Der Knochenmann (Filmkritik)

Nachdem Brenner (Josef Hader) von vor einiger Zeit, wegen wie er sagt schlechten Schwingungen, die Polizei verlassen hat ist er momentan für seinen Freund Berti (Simon Schwarz) bei einem Inkassounternehmen tätig. Sein aktueller Auftrag führt ihn in die ländliche Gegend wo er die Schulden eines gewissen Horvaths eintreiben soll. Angekommen beim Wirtshaus Löschkohl, wo der besagte Mensch wohnen soll behauptet man allerdings keinen Horvath zu kennen. Brenner merkt das irgendetwas nicht stimmt und nimmt sich kurzerhand ein Zimmer.

Der-Knochenmann

Der Knochenmann ist nach „komm, süßer Tod“ und „Silentium“ die dritte Verfilmung eines Wolf Haas Romans in der Josef Hader in gewohnter Manier die Rolle des Brenners spielt. Der Film hält sich allerdings nur bedingt an die Vorlage, was dem Film aber in keinster Weise schadet.

Als echter Patriot freue ich mich wenn ich zwischen unzähligen Hollywood-Produktionen hin und wieder einen guten österreichischen Film zu sehen bekomme. Dabei zeigen gerade Filme wie der Knochenmann das sich der österreichische Film in keinster Weise auch nur irgendwie verstecken müsste. Man merkt zwar schon das es ein solcher ist, was sich aber hauptsächlich darin zeigt wie der Film arbeitet und auch funktioniert – was in diesem speziellen Fall aber nicht negativ gemeint ist.

So erzählt der Knochenmann seine Geschichte etwas anders als man es gewohnt ist. So bringt ein Auftrag seines Freundes Brenner zwar an den Ort des Geschehens, baut dort aber man viele parallele Handlungsstränge auf ohne dabei etwas wirklich zu vernachlässigen und führt gegen Ende alles zu einem spannenden Ende. Das funktioniert nur durch einen guten Erzählstiel, einen erstklassigen Schnitt und tolle Hauptdarsteller.

Josef Hader, man kann ihn sympathisch finden oder auch nicht, ist ein toller Schauspieler. Mit seinem ganz speziellen trockenen Humor – von dem, so scheint es, auch einiges im Drehbuch Platz gefunden hat – weiß er auch in Alltagssituationen zu unterhalten. Josef Bierbichler spielt die Rolle eines relativ normalen Menschen der von der Liebe zu einer Frau getrieben eine Wahnsinnstat nach der anderen begeht und dabei den Eindruck vermittelt als würde er jedes mal ein kleines Stück Menschlichkeit verlieren so gut das es schon ans Unheimliche grenzt. Birgit Minichmayr gibt die Sorte Frau die zwar etwas naiv zu sein scheint aber da sie das Herz am rechten Fleck hat muss man sie einfach gerne haben. Simon Schwarz gibt als Berti einen tollen Sidekick und sorgt abseits des Wirtshauses für viel Humor.

In Zusammenspiel mit der Bildgebung und dem Schnitt entsteht ein Feeling das sich vor Big-Budget Produktionen nicht zu verstecken braucht. Man merkt vom ersten Moment das Regisseur Wolfgang Murnberger ein Händchen dafür hat eine Szene für die optische Präsentation von Situationen hat.

Zwei Beispiele (auch zu sehen im Trailer):
Herr Löschkohl zerlegt grade ein Stück Fleisch – als Zuseher weiß man auf Grund vorangegangener Ereignisse was oder vielmehr wer hier zerlegt wird. Die Kamera zeigt dabei Löschkohl von leicht unterhalb wobei man es schafft mittels Beleuchtung das Gesicht des Wirts blass und eingefallen wirken zu lassen.

Zweites Beispiel: Der Freund des verschollenen Russen – der übrigens mit Gipsbein und Rollstuhl unterwegs ist – ist auf dem Weg zum Ort des Geschehens mit dem Auto hängen geblieben und sucht nach einer Mitfahrgelegenheit. Nachdem man ihn bereits mit den Worten „des is a Russ – foarma weida“ stehen hat lassen stellt er sich mit seinem Rollstuhl mitten auf die verschneite Alpenstraße und zückt seine Knarre – wobei in so einer Situation nur ein Auto kommen kann und zwar das der Polizei. 🙂

Abgerundet wird das Ganze durch eine gesunden Priese besten österreichischen Humors. Ob dieser auch außerhalb unserer schönen Alpenrepublik funktioniert lässt sich schwer sagen und wird sich noch zeigen müssen. Auf alle Fälle hat man es geschafft den „österreichischen Schmäh“ gut in den Film einzubauen ohne das es eine Sekunde lang gekünstelt oder mies wirkt. Ich würde es dem Film auf Fälle gönnen das er einerseits erfolgreich ist und andererseits das ihm noch viele weitere gute österreichische Filme folgen.

Der Film bekommt von mir deshalb 9/10 patriotisch- unterhaltsame Empfehlungspunkte.

Zitat: Hom sie a Lizenz ois Privatdedektiv? I hob an Staplerführerschein!


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