Gegen jede Regel – Battle of the Sexes (Filmkritik)

1973 ist die professionelle Tennisspielerin Billie Jean King (Emma Stone) Weltranglistenerste. Doch der Erfolg hat einen bitteren Beigeschmack. Ihre männlichen Kollegen verdienen um ein vielfaches mehr als die weiblichen Tennisspielerinnen, daher setzt sie sich mit Nachdruck für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Bobby Riggs (Steve Carell), seines Zeichens einmal ein hervorragender Tennisspieler, hat seine besten Jahre schon lange hinter sich. Er vertritt die Meinung, dass selbst er, als über 50-jähriger es immer noch schaffen könnte, die aktuell weltbeste Tennisspielerin zu besiegen, da Frauen einfach schlechter als Männer seien. So entsteht die Idee eines Duells zwischen Billie und Bobby, das „Battle Of The Sexes“ getauft wird….

Mann gegen Frau – ein Kampf, der schon ewig geführt wird und wohl nie ein Ende nehmen wird. Gleichberechtigung war schon immer ein geflügeltes Wort und ist trotzdem auch heute noch teilweise schwer erreichbar. Immer wieder liest man von Fällen in denen Männer und Frauen in gleichen beruflichen Positionen, nicht das gleiche Gehalt bekommen. Vor allem von Hollywood hört man ab und zu, dass Schauspielerinnen nicht das gleiche wie ihre männlichen Counterparts verdienen. Emma Stone als am besten verdienende Schauspielerin wäre bei ihren männlichen Kollegen nur Nummer 15.

Leider schafft es der Film trotz einem potentiell brisanten Thema nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Bei solch interessantem Basismaterial hätte man viel mehr draus machen können. „Battle of the Sexes“ ist allerdings viel zu ängstlich um sich mit dem gesamten Ausmaß der Geschichte auseinander zu setzen. Mit Riggs wird viel zu zärtlich umgegangen und wenn man schon zeigt, dass Billie sich in eine Frau verliebt, wäre es fair gewesen, hier ein wenig mehr in die Tiefe zu gehen. So werden ein paar Küsse und scheue Blicke gezeigt, aber das gesamte Ausmaß ihres inneren Konflikts wird nicht gezeigt.

Nicht vorhandene Gleichstellung war schon in den 60-er Jahren ein Problem für die Tennisspielerin Billie Jean King. Die Preisgelder der Frauen bei Tennisturnieren waren ein Bruchteil der Summen, die die Männer gewinnen konnten. King wird von Emma Stone (La La Land) gespielt, die sich unter Unmengen von Spray-Tan versteckt. Stone wirkt hier liebenswert wie eh und je und schafft es die Eigenheiten von King authentisch wirken zu lassen. King ist eine durchaus interessante geschichtliche Figur, die sich auch für die Rechte der LGDTQ-Community einsetzte, weil sie selbst anfangs heimlich in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung war.

Bobby Riggs wird von Steve Carell (The Big Short) gespielt. Er spielt Riggs herrlich exzentrisch und schräg. Es wird hart daran gearbeitet, ihn menschlich erscheinen zu lassen, wenn er doch in Realität in ziemliches Ekelpaket war. Durch Szenen mit seiner Frau und seinem Sohn wird versucht sein verabscheuenswürdiges Verhalten zu entschärfen, doch so wirklich glücken kann es nicht. Selbst wenn man annimmt, seine Taten wären nur wohl kalkulierte Show, macht es die Sache nicht besser.

Das „grande Finale“ ist das Tennisturnier zwischen Billie und Bobby. Es ist auch für Nicht-Tennis-Fans interessant zuzusehen und spannend obendrein. Kein Wunder, dass das Match alleine in Amerika über 90 Millionen Menschen vor die Bildschirme zog. Schade, dass prompt Gerüchte laut wurden, Riggs hätte absichtlich verloren um Spielschulden durch Wetten begleichen zu können, aber angeblich bestritt er selbst in seinem Totenbett noch jedwede Schummeleien.

Fazit: Leider konnte man den interessanten Material nicht gerecht werden. Am spannendsten ist das Spiel am Ende und die Infokarten die danach eingeblendet werden. Alles was drum herum passiert, ist eher fade.

Dieser Film bekommt von mir 6/10 in einem Satz gewonnenen Punkten.


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