Im Jahr 1982 – also vier Jahre nach dem Finn (Mason Thames) den Kindermörder bekannt als Grabber (Ethan Hawke) getötet hat – hat seine Schwester Gwen (Madeleine McGraw) immer wieder Träume von drei Morden, die im Alpine Lake Camp im Jahr 1957 passiert sind, wo auch ihre Mutter früher gearbeitet hat.
Sie überredet Finn und einen Freund sie dorthin zu begleiten, damit sie ihren Visionen nachgehen kann. Bei der Anreise kommt es zu einem Blizzard, der das Camp, die drei Kids und die Leiter, vorübergehend von der Außenwelt abschneidet. In der zweiten Nacht läutet die Telefonzelle, Finn hebt ab und es meldet sich die Stimme des Grabbers, der schwört sich für seinen Tod zu rächen…

Nach dem vor allem von der menschlichen Ebene extrem gelungenen Erstling aus dem Jahr 2021, meldet sich Scott Derrickson (The Gorge) nun als Autor und Regisseur, mit einer Fortsetzung zurück, die einerseits die Vergangenheit ergründet, Lücken schließt und zu einem vielleicht sogar noch stimmigeren Ende führt und andererseits die übernatürliche Ebene, um einiges präsenter erscheinen lässt bzw. erweitert und in den Vordergrund bringt.
Dabei bleibt der Kernfokus auf den Darstellern und somit hat der Film eigentlich bereits gewonnen, denn die beiden Jungstars, sind großartig. Madeleine McGraw als Gwen ist dieses mal die eigentliche Hauptfigur und wow, sie hat von ihrer Intensität kein bißchen verloren. Den Schmerz, die Trauer, den Schrecken, schaut ihr einfach ins Gesicht oder beobachtet ihr gesamtes Wesen, da spürst du jede Emotionen.
Wenn sie dann nebenbei Sachen wie „Fuck you with a dinosaur dick!“ bringt, dann bricht das die Intensität kurz, man kann lächeln und durch schnaufen, bevor der Überlebenskampf wieder weiter geht. Auch ihre Anspielung auf die schlimmste Szene im Original ist zwar für ihren Vater und das Publikum ein Schlag in die Magengrube, zeigt aber auch, wie stark sie gewachsen ist. Und keine Sorge – kleiner Spoiler – ihr Vater ist auf dem richtigen Weg.
Bei den Traumsequenzen/Visionen sticht der visuelle Stil hervor, dieser grieselige Retro-Look, der diesen Momenten eine ganz eigene Oldschool Atmosphäre verleiht, involvierend ist und eine andersartige Stimmung verbreitet. Dazu kommt eine Ebene – die zugegeben leicht auch innerhalb der Filmlogik unstimmig hätte sein können, doch für mich hier funktioniert – und zwar wie weit der Grabber als Geist wirklich in die Realität eingreifen kann.
Hier kommt auch die andere Mechanik ins Spiel und zwar die „Nightmare on Elm Street“ in Träumen töten und du stirbst auch im echten Leben Formel. Ist das billig geklaut? Da es hier nur auf Gwen bezogen ist und mit ihren Fähigkeiten zu tun hat, kommt es mir nicht so vor und außerdem seien wir mal ehrlich: wer ist bezogen auf eine gewisse Freddy Krueger Formel nicht ausgehungert und wie oft wird diese in Filmen wirklich aufgegriffen?
Das durch Slasher etablierte Camp-Setting plus die vorherrschende Eiseskälte leisten ebenfalls ihren Beitrag, dass man hier durchgehend das Gefühl einer lauernden Bedrohung hat. Ethan Hawke (Predestination) lässt seinen jungen Co-Stars das Rampenlicht, doch wenn er auftritt, ist er schön sinister und diabolisch. Der Rest des Casts wirkt voll involviert, Mason Thames (How to Train Your Dragon) alls Finn wirkt traumatisiert und aggressiv, während Demián Bichir (The Nun) als Campleiter viel Herz ins Spiel bringt und Arianna Rivas (A Working Man) als seine Nichte Mustang, den nötigen Kampfgeist mitbringt.
Für mich also eine würdige Fortsetzung, vor allem eben weil Gwen und Finn der Mittelpunkt sind und so der stärkere Schwerpunkt auf der Geister-Ebene, dem Film nichts an seiner bodenständigen Erzählweise raubt. Auch der Abschluss der Story ist versöhnlich und stimmig geraten, was die Figuren klar auch verdient haben. Natürlich kann man den Grabber auch endlos wieder „ausgraben“, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass das nicht der Plan von Derrickson ist und das ist gut so.
„Black Phone 2“ bekommt von mir 8/10 was dich nicht umbringt, dich zu gleichen Teilen stärker und seltsamer machende Empfehlungspunkte.



