The Pyramid (Filmkritik)

Die Sensation ist perfekt: Eine neue, noch ältere Pyramide wird in Ägypten gefunden und das wirklich Außergewöhnliche daran: Sie hat nur drei Seiten anstatt der üblichen vier! Die beiden Forscher Nora (Ashley Hinshaw) und Holden (Denis O’Hare), Vater und Tochter, sind begeistert und als ein Nachrichtenteam vorbeikommt, um eine Mini-Doku zu drehen, sind sie sozusagen am Höhepunkt ihrer Karriere.

Doch in Ägypten herrschen Unruhen und die Ausgrabung wird kurz nach der Öffnung der Pyramide abgeblasen. Nora ist am Ende, denn das könnte das Aus für ihre Karriere und die größte archäologische Entdeckung bedeuten die seit langem gemacht wurde. Also überredet sie ihren Vater (und damit auch das Kamerateam) nur ganz kurz ein ganz klein wenig in die Pyramide reinzugehen … irgendwas will man ja zumindest mitnehmen von der Ausgrabung …

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Alexandre Aja („High Tension“, „Piranha 3D„, „The Hills Have Eyes“) hat ein Händchen für starke Stoffe und produziert mittlerweile auch gern den einen oder anderen Film. So auch „The Pyramid“, bei dem Daniel Meersand und Nick Simon das Drehbuch verfasst haben. Am Regiestuhl saß Grégory Levasseur, der sich dazu entschieden hat, den Film aus einer Mischung von „Found Footage“ bzw. durch die Augen der Vorort agierenden Kameraleute und „normalem Third-Person“-Bildern zu inszenieren.

Das Ganze funktioniert überraschend gut.

Das liegt einerseits für mich an der sehr guten (und sympathischen) Darstellung von Ashley Hinshaw („Chronicle„, „Party Invaders„), welche Nora sehr überzeugend darstellt. Die junge Dame mit dem Faible für Technik – sie nutzt Satelliten für die Aufklärung und kleine Roboter für Aufnahmen, was andere Archäologen als Verrat an der Kunst der Archäologie verstehen -, die sich auch mal mit ihrem Vater anlegen muss, der von der „alten Schule“ kommt (und von Denis O’Hare als cooler Profi verkörpert wird).

Jeff Buckley als Kameramann hat ein paar sehr denkwürdige Momente – primär welche, in denen er wie ein kleines Mädchen kreischen und sich fürchten darf wie ein Kleinkind vor dem Krampus. Christa Nicola allerdings wird zum großen Teil verschenkt, auch wenn eine Szene (die eine Fallgrube mit Spitzen am Boden beinhaltet) so ziemlich die unangenehmste Szene im ganzen Film ist.

Der Film hat nach einer angenehm langen (im Verhältnis zu anderen Horrorfilmen) Vorstellung der Charaktere ein nettes Tempo und sobald die Gruppe erst mal in der Pyramide ist, zieht das Tempo noch ein wenig mehr an. Womit wir beim größten Pluspunkt und gleichzeitig größten Minuspunkt angekommen sind. Die Pyramide. An sich ein unverbrauchtes Setting im „Found Footage“-Genre und noch dazu eines, das von vielen Rätseln umrankt wird. Da hätten sich unzählige Fallen und Puzzles angeboten, aber es kommen so gut wie keine vor. Selbst wenn welche vorkommen, dann werden die ziemlich zackig gelöst (Holden ist ja schließlich Profi).

Das bedeutet, dass ein Standardprogramm abgespult wird, das viele kleine und ein großes Monster beinhaltet, die zwar – ebenfalls relativ unverbraucht – von ägyptischen Gottheiten inspiriert sind, aber letzten Endes halt doch wieder „nur“ Monster sind.

Die Effekte sind mal wunderbar gelungen (die physischen) und mal weniger gut (vor allem das Hauptmonster, dessen Namen ich aus Spoilergründen vermeide). Da wird schon mal die volle Breitseite CGI genutzt und zwar nicht nur angedeutet, sondern frontal im Licht vor der Kamera. Damit man auch ja genau sieht wie unecht das Ding aussieht. Okay, ich gebe zu, dass das Design der Viecher super gelungen ist – die Umsetzung halt nicht so unbedingt.

Das wohl obligatorische Ende ist wie üblich ein bisschen ein Downer und allzu viele Überraschungen gibt es auch nicht, aber vereinzelt gibt es doch Vorkommnisse, die mich überrascht (und erschrocken) haben. Ich sage nur „Felsbrocken“. Das kam unerwartet.

„The Pyramid“ ist kein Meilenstein aber auch sicher kein schlechter Beitrag zum Genre und bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, das volle Potential einer Pyramide nicht nutzende, Punkte.


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