29 Minuten. Dann zerfallen alle Dinge oder Lebewesen, die aus dem Grid in die reale Welt geholt werden. Deshalb setzen zwei verfeindete Firmen alles daran, den Code dafür zu finden, permanente Sachen zu erschaffen. Genau diesen Code hat Eve Kim (Greta Lee) gerade gefunden und wird deswegen gejagt.
Ihr Konkurrent Julian Dillinger (Evan Peters) hat Ares (Jared Leto) aka sein Master Control Program – den perfekten Soldaten – ausgeschickt, um Eve um jeden Preis einzufangen und ihr Wissen zu stehlen. Dabei wird schnell klar, dass Ares eigenes Interesse seine 29 Minuten zu verlängern ihm wichtiger ist, als seine Befehle…

Manche „Franchises“ funktionieren außerhalb der Norm (wobei ich mich damit auf die drei Filme beziehe, nicht die zahlreichen Spiele oder die kurzlebige Uprising Serie). Im Jahr 1982 entstand der erste Tron, damals ein visueller Vorreiter was computergenerierte Effekte betrifft. Trotz finanziellem Erfolg sollte es bis 2010 dauern, bis die Story mit Legacy fortgesetzt wurde. Auch hier wurde genug eingespielt, dennoch vergingen weitere 15 Jahre bis zum dritten Teil.
Die ersten beiden Teile gelten mittlerweile als Kult, ein Status, den Ares inszeniert von Regisseur Joachim Rønning (Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales) sicherlich auch in Zukunft nicht erreichen wird. Er ist auch der erste Flop innerhalb der Filmreihe und konnte bisher nicht mal sein Budget wieder einspielen. Ich hatte damit jedoch meinen Spaß, weil ich ihn auf eine bestimmte Weise erlebt habe, aber vorher muss ich kurz weg von der digitalen, auf die Meta- (aka reale) Ebene gehen.
Der ganze Diskurs rund um Produktionen von Disney, ist schön langsam lächerlich. Ja, die haben die letzten Jahre unglaublich viel Mist produziert. Dennoch bin ich kein „Simp“ wenn ich etwas von ihnen gut finde und kein „Hater“, wenn mir etwas nicht gefällt. Es ist übrigens auch nicht jeder konservativ denkende Mensch ein Nazi und nicht jeder Liberale würde gerne neben Stalin auf dem Thron (fast hätte ich jetzt unabsichtlich Tron geschrieben) sitzen. Zur Wiederholung: das Schubladendenken ersetzt den Diskurs und das ist schade.
Das reicht jetzt, so viel zum „Tiefgang“, den der Film in keiner Weise hat. Dafür ist er für Tron typisch, ein audiovisueller Trip – den ich genau als solchen und viel weniger als einen Film erlebt habe – der neben der Optik eindeutig auch von der Musik der Nine Inch Nails geprägt ist, die der Sache klar ihren Stempel aufdrücken und für Eigenständigkeit sorgen (wie es Daft Punkt bereits beim Vorgänger gemacht haben).
Das Szenario an sich entspricht im Prinzip einer einzigen, langen Verfolgungsjagd, am besten vergleichbar mit den ersten beiden Terminator Filmen. Der Suspense-Faktor und die geistreichen Dialoge fehlen zwar, aber bei einem überlangen Musikvideo, ist das auch nicht nötig. Auf Jared Leto hacken Filmfreunde seit Morbius ja gerne herum, aber als Ares finde ich seine zurückhaltende Art, seiner Figur entsprechend sehr passend. Wie er dabei dennoch sporadisch Humor einbindet, ist ebenfalls sehr gelungen.
Greta Lee (The Morning Show) als Eve Kim lernt man zunächst unnahbar und als Arbeitstier kennen, doch im Laufe der Handlung ist man schon auf ihrer Seite, vor allem ihre physische Präsenz kommt für mich gut zur Geltung. Evan Peters (American Horror Story) ist verschenkt als Elon Musk Verschnitt aka Tech-Millionär ohne Moral und Jodie Turner-Smith ist als Athena sehr arrogant und unsympathisch, was sie seit ihren Interviews zu The Acolyte, sowieso auch als reale Person für mich ist.
Schaut man also hinter die Schauwerte oder hinterfragt die Logik, dann wird man hiermit kein freudiges Erlebnis haben. Auch wie das Vermächtnis von Flynn aus Legacy zu Beginn lieblos gehandhabt wurde, ist nicht die feine englische Art (eher die Disney Art, Mann durch Frauen ersetzen und so), aber es war mir ziemlich egal. Wohl sicherlich einer der oberflächlichsten Blockbuster des Jahres, dafür liefert er auf dieser Ebene ein perfektes Erlebnis mit ebensolchen Effekten. Das hat für mich in diesem Fall gereicht.
„Tron: Ares“ bekommt von mir 7,5/10 mit der Naivität eines Kindes, das echte Leben als erstrebenswerte Alternative zum Grid glorifizierende Empfehlungspunkte (ob das jetzt ironisch war, kann jeder für sich entscheiden).



