Crysis 3 (Game-Review)

Crysis3_LogoEr ist zurück – die Kampfmaschine wider Willen, die sich im vorigen Teil mehr oder weniger selbst aufgegeben hat, um die Welt vor den Ceph zu retten. Prophet, der Mann im Nanosuit. Aber das Ding hat seinen Preis, denn der Nanosuit – wie wir ja jetzt wissen – wurde aus außerirdischer DNA geschaffen und Prophet ist … vielleicht kein Mensch mehr.

Als er aus seinem Tiefschlaf „erwacht“ hat sich viel geändert, denn die CELL Corporation hat die Welt im Würgegriff – durch die Produktion von kostenloser Energie hat der Konzern alle Mitbewerber ausgeschaltet und herrscht nun dank Monopol (und Mini-Armee) über die Welt.

Aber es regt sich Widerstand … Psycho, ehemaliger Kampfgefährte von Prophet, befreit ihn. Gemeinsam mit einer Gruppe Widerstandskämpfer versuchen sie CELL aufzuhalten. Aber Prophet denkt, dass da mehr dahinter steckt … denn die Energie, die CELL erzeugt, muss irgendwo herkommen … und Prophet befürchtet – in Gedanken noch bei den Ceph – das Schlimmste …

Wow. Das ist der erste, was mir einfällt, wenn ich an Crysis denke. Wow. Was für eine Grafik. Ich hatte damals – beim ersten Teil – das Gefühl, als könnte ich mit der Hand über die Wiesen streichen. Das Beste daran war allerdings – ich konnte mich als Spieler auf der gesamten Insel absolut frei bewegen. Freiheit und Grafikpracht. Das war ein Gefühl damals (am PC war das 2007).

Dann kam Crysis 2 und ich gestehe hiermit offiziell – ich habe es nicht mal zu Ende gespielt. Langweilige Schlauchlevel, Grafik so lala und die Story … naja, emotional und packend sind nicht die Worte, die ich gewählt hätte. Auch wenn meine Beschreibung mit -nal aufhören würde, so fänge sie mit ba- an.

Jetzt ist also „Crysis 3“ zu haben und etwas, das sofort auffällt: Die Grafikpracht ist wieder da! Ehrlich: Solche Wiesen, Wälder, Wasser und weiß der Kuckuck was noch alles, hat man noch nicht gesehen. Allein die Szene zu Beginn, als man im Regen über ein Schiffsdeck läuft – Kinnlade bei Fuß. Tatsache. Fast als kleines „F*** You!“ in Richtung „Modern Warfare“ zu verstehen, wie ich meine. So macht man das. Hut ab vor der CryEngine 3. Auch wenn mir das Setting (wieder New York, dieses Mal eben verwildert), nicht so richtig zusagt und die Grafikpracht vom Thema her doch ein wenig einschränkt. Aber Crytek macht das Beste daraus.

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Grafik ist bekanntlich nicht alles, auch das Gameplay muss passen. Auch hier lernt man von Fehlern des Vorgängers: Die Schlauchlevels sind tabu – es gibt wieder einige große Areale in denen man sich frei bewegen kann. Sicher – noch immer kein Vergleich zur Insel aus Teil 1, aber immer noch weit besser als die doofen Schläuche aus Teil 2. Innerhalb der Areale hat man allerdings freie Hand, wie man vorgehen will und das Design der Umgebungen ist wesentlich besser geglückt. Sturmangriff oder überlegtes, Deckung suchendes Vorgehen – das Leveldesign macht es möglich.

Der Nanosuit ermöglicht euch noch immer (und dieses Mal besser balancierte) verschiedene Vorgehensmöglichkeiten: Ihr könnte euch panzern und wie Rambo herumstürmen (funktioniert nicht immer), oder ihr tarnt euch (geht immer für ein paar Sekunden, dann müsst ihr die Energie neu aufladen) und hetzt von Deckung zu Deckung und schaltet die Gegner leise mit dem neuen Bogen (geniales Teil!) aus oder schleicht einfach an ihnen vorbei. Geschütztürme und (teilweise) gegnerische Einheiten lassen sich auch hacken und so zum Beispiel deaktivieren oder zu Helfern umpolen. Was wirklich verdammt gut gelungen ist, ist die Kombination von Bogen und Tarnfeld – wenn man sich auf die Lauer legt, durch das Gras und von Ecke zu Ecke huscht, kommt man sich tatsächlich vor wie auf der Jagd. Wenn man dann noch unter Bodenbrettern durchrobtt und über sich die Wachen reden hört, wissend, dass man sie ausgetrickst hat – das ist schon ein super Gefühl.

