Mercenaries (Filmkritik)

Was tun, wenn die Tochter des Präsidenten der vereinigten Staaten, von einer irren, Männer hassenden Kriegsherrin namens Ulrike (Brigitte Nielsen) entführt wird und diese damit droht, ihre Geisel in kleinen Stückchen zurück zu schicken, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden? Richtig, man klappert sämtliche Frauengefängnisse ab, holt sich vier Damen wie etwa die beinharte Ex-Soldatin Clay (Zoe Bell), verspricht ihnen bei erfolgreicher Mission vollkommene Haftfreiheit und schickt sie augenblicklich los auf ihre Reise.

Mercenaries

Nach dem Erfolg der „Expendables“ Filme war schnell klar, dass auch eine weibliche Variante sicherlich seine Zuschauer finden würde und bald waren unter anderem Namen wie Sharni Vinson (You´re Next), Katee Sackhoff (Riddick) oder Gina Carano (In The Blood) im Gespräch. Obwohl das Projekt scheinbar noch immer geplant ist, hat das längere Zögern Hollywoods der Trashfilm-Firma The Asylum (Hold Your Breath) die Chance gegeben, ihre Version der weiblichen Actionhero-Saga zu produzieren. Regisseur Christopher Ray (2-Headed Stark Attack) hat schon einige Erfahrung damit, schlechte Filme zu drehen und er hat offensichtlich überhaupt nichts dazu gelernt.

Was ich damit meine? Ein Trashfilm muss – wie wir alle bereits lange wissen – vor allem lustig sein, egal ob nun absichtlich oder eher unfreiwillig. Wenn aber wie in diesem Fall 90 Prozent der Schlägereien schlecht geschnitten, unübersichtlich und auf eine lächerliche Art und Weise mit Zeitlupen-Effekten versehen werden, dann macht das keinen Spaß, sondern verursacht einfach nur ungläubiges Kopfschütteln. Es geht aber noch schlimmer, denn die Schießereien gehören innerhalb des Genres zu den inszenatorisch schlechtesten, die ich jemals gesehen habe.

Irgendwo grimmig hinschauen und dann drauflos schießen, egal wohin und dann daneben treffen oder durch eindeutige Regieanweisungen überfordert, konfus davon rennen. Soweit zu den Bösen. Ist man auf der Seite der Guten, dann darf man wenigstens literweise unrealistisch explodierendes Kunstblut vergeuden. Mich jetzt nicht falsch verstehen, das alles hätte auch lustig sein können, wie es sich für einen guten schlechten Film gehört, doch auch eine gewisse Dämlichkeit und ein gezieltes Nichtkönnen der Macher will gelernt sein und sollte nicht einfach ungefiltert gelebt und auf den Zuschauer losgelassen werden. Natürlich, drüber stehen und schimpfen ist immer billig, doch was soll ich machen wenn die Schnitte oft so grob und von der Musik her abgehakt sind, dass ich einfach völlig aus dem Erlebnis heraus gerissen werde?

Retten kann das Ganze zwar Niemand, auch die Darsteller wissen nicht so recht was sie tun sollen, funktionieren aber jeder für sich auf eine gewisse Art doch ganz gut. Da wäre zunächst mal Zoe Bell (Raze), die Anführerin der guten Damen hier, die dank der Unterstützung von Quentin Tarantino (Django Unchained) mittlerweile eine eigene Fangemeinde hat und auch hier ordentlich austeilt, dabei aber auch auf der Gefühlsebene nicht lächerlich wirkt. Die Sniperin in ihrem Team wird von Kristanna Loken (Bounty Killer) gespielt und sie punktet vor allem mit Coolness und lässigen Sprüchen.

Die eher unbekannte Südkoreanerin Nicole Bilderback (The Victim) spielt die Bombenexpertin, die auf Grund ihrer schnippischen Art, für die meisten Lacher sorgt. Die letzte im Team ist Vivica A. Fox (Sharknado 2) und sie ist eine so übercoole, Gewalt liebende und dauernd quasselnde Nervensäge, dass ich gerne auf sie verzichten hätte können. Fehlen nur mehr Brigitte Nielsen („Red Sonja“ irgendwer?), die völlig Over the Top agiert und dadurch fast alle ihre Szenen zum Vergnügen macht und Cynthia Rothrock, ihres Zeichens Actionlegende aus den 80er- und 90er Jahren, bekommt als Auftraggeberin der Guten nichts zu tun außer ein wenig zu Schauspielen, aber das kann sie leider nicht wirklich. Genau wie die Horde der Bösewichte, die nicht so recht zu wissen scheinen, dass sie sich auf einem Filmset befinden.

Insgesamt daher höchstens ein kleiner Teaser auf einen echten, weiblichen „Expendables“ Film und nur zu empfehlen, wenn man genau wissen will, wie man Actionszenen nicht machen sollte (nein, von den miesen CGI-Effekten rede ich hier nicht, die hab ich von Asylum genau so erwartet). Für Fans von Bell und Loken wohl zu empfehlen, denn die beiden sind irgendwie dann doch cool und bringen das „harte Mädchen“ Image sehr gekonnt rüber, eben genau deshalb, weil sie auch Gefühle zeigen können.

„Mercenaries“ bekommt von mir 4/10 das witzige Potential durch dilettantische Schnitte sabotierende Empfehlungspunkte.

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