Influencers (Filmkritik)

CW (Cassandra Naud) hat es irgendwie geschafft, von der Insel auf welcher sie zurückgelassen wurde zu entkommen. Sie lebt jetzt zufrieden mit ihrer Freundin zusammen und alles ist gut. Bis sie zu ihrem Jubiläum eine besondere Reise planen, aber ihr Spezialzimmer in letzter Sekunde an eine bekannte Influencerin vergeben wird und sie ein Downgrade bekommen.

Als diese dann noch mit CWs Freundin flirtet, ist ihr Schicksal eigentlich besiegelt.

Aber Madison (Emily Tennant), die für die Morde von CW angeklagt, aber freigesprochen wurde, bemerkt den Todesfall und beginnt zu ermitteln, denn sie hat den Verdacht, dass CW wieder da ist …

Da ist er – der zweite Teil zu Influencer und wie ich bereits im Review zum Vorgänger sagte – die Geschichte war zu Ende erzählt. Das merkt man auch daran, dass der Anschluss an den ersten Film im Grunde nicht erklärt wird. CW war auf der Insel, allein, ohne Möglichkeit wegzukommen. Jetzt ist sie wieder da und hat sogar eine Freundin. Wie es dazu kam? Die Freundin wird erklärt – da gibt es sogar eine unpassend platzierte, ausführliche Rückblende dazu -, aber die Sache mit der Insel? Nun, sagen wir mal so: CW ist quasi Batman – die kann das. Oder so.

Naja. Egal. Zumindest scheint das die Herangehensweise von Kurtis David Harder zu sein, der auch den ersten Teil geschrieben und inszeniert hat. Und tatsächlich muss ich ihm insofern rechtgeben, dass es für die Handlung völllig irrelevant ist, wie CW wieder retour gekommen ist. Wäre es interessant? Ja. Ist es wichtig? Nein.

Den recht schnell wird klar, was hier Sache ist – es ist die Jagd von Madison auf CW. Und die nimmt relativ rasch an (unrealistischer) Fahrt auf. Denn CW und Madison sind Weltenbummler und ja, ich weiß, wir haben Technologie, werden überwacht und wer hacken kann ist scheinbar fährig alles überall zu tun. Wie? Computerzeugs halt. Jedenfalls ist das Drehbuch eine ganze Ecke schwächer als im ersten Teil, denn hier treffen so viele Menschen durch Zufall aufeinander, die sich vermutlich in zehn Leben nie treffen würden, dass man den Realitätsanspruch in seinem Kopf schon wirklich früh abschalten muss.

Wenn man das schafft, dann ist der Film kurzweilig, unterhaltsam und streckenweise richtig irre. Die eingführten männlichen Inflluencer sind kaputte Typen, die in allem eigentlich nur eine Chance sehen, ihre Reichweite zu vergrößern und ihre Fangemeinde zu erweitern. Witzige Typen für einen Film – im echten Leben wären sie zum Kotzen. Aber gespielt werden sie gut.

Ach ja, der Film fängt mit einem dramatischen Selbstmord von einer völlig neuen Figur an, zu der man keinen Bezug hat. Üblicherweise wird dann die Geschichte erzählt, wie es dazu kam und wir folgen dem Leben dieser Person quasi nach einem Zeitsprung bis hier und jetzt. Das passiert in dieser Form nicht. Ja, die Person kommt vor. Ja, wir lernen ein paar Dinge über sie, aber tatsächlich hat mich der Tod dann im Laufe des Films – natürlich kommen wir zu diesem Punkt – absolut kalt gelassen. Hätte man diesen Teil der Geschichte weggelassen, dann würde nicht mal was fehlen.

Im Kern ist es ja nicht mal die Jagd von Madison auf CW oder CWs Flucht vor Madison, welche hier die Handlung darstellen. Die Handlung ist dünn, sehr dünn, voller unlogischer und unrealistischer Entwicklungen und nicht mal so richtig spannend. Aber irgendwie bin ich drangeblieben und war doch gut unterhalten. Das liegt in erster Linie an der Spielfreude von allen Involvierten. Auch die männlichen Influencer (wie geschrieben: Kotzbrocken oder Würstchen, je nach Standpunkt) sind super gespieilt. Und vor allem Emily Tennant und Cassandra Naud halten bei der Stange.

Das Finale verläuft dann ziemlich so, wie ich mir das gedacht hatte, auch wenn es dann doch ein wenig anders ausgeht als ich vermutet hatte. Also – ich meine jetzt keinen Twist oder so, sondern einfach, dass CW einen ziemlich dummen Fehler macht, die Aktionen völlig „Over-The-Top“ werden (ein cooler Comic-Cat-Fight) und die Reaktion auf das eben passierte ist einfach schräg und ich hab mir wirklich kurz überlegt, ob das jetzt ein Fiebertraum einer der Protagonist:innen ist oder ob das wirklich ist, was laut Drehbuch passiert.

Ja, kryptisch, ich weiß.

Wie dem auch sei: „Influencers“ ist kein großartiger Film, er ist locker lässig angreifbar, leistet sich viele Fehler und Logigklöcher, aber er ist auch dank der grandiosen Optik und paar richtig coolen Locations eifnach super anzusehen und vor allem Cassandra Naud darf wieder zeigen was sie draufhat.

„Influencers“ bekommt 6 von 10 möglichen, aufgrund zu vieler Logiklöcher und ein paar Schnitzern, möglichen Punkte.


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