Die Einführung der neuen Wunderwaffe „Bogen“, mit diversen verschiedenen Aufsätzen als Elektro- oder auch Sprengpfeil verwendbar (Hallo, John Rambo), in Kombination mit der Tatsache, dass dies die einzige Waffe ist, die euch beim zweiten Schuss nicht sichtbar macht, bringt euch natürlich dazu, öfter getarnt als ballernd vorzugehen – da drängen die Entwickler die Spieler eindeutig in eine bestimmte Richtung. Zwingend so vorgehen muss man allerdings nicht – auch wenn ich nochmals betone, dass diese Art das Spiels (zumindest mir) am meisten Spaß gemacht hat. Eingebaut hat man auch kurze Buggy-Fahr-Sequenzen (Half-Life 2, anyone?) und eine (kurze) Flugsequenz, die sich allerdings als simpler Railshooter (ihr sitzt nicht am Steuer des VTOL) herausstellt.

Die Story an sich ist okay, wenn auch wenig überraschend – am besten ist klar der Charakter von Psycho gelungen, der sogar so etwas, wie eine Charakterentwicklung hat und teilweise sogar emotionale Momente durchmacht – ein dickes Lob an die (englischen) Sprecher. Den britischen Akzent von Psycho finde ich übrigens extrem super.

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Ansonsten kann ich nur sagen, dass das Spiel relativ rasch vorbei ist. Abwechslung wird zwar geboten (es gibt für jede „Spielart“ kurze Momente, in denen diese zum Tragen kommen), dennoch fühlt man sich im Nanosuit dermaßen übermächtig, dass es – trotz der gelungenen und klugen Gegner-KI – doch irgendwie immer nach dem gleichen Schema abläuft. Wirklich cool fand ich ein Level, in welchem man sich durch hohes Gras schleicht, wissend, dass rundherum Ceph-Hunter durch die Gegend pirschen und Jagd auf den Spieler machen. Da kommt Spannung auf. Vielleicht kam es mir auch nur so kurz vor, weil ich es echt spannend fand, kann natürlich auch sein – ich habe leider nicht nachgesehen, wie lange ich gebraucht habe.

Bosskämpfe per se gibt es im Spiel nur zwei – wobei der erste noch halbwegs fordernd ist, der zweite eigentlich mehr oder minder nur das Finale vorbereitet, also keine echte Herausforderung darstellt. Spaß machen beide trotzdem.

Alles in allem ist Crysis 3 genau was man erwartet: Ein Technisches Meisterstück mit gutem und flexiblem Gameplay, dass in Punkto Story alle Fäden zusammenführt und offene Fragen beantwortet. Die Geschichte ist damit abgeschlossen, Crytek kann sich entspannt mit dem Wissen zurücklehnen, einen würdigen Abschluss der Crysis-Trilogie produziert zu haben – und sich überlegen, wie es diese Franchise toppen will.

„Crysis 3“ bekommt von mir 8 von 10 Cell und Ceph durch den Liberty Dome jagende Punkte

PS: Ich habe in einigen (in gedruckter Form erschienenen) Reviews gelesen, dass wichtige Fragen (wieso hat Psycho keinen Anzug mehr?) nicht beantwortet werden – ich weiß ja nicht, was andere Spieletester machen, wenn sie Spiele testen sollen, aber in meiner Version drehen sich um genau diese Frage sogar ein paar der Zusatzmissionen in der ersten Hälfte des Spiels. Ungefähr zur Halbzeit gibt es dann eine (halbwegs) emotionale Szene, als schließlich geklärt wird, wer dahinter steckt. Keine Ahnung, wie DAS jemand übersehen konnte … völlig schräg sowas. Peinlich noch dazu.


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