Him – Der Größte aller Zeiten (Filmkritik)

Schon als er ein kleiner Junge war, hatte Cam (Tyriq Withers) nur einen Traum. Er will wie sein großes Vorbild Isaiah (Marlon Wayans), einmal the GOAT (Greatest of all time) innerhalb des Football-Sports werden. Jahre später ist er ein Star, der kurz vor seinem großen Durchbruch steht.

Als er von Isaiah – von dem gemunkelt wird, dass er kurz vor dem Ende seiner Karriere steht – für eine Woche auf sein abgelegenes Anwesen in der Wüste eingeladen wird, damit dieser herausfinden kann, ob er ein würdiger Nachfolger ist, sieht Cam in seiner Zusage, die Chance seines Lebens…

Abgesehen von „Kicks“ aus dem Jahr 2016, ist Regisseur Justin Tipping vor allem mit dem Inszenieren von Serien und Kurzfilmen beschäftigt. Nun meldet er sich mit einem „Sport-Horrorfilm“ zurück – ja, ihr seid nicht alleine, auch mir fällt so schnell kein Vertreter dieses Subgenres ein – den Kritiker nicht so prickelnd fanden und der bei Kosten von 27 Millionen, nur 26 Millionen Dollar eingespielt hat. Ab jetzt folgen Spoiler.

Him, der passend zuvor den Arbeitstitel GOAT hatte, ist plakativ und sehr „in your face“ mit seinen Handlungssträngen, genau wie Sport oft auch für die Massen inszeniert wird. In diesem Fall geht es um Football, doch als Europäer kann man das ganz leicht auf Fußball ummünzen. Dabei werden sämtliche Themen abgehandelt, die der Sport von dir abverlangt. Was bin ich bereit für meinen Erfolg zu verkaufen (aka meine Seele), was bin ich willig zu opfern? Wie sehr stören dich Einsamkeit und wie sehr spürst du den Erfolgsdruck?

Badest du in der Anerkennung der Fans und bereitet es dir Freude, deine Hater zum Schweigen zu bringen? Ist der Optimierungsfluch, für dich vielleicht sogar ein Segen? Mit diesen und noch mehr Gedanken im Kopf baut sich der Film langsam auf und streut dabei immer wieder Details ein, die unheilvoll auf ein schlechtes, explosives und vor allem blutiges Ende hindeuten. Dabei kommen immer wieder Body Horror Motive zum Einsatz – immerhin muss man den Zuchtbullen ja in Stand halten – und auch religiöse „unser Retter“ Motive kommen zum Einsatz.

Natürlich kann man erraten, wer im Hintergrund die Fäden zieht, denn wer fördert deinen menschlichen Verfall und steigert gleichzeitig deinen riesigen Erfolg als Superstar in der Welt? Richtig, das ist der Teufel und danach lässt er dich fallen. Beim blutigen Over the Top Finale werden dabei nur die menschlichen Hintermänner gezeigt, es könnte auch „nur“ ein Dämon hinter dem allem stecken, aber die von mir angesprochene Richtung stimmt auf jeden Fall.

Bis dahin ist der Film vor allem auch optisch extrem gelungen. Die Spielereien mit den Farben, die „dämonischen“ Filter, das Hineinzoomen in den Körper, das alles erzeugt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Genau wie wenn die Hauptfigur von den sexy Ladys zum Feiern eingeladen wird, du weißt genau, dass du da jetzt nicht mit hinein gehen solltest und dennoch tust du es. Genau so fühlt man sich nach einiger Zeit als Zuschauer.

Tyriq Withers, den ich schon im heurigen I Know What You Did Last Summer Sequel wegen seinem Spiel als die beste männliche Figur bezeichnen würde, gibt als Cam zwar vor allem körperlich alles, aber auch seine Gefühlswelt ist eine emotionale Tour de Force, die man zu jeder Zeit von seinem Gesicht ablesen kann. Marlon Wayans (G.I.Joe) Isaiah als Trainer hat mich dafür überrascht, denn ich kenne ihn nur aus Komödien und sein Anführer hier ist manisch, manipulativ und durchgehend einschüchternd.

Liegen die Kritiker also falsch? Nun nicht im Sinne, dass dies ein guter Film wäre, aber er ist optisch bestechend, atmosphärisch einnehmend, stark gespielt und unterhaltsam. Er bleibt innerhalb dieser lobenswerten Tatsachen dennoch von der Story und der Zusammenführung der Elemente (auch der Realismus-Anspruch kommt und geht) ein Guilty Pleasure Film und vor allem wenn man einen gewissen Aufbau schätzt und eine Hauptfigur, mit der man mitfühlen/leiden kann, dann sollte man seine Tage als Sportmuffel, durchaus hinter sich lassen.

„Him“ bekommt von mir 6,5/10 das Beste aus sich rauszuholen, mit dunkelstem Egoismus verwechselnde Empfehlungspunkte.


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