BlackKklansman (Filmkritik)

Ron Stallworth ist Polizist. Der erste Schwarze in seiner Truppe. Umgeben von Weißen beschließt er, nachdem er eine Anzeige des Ku Klux Klan in einer Zeitung sieht, sich dort einzuschmuggeln und die Kerle als Terroristen hochgehen zu lassen.

Problem: Er ist schwarz. Aber seine Kollegen nicht. Also übernimmt Flip Zimmermann seine Rolle bei den persönlichen Treffen, während Ron am Telefon weiterhin Ron bleibt.

Gerade rechtzeitig, denn tatsächlich planen die „echten Weißen und wahren Bürger Amerikas“ einen Anschlag. Denn zu dieser Zeit ist Kwame Ture auf Reisen und er fordert seine schwarzen Mitbürger auf, endlich für ihre Rechte einzutreten. Ein paar Studenten in der Stadt springen darauf an und das passt dem KKK natürlich gar nicht.

Nachtrag 22.02.2019:
Ich habe jetzt das Buch von Ron Stallworth gelesen und mir ist einiges klar geworden. Zum Beispiel, dass die KKK-Leute, die im Film vorkommen, wirklich nicht so blöd waren, wie sie im Film dargestellt werden. Gut, das Gespräch über „wie Schwarze“ reden, das stimmt so. Auch Rons Teilnahme an der Rede von Stokely und sein Bodyguard-Dienst mitsamt Foto bei David Duke sind in etwa so passiert. Der Rest … ist erfunden. Die Freundin. Flips „spannende“ Momente. Flip (hieß in echt anders) war übrigens kein Jude und hat auch sofort zugesagt, sich an Rons statt einschleusen zu lassen. Außerdem waren am Ende im echten Leben drei(!) Polizisten eingeschleust. Die Bombe (gab es keine, auch keinen Plan dazu). Sogar der „Payoff“ am Ende des Films (Ron hat sich dem KKK gegenüber nie geoutet bzw. zu erkennen gegeben). Tatsächlich wurde die Ermittlung einfach völlig unspektakulär eingestellt. Und so weiter. Kurz: Der Film ist zu 80% erfunden. Die Sache ist im echten Leben also als Anekdote super. Mehr aber nicht. Das erklärt mir, warum sich viele Teile des Films wie eine erfundene Buddy-Action-Komödie anfühlen. Weil er es ist. Hat mit der Realität leider (nochmals: Nicht meine Meinung, sondern nach Rons Buch!) wenig zu tun. Hauptsache, der Film wurde für „Best Picture“ für die Oscars nominiert. Versteh ich nicht. Aber gut, die Oscars sind mittlerweile eh zum Vergessen.

Originalkritik:
Laut dem Buch von Ron Stallworth basiert dieser Film auf wahren Begebenheiten. Auf seiner Lebensgeschichte und „BlackKklansman“ ist die Verfilmung der wahren Geschichte, die er auch als Buch veröffentlicht hat. Das fand ich witzig und die Tatsache, dass es wirklich wahr ist, dass ein Schwarzer sich im KKK eingeschleust hat, nun – das klingt super.

Tatsache ist, die Geschichte passiert wie ein völlig durchschnittlicher Hollywood-Buddy-Movie. Denn Flip (Adam Driver aus „Star Wars“) und Ron (John David Washington aus „Monster“) müssen sich als Team erst zusammenraufen. Das funktioniert mal mehr und mal weniger gut. Spannanderweise fand ich zb die Figur bzw. die Geschehnisse rund um Flip weitaus spannender als alles was Ron so treibt. Eh witzig, dass es seine Idee war (wie auch nicht, er war der erste schwarze Polizist dort), aber er macht dann eigentlich nicht sehr viel.

Den richtigen Job macht eben Flip – und der wird für mich im Film sehr stiefmütterlich behandelt, denn es wird wirklich gut gezeigt, wie oft er sich in Gefahr begibt (als Jude unter Nazis … das muss man sich mal trauen) und mehr als nur einmal geht er knapp daran vorbei aufzufliegen, aber das wird im Film nicht so richtig gewürdigt. Flip ist halt dabei. Der Held ist Ron. Warum? Ich weiß es nicht. Vermutlich, weil er das Buch geschrieben hat und nicht Flip.

Adam Driver ist dabei wirklich cool – er spielt den relaxten, gefassten und meistens sogar ein wenig desinteressiert wirkenden Flip wirklich gut. Ganz anders als in den „Star Wars„-Filmen zeigt er hier, dass er auch wirklich spielen kann. Das Auffallendste an Ron ist sein Afro. Und seine Optik entspricht – von der Kleidung her – so ziemmlich allen Shaft-Klischees, die man sich vorstellen kann. Wenn das tatsächlich war wie Ron ausgesehen hat, dann finde ich das eher witzig. Aber okay, es war eine schräge Zeit.

So sehr ich mir auch wünschte, die Nazis wären wirklich so dumm, wie hier im Film dargestellt. Ich kann es leider nicht glauben. Wenn dem so wäre, dann würde es sie schon längst nicht mehr geben.

Trotzdem – der Film ist unterhaltsam, bietet eine witzige Story zu einem ernsten Thema und das Spike Lee („Malcolm X“) hinter der Kamera weiß was er tut, war auch völlig klar. Der Film ist mir zu lang, das ist mein Hauptproblem. Zum Beispiel gibt es am Anfang des Films eine Tanzszene, die gefühlt ewig dauert – warum? Keine Ahnung.

Die Querverweise auf aktuelle Geschehnisse am Ende des Films finde ich interessanterweise unpassend, da diese meiner Ansicht nach absolut nicht zur Stimmung des Films (falls das nicht klar sein sollte: Eine Komoödie) passen. Das tut weder den Opfern genüge, noch dem Film selbst.

Der Film bekommt von mir 6 von 10 möglichen, leider am Tonfall der Inszenierung und meiner Ansicht nach den Fokus auf die falsche, weniger spannende Story, legende, Punkte.

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