Männer, die auf Ziegen starren – The Men Who Stare at Goats (Filmkritik)

Bob Wilton (Ewan McGregor) ist ein kleiner Reporter, der ein unscheinbares Leben führt.
Als seine Frau ihn wegen einem anderen Mann verlässt, bricht für Bob seine ganze heile Welt zusammen. Er entschliesst sich und seiner Ex zu beweisen, dass auch in ihm noch mehr steckt als nur ein kleiner Verlierer und darum bricht er auf nach Irak, um direkt vom Schauplatz zu berichten.

Nach einigen Startschwierigkeiten trifft er vor ort auf einen seltsamen Typen namens Lyn Cassady (George Clooney), der in einer speziellen Militärausbildung unter der Leitung von Bill Django (Jeff Bridges) zu einem „Psycho Spion“ ausgebildet wurde und sich nun auf einer neuen Geheimmission befindet. Bob wittert die Story seines Lebens und möchte daher unbedingt Lyn begleiten. Was er dabei erleben wird ist jedoch mehr, als er sich in seinen kühnsten Träumen erwartet hätte und wird sein Leben für immer verändern.

The Men Who Stare at Goats Film George Clooney

Dieser Film basiert auf einem Buch des aus Wales stammenden Autors John Ronson aus dem Jahre 2004. Es ging um Nachforschungen der Armee, darüber wie man Konzepte der New Age Bewegung in Verbindung mit paranormalen Fähigkeiten nutzen kann, um so eine neue Art von Soldat zu erschaffen.

2009 enstand daraus dieser feine Film, der als lakonisch witzige Militärsatire mit Starbesetzung daherkommt. Es sind hier sogar gewisse Ähnlichkeiten zu Klassikern des Genres wie etwa Robert Altman´s „MASH“ oder Mike Nichols „Catch-22“ (beide aus dem Jahr 1970), zu erkennen.

Punkten kann der Film für mich auf mehreren Leveln, auch wenn der letzte Funke bei mir nicht ganz übergesprungen ist und hier meiner Meinung nach irgendetwas noch gefehlt hat, ich kann nicht genau sagen was, irgendwie war alles etwas zu zahm und nicht sonderlich spannend anzusehen. Die Insidergags, die Situationskomik und die wirklich charmante und unglaublich spielfreudige Besetzung – die alle überhaupt keine Angst haben sich lächerlich aufzuführen – machen den Film aber auf jeden Fall sehenswert und zu einem unterhaltsamen Erlebnis.

George Clooney, er spielt so herrlich abgedreht und bleibt so stockernst in jeder Szene, dass ich immer wenn ich sein Gesicht zu sehen bekam schmunzeln musste und ständig eine lässig wirkende Meldung erwartet habe, die von ihrem Inhalt her aber einfach nur lächerlich war. Ewan McGregor spielt den Typen – mit dem jeder Mensch (und vor allem Mann) mitfühlen kann und der mit dem Zuseher gemeinsam in die paranormalen Erlebnisse eingeführt wird – echt sympathisch und er und Clooney geben ein sich toll ergänzendes Duo ab.

Jeff Bridges ist wieder mal jenseits von gut und böse unterwegs, entweder er ist auf irgendwelchen Drogen, er starrt geistesabwesend in der Gegend herum oder er betet wieder mal die Mutter Erde an. Kevin Spacey ist ein ziemlicher Ungustl und hat dabei immer ein bösartiges Grinsen im Gesicht, er wirkt wie eine tickende Zeitbome die jederzeit explodieren könnte.

Auch in Nebenrollen sieht man einige bekannte Gesichter z.b. darf Stephen Lang im Prinzip eine Parodie seines ultraharten Klischeearmeeanführers spielen, den er in James Camerons „Avatar“ so eindrucksvoll dargeboten hat und auch Robert Patrick schaut kurz vorbei. Wie man hier schon erkennen kann ist dies ein fast reiner Männerfilm, bei dem Frauen nur in (negativen) Nebenrollen mitspielen.

Mehr noch als die ganzen Seitenhiebe aufs Militär haben mir die paar Star Wars Anspielungen gefallen. Wenn Clooney McGregor sagt, er sei ein Jedi Krieger und McGregor darauf hin wissen will, was denn so ein Jedi sein soll, dann finde ich das angenehm ironisch und musste echt lachen. Auch so Sätze wie „er meinte die Macht sei stark in ihm“ kommen vor.

Wer also auf Miltärkomödien mit lockeren Sprüchen, schräger Slapstick Komik, ein paar Star Wars Insidersprüchen und mehreren gut aufgelegten Stars steht, der ist hier genau richtig. Auch wer die grosse Erleuchtung sucht könnte sie mit diesem Film durchaus gefunden haben. Für eine wirkliche Topwertung fehlt für mich nur etwas Biss und die Story plätschert zu langsam dahin und verlässt sich zu sehr auf einige, wirklich spitze gelungene Szenen.

Am Ende kann ich hier nur noch einmal Obi-Wan Kenobi oh sorry ich meinte natürlich Ewan McGregor zitieren:
„Now, more than ever, me need to be all that we can be.
Now, more than ever we need… the jedi“!!!

The men who stare at goats bekommt von mir 7/10 das Schweigen der Ziegen auslösende Empfehlungspunkte.


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