Afterburn (Filmkritik)

Nachdem eine riesige Sonneneruption einen Großteil der Welt zerstört hat, regieren mächtige Feldherren – auch bekannt als Könige oder Tyrannen – über die überlebenden Menschen. King August (Samuel L. Jackson) ist einer von ihnen und er ist spezialisiert darauf, kulturell wertvolle und leider verschollene Gegenstände, wiederzufinden und zu archivieren.

Das macht er natürlich nicht selbst, sondern er hat dafür Jake (Dave Bautista), der beste Mann um Sachen aller Arten zu finden. Sein aktueller Auftrag betrifft die Beschaffung der Mona Lisa und dafür muss er in ein berüchtigtes Gebiet in Frankreich vordringen, in dem ein grausamer Diktator herrscht…

Dieser Film basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Red 5 Comics, einem kanadischen Independent Comic-Verlag. Regie führte Ex-Stuntman J.J. Perry, für den es nach Dayshift und The Killer´s Game, sein dritter Film in dieser Funktion ist. Seit 2008 arbeitete man bereits an Ideen, die Story zu verfilmen, da wurden Männer wie Antoine Fuqua (The Equalizer) oder Tommy Wirkola (The Trip) für die Regie genannt und Gerard Butler, sollte die Hauptrolle übernehmen.

Schließlich wurde es Dave Bautista, der die Hauptrolle übernahm und als Produzent mit an Bord kam. Den habe ich dieses Jahr bereits einmal gesehen und zwar in „In the Lost Lands„, für mich eindeutig ein Tiefpunkt in seiner Karriere. Was nach all der Vorgeschichte wohl keinen wundern sollte: natürlich ist dieser Film finanziell ein riesiger Flop gewesen, denn obwohl hier alles nach Home Video Release bzw. heutzutage Streaming Release schreit, war der Film sogar im Kino.

Meine Gefühle waren von Anfang an etwas gemischt. Wenn man in einer der ersten Szenen Batista ein Fernglas benutzen sieht und an mehreren Stellen Rauch aufsteigt, dann war ich mir nicht sicher, ob nun der CGI Rauch oder Batistas gefärbter Bart unechter aussehen würden. Dann folgt sein eigentlich cleverer Einbruch in einen Tresor, danach kommt seine Shotgun zum Einsatz und zwar so wuchtig, blutig und cool, dass es eine Freude ist.

Da wurde mir klar, dass dieser Film leider nie so schlecht werden würde, dass er wieder lustig ist. Die Mischung aus Postapokalypse und autoritärem Regime ist nur in Ansätzen glaubhaft, Alles wirkt irgendwie zu sauber bzw. absichtlich auf schmutzig gemacht. Man kann Vorbilder erkennen, an denen sich die Optik anlehnt, aber der Hommage Status wird nie erreicht, es wird vielmehr die „billige Kopie Atmosphäre“ verstreut.

Die längste Verfolgungsjagd ist anfänglich cool, doch schnell hat man durchschaut, es geht nämlich nur darum Sachen in die Luft zu jagen, immerhin schießt ja ein Panzer auf die Flüchtigen. Nur die Messerkämpfe und Schusswechsel, da spürt man die Kraft dahinter, die bleiben blutig und durchgehend lässig. Wie Batista jedoch beim Finale seine Gegner fast im Wrestling-Stil durch die Gegend wirft, ist beinahe lächerlich und der Kampf gegen die Nummer eins des Oberbösen (und gegen ihn selbst), ist extrem verschenkt, genau wie die dazugehörigen Darsteller.

Und was ist mit den übrigen Schauspielern? Die hab ich alle schon stärker erlebt. Dave Bautista passt physisch, wirkt aber dann unbeholfen, wenn er einen witzigen Spruch lassen will oder sich über seine Situation ärgert. Komisch, unter dem richtigen Regisseur kann er sowas nämlich sehr gut. Olga Kurylenko (Chief of Station) als Rebellin wechselt zwischen übercool und verloren wie ein kleines Kind und Samuel L. Jackson (The Marvels) spielt seinen „König“ nicht als könnte er im Schlaf spielen, sondern als würde er im Schlaf spielen.

Abgerundet durch die schrecklich kitschigen (ja, dürfte gewollt sein, wirkt dennoch daneben) Träume einer besseren Zukunft für den Helden ergibt das einen Film, bei dem man sagen kann, dass es alle Beteiligten egal welche Aufgaben sie in diesem Film hatten, schon mal besser hinbekommen haben. Ich kenne natürlich viel schlimmere Genrebeiträge, aber so generisch, langweilig und fast gänzlich frei von stimmiger Atmosphäre, habe ich schon lange keinen „actionreichen Kinofilm“ mehr gesehen.

„Afterburn“ bekommt von mir 4,5/10 den Willen für eine zivilisierte Welt nach der Apokalypse zu kämpfen, völlig verloren habende Empfehlungspunkte.


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