Batman: Arkham City (Game Review)

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Kaum je wurde ein Spiel so perfekt inszeniert wie „Batman: Arkham City“. Das trifft nicht nur auf den Titel selbst zu: Auch das Marketing, das beinahe ein Jahr vor der Veröffentlichung erste Details zum nahenden Batman-Game veröffentlichte und damit langsam und strategisch genial geplant die Spannung erhöhte, hatte große Klasse. Dass das nun endlich erschienene Spiel den in die Höhe geschraubten Erwartungen gerecht wird – das wird bei „Arkham City“ äußerst schnell klar. Die überzeugende Dramaturgie des Titels wird schon in den durchdachten ersten Szenen greifbar.

Dramaturgie ist überhaupt ein wichtiges Stichwort bei „Batman: Arkham City.“ Denn die Gradwanderung, die das Entwicker-Team von Rocksteady schaffen musste, zugleich eine offene Welt zu kreieren – und andererseits einen ausreichend stringenten Plot aufzubauen, ist eine der großen Leistungen, die im Endprodukt deutlich spürbar werden. „Arkham City“ führt den Spieler zielsicher von Aufgabe zu Aufgabe und von einer Nebenmission zur nächsten, und tischt dabei viele alte Bekannte auf. Neben dem Joker, der es aus dem ersten Teil – trotz Krankheit – in den zweiten geschafft hat, zählen der Pinguin, Mr. Freeze, Two-Face, der Riddler und Hugo Strange ebenfalls zu den aufbegehrenden Gegnern der Fledermaus.

Wollte sich ein Spieler darauf beschränken, die Hauptstory in „Arkham City“ durchzuspielen – sein Vorhaben würde wohl früher oder später scheitern. Die zwölf Nebenmissionen sind schlicht zu interessant und zu attraktiv in den Gesamtverlauf eingebettet, als dass man der Verlockung, sich selbst zu beweisen, widerstehen könnte. Die Spielzeit ist in jedem Fall großzügig dimensioniert. Wenigstens 15 Stunden Spannung hält der neue „Batman“ selbst für Eilige bereit. Und für alle, die von dem dunklen Ritter nicht genug bekommen können, gibt es in Kürze Nachschub in der Form zweier Download-Erweiterungen. Ohnehin beim Kauf dabei ist der Catwoman-Content, der den Spieler in die Lage versetzt, in der Rolle der Katze auf Verbrecherjagd zu gehen (und dabei das eine oder andere ihrer neun Leben zu verjuxen).

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In Sachen Grafik baut „Arkham City“ auf dem hohen Niveau des Vorgängers auf. Wieder ein optischer Genuss ist die Figur Batmans selbst, die ungemein detailreich modelliert wurde und alleine schon durch ihre Größe zu beeindrucken weiß. Ebenso differenziert präsentiert sich das Stadtbild. Arkham City ist mit seinen Kirchtürmen, Banken, Spitälern und Hinterhöfen um vieles facettenreicher, als es die Irrenanstalt des ersten Teils je sein konnte. Die vielen bunten Farben und Neonlichter sind ein echter Blickfang; trotz alledem bleibt der Grundton so wie er sein muss, nämlich düster. In visueller Hinsicht ist das Spiel ein Leckerbissen, wobei – im Unterschied zu „Asylum“ – die xBox-Version derjenigen für die PS3 ein Quäntchen überlegen ist (speziell bei Licht und Schatten).

Die orchestrale Musik in „Arkham City“ klingt perfekt so, als stammte sie direkt aus dem bestehenden Batman-Universum. Ob hier Passagen aus den zahlreichen Batman-Filmen aufgegriffen wurden, oder ob der Komponist gänzlich eigenständig den richtigen Ton getroffen hat, ist letztlich egal. Das Endergebnis ist absolut Hollywood-tauglich und gibt dem Spiel eine zusätzliche Dimension und echte Tiefe. Die Sprecher sind – speziell im englischen Originalton – atemberaubend gut, lediglich die Lippensynchronisation stimmt bei manchen Nebenfiguren nicht immer genau. Wie zuvor klingt der Joker genau so, wie man sich einen richtig Durchgeknallten vorstellt, und Batman, wie man sich einen kompetenten, mit allen Wassern gewaschenen Rächer vorstellt. Eine Figur jedoch schlägt alle anderen, und das nicht nur akustisch: Catwoman.

Die Möglichkeit, in die Haut von Catwoman zu schlüpfen, ist nicht nur wegen der einfach saucoolen Zwischensequenzen, ihrer grandiosen Stimme und ihrem, äh, attraktiven Aussehen eine super Sache. Vielmehr erweitern ihre Missionen auch die sonstige Handlung. Wer „Batman: Arkham City“ neu kauft, sollte unbedingt den Catwoman-Content herunterladen, bevor er zu spielen beginnt. Die Segmente mit der Katze sind dann nahtlos in den restlichen Plot integriert und sorgen für noch mehr Abwechslung. Als Spielfigur bewegt sich die schwarze Lady schneller und wendiger als Batman, dafür sind ihre Schläge weniger kraftvoll. Anstatt der Batarangs setzen ihre wuchtigen Peitschenhiebe die Angreifer außer Gefecht. Schade ist nur, dass die Teile mit Catwoman nicht länger sind.

Außen vor bleibt bei „Batman: Arkham City“ lediglich der Multiplayer-Modus, was bereits im Vorfeld bekannt war. Und wohl die die meisten, die sich auf das Spiel wirklich einlassen, werden zustimmen, dass ein Mehrspieler-Modus auch gar nicht zum Titel gepasst hätte. Für alle, die in die Welt von Batman eintauchen wollen – die lange und gründlich eintauchen wollen –, ist „Arkham City“ eine Gelegenheit, die wohl in dieser Qualität auf der aktuellen Konsolengeneration nicht wiederkehren wird.

Wir geben dem Vorzeige-Spiel 8,5 von 10 düsteren Empfehlungspunkten.


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