Toy Story 3 (Filmkritik)

Andy ist mittlerweile erwachsen geworden und da sein Spielzeug keine Lust hat auf dem Müll zu landen, spendet es sich kurzerhand selbst einem Kindergarten. Dort müssen unsere Helden allerdings feststellen, dass von Kleinkindern herumgeworfen und sogar kaputt gemacht zu werden, keinen Spaß macht. Die Flucht stellt sich als äußerst schwierig heraus, da das örtliche Oberspielzeug Lotso sie nicht gehen lassen will.

Toy Story 3 Film

Nach Toy Story 1 und 2 sah es um Teil 3 etwas dunkel aus am Animationshimmel. Wegen einiger Meinungsverschiedenheiten zwischen Pixar und Disney, wobei Disney die Rechte an Toy Story besaß, sollte der Film eigentlich von einem anderen Studio produziert werden. Im Jahr 2006 übernahm Disney sein bestes Pferd (Pixar) im Stall und man verwarf seine eigenen Pläne wieder. Der Rest ist mittlerweile Trickfilmgeschichte: Toy Story 3 wurde nicht nur von den Kritikern in den (Spielzeug)-Himmel gelobt, sondern spielte als erster Animationsfilme über eine Milliarde Dollar ein.

Wer glaubt, dass Pixar bei besagter Fortsetzung auf Nummer sicher geht um damit das schnelle Geld zu verdienen, sei eines besseren belehrt. Der Film beginnt mit einem Knall (ich sage nur „der teuflische Dr. Schweinebacke“), entwickelt sich langsam, geht weiter mit einem erstklassigen Ausbruch und dem anschließenden Kampf ums Überleben und endet, ohne zu viel verraten zu wollen, mit dem wahrscheinlich schönsten Happy End der Filmgeschichte. Dabei geht man erzählerisch, wie es sich für einen Film der Marke Pixar gehört, neue und kreative Wege. Wer glaubt schon alles gesehen zu haben, sollte daher mal einen genaueren Blick riskieren.

John Lasseter war dieses Mal nur für das Drehbuch verantwortlich und gab die Regie an den Neuling Lee Unkrich ab. Der war bereits in anderen Pixar-Filmen Co-Regisseur und konnte bei Toy Story 3 sein Können unter Beweis stellen. Im Vergleich zu Lasseters Verspieltheit bringt Unkrichs Regie eine gewisse Ruhe in den Film und zwar ohne dass die Action oder die Spannung nur einen Moment darunter leiden. Natürlich darf auch DER Toy Story Song schlechthin („You’ve Got a Friend in Me“) von Randy Newman nicht fehlen, der dieses Mal auch in Spanisch zu hören ist.

Eine der wesentlichsten Änderungen, im Vergleich zu den Vorgängern, wird den deutschsprachigen Zuschauern zu Teil. Denn während in der englischen Originalfassung weiterhin Tom Hanks, Tim Allen und Co dafür verantwortlich sind ihren Figuren Leben zu verleihen, hat Disney es geschafft für die deutsche Fassung mit Michael „Bully“ Herbig (Woody), Rick Kavanian (Rex) und Christian Tramitz (Ken) das Komiker-Trio der Bullyparade zu engagieren. Die Jungs wissen was sie tun und es macht wahnsinnigen Spaß ihnen zuzuhören (und zuzusehen).

Offenbar hatte man nach Toy Story 2 das Gefühl es mit der Fülle an Spielzeugen übertrieben zu haben. Aus diesem Grund wurde auf ein paar verzichtet (unter anderem der im zweiten Teil gerettete Pinguin Wheezy und Porzellinchen). Um ihr Verschwinden zu erklären, ohne dass es zu traurig wird, wird angedeutet sie hätten bei anderen Kindern ein neues Zuhause gefunden. Immerhin erreicht man durch den Verzicht auf ein paar Figuren (auch wenn man sie gerne wieder gesehen hätte) ein optimales Mittelmaß, was dem Film auch erzählerisch zu Gute kommt.

Dass Woody einen besonderen Platz in Andys Herzen hat, hat man ja bereits in den ersten beiden Toy Story Filmen erfahren. Aber spätestens wenn Andy gegen Ende des Films von ihm als seinen besten und treuesten Freund spricht, ist das ein derart emotionaler Moment, wie ihn außer Pixar kaum jemand hin bekommt. Was wäre ein Toy Story Film wenn es nicht einen Buzz Lightyear gäbe, der Unsinn macht? Um die Antwort auf diese Frage erst gar nicht herausfinden zu müssen, wird der zuerst einer Gehirnwäsche unterzogen und dann auf den spanisch-Modus programmiert, was wieder für viele lustige Momente sorgt.

Während Barbie in Toy Story 2 einen relativ kurzen Auftritt hatte, hat sie in der Fortsetzung einen festen Platz unter den Spielzeugen. Als Weltklasse-Frau, die sie nun einmal ist, weiß sie wie sie mit „ihrem“ Ken umzuspringen hat, um das zu bekommen was sie will. Besonders sticht im Film der nach Erdbeeren riechende Antagonist Lotso heraus, dessen Führungsstil irgendwie an die Zeit der DDR erinnert. In Verbindung mit dem „Big Baby“ wirken die Bösewichte allgemein sehr gruselig, weswegen ich davon absehen würde (trotz seiner Altersfreigabe) den Film kleinen Kindern zu zeigen.

„Toy Story 3“ ist der bis jetzt beste Teil der Reihe (wenn man der IMDB glauben darf ist „Toy Story 4“ bereits für 2015 geplant). Der Film bekommt daher von mir 9,5/10 Empfehlungspunkte.


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