivität betrachtet, kein guter Film. Man lasse es sich mal auf der Zunge zergehen: Superintelligente Haie, welche Menschen auf einer Forschungsstation austricksen, weil sie sich für die Experimente zum Heilen von Alzheimer, die an ihnen durchgeführt wurden, rächen wollen? Äh, sicher. Na klar. Sonst geht’s gut?

Der Film dürfte per definition nicht gut sein.

Und trotzdem – er ist großartig. Wenn man jetzt mal die üblichen, sich aufdrängenden Fragen außer acht lässt (woher wissen die Haie, was eine Forschungsstation ist? Wieso kennen sie die Baupläne der Station? Wieso wissen die über Physik Bescheid?), dann hat man gute 1:45 Stunden wirklich Spaß.

Ein riesengroßer Pluspunkt sind die Schauspieler/innen. Das beginnt bei Thomas Jane, der den Badass und Mann fürs Grobe Carter Blake perfekt spielt und dem man die Rolle auch wirklich abnimmt. Stellan Skarsgaard ist zwar nur kurz dabei, aber die Zeit nutzt er, um als grantiges Genie zu überzeugen. Samuel L Jackson ist Samuel L Jackson, hat hier aber einen Auftritt (oder eigentlich Abgang) den er seitdem nie wieder toppen konnte (und ich wüsste auch nicht wie).

Das I-Tüpffelchen ist für mich aber Saffron Burrows‘ Figur, die sie wie ich finde absolut überzeugend spielt. Ich könnte bis heute nicht sagen, ob ich sie sympathisch finde oder nicht. Ist sie streng? Ja. Hat sie Fehler gemacht? Ja. Gibt sie das zu? Ja. Tut es ihr leid um die Verluste? Ja. Würde sie es wieder tun? Vermutlich ja. Mag sie ihre Crew? Ja. Belastet sie der Tod ihrer Crewmitglieder? Ja. Ist sei eine Heulsuse? Nein. Kann sie sich selbst helfen? Ja. Ist sie nett? Sie hat ihre Momente. Ist sie hart und kalt? Immer wieder.

Also? Ich kann es noch immer nicht genau sagen, ob man sie wirklich per se mögen kann, aber mir gefällt die Ambivalenz, die ich nicht nur als Zuseher ihr gegenüber habe, sondern auch wie sie dargestellt wird: Schuldig, aber nicht gebrochen. Kämpferisch, aber kein Badass. Verletzlich, aber abweisend. Außerdem wird auf eine kitschige Liebesgeschichte verzichtet – was ich sehr gut finde.

LL Cool J (für die jüngeren Leser/innen: Der war mal ein bekannter, erfolgreicher Rapper) spielt den Schiffskoch, der eine spezielle Beziehung zu Essen und seinem Papagei hat, und auch der macht seine Sache gut.

Was den Film aber über die meisten anderen Haifilme hebt ist einerseits die Inszenierung, denn so wuchtig und direkt ist noch selten eine Forschungsstation untergegangen. Die Haiattacken sind hart und heftig. Wann immer die Flossentiere im Bild auftauchen wird die Bedrohung durch die Kamera und die Musik noch hervorgehoben und man ist sofort angespannt. Und andererseits sind es die Liebe zu den Figuren und die absolute Ernsthaftigkeit des Films. Sicher gibt es übertriebene Szenen (Hai schleudert Bahre gegen Fenster, um dieses kaputt zu machen, Hai zieht Helikopter gegen Tower), aber die werden alle so dermaßen überzeugend inszeniert und glaubwürdig gespielt, dass man einfach angespannt im Sessel sitzt und hofft das alles gut ausgeht, anstatt sich – wie man meinen sollte – einfach vor Lachen am Boden zu kugeln.

Wer das Hirn einschaltet wird sich regelmäßig ärgern, aber hey – wir sprechen hier von einem Film über hyperintelligente Haie, die eine Forschungsstation versenken, indem sie die Mitarbeiter dazu bringen sie Stück für Stück selbst zu fluten: Was hat Hirn dabei verloren?

Ganz abgesehen davon gibt es dir großartigste Antwort auf die Frage, was ein die enge getriebenes und gefoltertes Tier am meisten will: Wir Menschen tippen sofort auf Rache. Tatsächlich ist die Antwort … Deep Blue Sea.

„Deep Blue Sea“ bekommt 8 von 10 möglichen, versuchend nicht als Haifischfutter zu endende, Punkte.

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