Oldies but Goldies: Barbarella (Filmkritik)

In einer fernen Zukunft bekommt die wunderschöne Barbarella (Jane Fonda) den Auftrag, den vermissten Doktor Durand Durand auf dem fernen Planeten Tau Ceti aufzustöbern und unverzüglich zurückzubringen. Der irre Doktor soll nämlich einen gefährlichen Positronenlaser entwickelt haben, was in einer Zeit, in der es keine Gewalt, Verbrechen oder Kriege mehr gibt, völlig absurd erscheint. Auf ihrer Mission trifft Barbarella auf ziemlich seltsame Gestalten, doch kein noch so großes Problem kann sich ihr in den Weg stellen, dass nicht mit Hilfe ihrer weiblichen Vorzüge geregelt werden kann.

Barbarella

Die Science-Fiction Heldin Barbarella wurde im Jahre 1962 vom Franzosen Jean-Claude Forest für ihre eigene Comicserie erfunden. Die Verfilmung aus dem Jahre 1968, ist eine französisch-italienische Coproduktion unter der Regie von Roger Vadim, der damals passenderweise auch gleich mit Hauptdarstellerin Jane Fonda verheiratet war. Obwohl der Film damals sowohl bei den Kritikern als auch am Box Office durchgefallen ist, hatte er schon kurze Zeit später eine treue Fangemeinde hinter sich. Durch diverse Anspielungen in Filmen und Songs und einem Musical aus dem Jahre 2004 ist klar, dass Barbarella bis heute nie völlig vergessen wurde, wofür auch die (zum Glück) gescheiterten Remake-Versuche der letzten Jahre sprechen.

Ich muss ja zugeben, dass ich den Film, bis zu seiner dieser Tage erfolgten Neuerscheinung auf Blu-Ray, nie gesehen habe. Nach Genuss dieses Erlebnisses, fällt mir spontan sofort ein Wort ein: WOW! Bitte der Film ist über 40 Jahre alt und da kommen Elemente vor, die bis heute sowohl in trashigen als auch in anspruchsvolleren Genrefilmen verwendet werden. Eine Sache ist also völlig klar, wenn man „Barbarella“ nicht gesehen hat, dann kann man auch nicht mitreden, ein Phänomen, dass heutzutage bei Filmen leider viel zu selten der Fall ist.

Jane Fonda spielt ihre Rolle wirklich perfekt, mit einer Mischung aus Naivität und purer Weiblichkeit. Es gibt keine einzige Bewegung von ihr, die nicht bewusst so durchgeführt wird, dass sie nicht gut dabei aussieht. Dass sie eigentlich ständig in Notsituationen gerät – ach ich liebe diese gemein bissigen Mörderpuppen und die tötlichen Killerkolibris – und von Männern gerettet werden muss, macht sie dabei nur noch liebenswerter als Figur. Wie dabei ihr Körper nackt oder spärlich bekleidet präsentiert wird, ist große Kunst was Regie und Kamera betrifft, in der heutigen Zeit würde dies aber nur plump daherkommen, überhaupt ist ein Film (mit unschuldiger Hauptfigur) ohne jeglichen Sarkasmus (der kein Drama ist) sowieso kaum mehr denkbar.

Die Kostüme insgesamt sprühen ja förmlich vor Kreativität und Enthusiasmus der Designer. Von Federschmuck, Lederkleidung, Metallrüstungen bis hin zu Weltraumanzügen ist alles dabei. Auch die Sets machen einfach Spaß, genau wie die Fahrzeuge, das innen mit Fell ausgekleidete Raumschiff, das Eismobil, die teilweise übergroßen silbernen Waffen oder die riesige Wasserkugel, woraus man die Essenz des Mannes rauchen kann, sind mit viel liebe zum Detail gestaltet. Und das war natürlich noch lange nicht alles, hier gibt es noch einiges mehr zu entdecken und nie denkt man sich dabei, man hätte schon genug davon gesehen.

Super ist hier auch das „Comedic Timing“ bzw. die Situationskomik an sich, wobei der Übergang zur unfreiwilligen Komik eideutig absichtlicherweise fliessend ist. Zahlreiche Dialoge vor allem die von Barbarella geführten sind teilweise so naiv, dass man als Zuschauer einfach nur den Kopf schütteln und lachen muss. Nicht umsonst will sich das feindliche Wesen im Film, dass von der negativen Essenz des Bösen lebt, statt sie zu verschlingen vor der Unschuld unserer Heldin schützen.

Ein Filmkonzept wie dieses im Jahre 1968 durchzuführen, ist für mich eine große Leistung. Besser schlechter und unterhaltsamer kann man einen Film, der genau weiß was er ist und dies von Anfang bis Ende zelebriert, nicht machen. Dass Jane Fondas Karriere in Amerika erst nach diesem Film in die Gänge gekommen ist, wundert dabei auch Niemanden. Freunde von Science-Fiction Klassikern, bunten Fantasyabenteuern, geballten Ladungen von Humor und Fans von schönen Damen an sich, müssen hier fast zugreifen, zumal die Konvertierung auf HD im Blu-Ray Format bis auf das typische Kriseln in manchen Szenen, durchaus sehr gelungen ist.

„Barbarella“ bekommt von mir 9/10 unglaublich herzensgute, naive und sich für den Job körperlich völlig verausgabende Empfehlungspunkte.


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