Young Guns (1988 Filmkritik)

John Tunstall (Terence Stamp) hat ein Herz für Herumtreiber. Deshalb nimmt er auf seiner Farm auch immer wieder junge Vagabunde auf, bringt ihnen Lesen und Schreiben bei und will sie auf den „richtigen“ Pfad zurückführen. Allerdings sieht L. G. Murphy (Jack Palance) ihn als Konkurrenz. Und Murphy hat so gut wie alle wichtigen Leute in seiner Tasche. Vom Sheriff angefangen bis hin zum Governeur. Nach einer durchzechten Neujahresfeier passiert es: Murphy lässt Tunstall vor den Augen seiner „Vagabunden“ über den Haufen schießen.

Dieser Haufen an Vagabunden besteht allerdings unter anderem aus Billy The Kid Emilio Estevev), „Doc“ Scurlock (Kiefer Sutherland), Dick Brewer (Charlie Sheen) und Chavez Y Chavez (Loud Diamond Philipps). Und die Jungs lassen sich zu Hilfssherifss ernennen, um die Haftbefehle gegen die Mörder zu vollstrecken.

Allerdings hat William H. Bonney aka Billy The Kid nicht vor die Mörder zu verhaften, sondern Selbstjustiz zu üben. Und noch bevor man bis drei zählen kann, werden die Jäger selbst zu gejagten …

„Young Guns“ habe ich sicher schon zwanzig Mal gesehen. Es war einer dieser Filme, der mich als Junge so richtig beeindruckt hat und einer er Gründe, weshalb ich irgendwann mal dachte, ich möchte Cowboy – oder noch besser: Revolverheld – werden. Der Hauptgrund war sicher die Darstellung von Emilio Estevez als Billy The Kid.

Tatsächlich ist – wenn ich mir den Film heute ansehe, was ich vor kurzem getan habe – Billy sicher kein Held. Eigentlich ist er sogar ein ziemlicher Ungust, wie man so schön sagt. Trotzdem blieb er in meinem Kopf der Held der Geschichte. Und die Geschichte ist ja spannend. Billy hatte ja viele Namen und angeblich wurde er ja von seinem Freund Pat Garett von hinten erschossen. Es gibt allerdings auch Stimmen, die behaupten, dass dies nur ein Trick gewesen sei und Billy überhaupt nicht erschossen wurde (siehe dazu den zweiten Teil „Young Guns II“).

Über das Verhältnis von Billy und Pat Garrett gibt es ja durchaus mehrere Filme (nicht zuletzt „Pat Garrett und Billy The Kid“, dem wir ja „Knockin‘ On Heavens Door“ von Bob Dylan zu verdanken haben, denn genau um diese beiden geht es ja in dem Lied. Aber das nur am Rande.

Was „Young Guns“ so gut macht, ist das, was auch „Guardians Of The Galaxy“ gut macht: Es gibt einen verhältnismäßig großen Cast, aber man schafft es, allen Figuren einen Charakter zu geben und auch wenn sich die Zeit vor der Kamera natürlich klar in Richtung Billy fokussiert, so bekommen auch die anderen genug zu tun, um interessant zu bleiben. Hintergrundgeschichten bekommen nur ein Bruchteil der Charaktere spendiert, aber allein ihre Interaktionen untereinander sind spannend genug, dass man einfach wissen möchte, was mit ihnen allen passiert.

In meinem Kopf war „Young Guns“ immer ein Actionfilm, was er auch ist – wenn dann mal geballert wird. Allerdings passiert sehr viel verdichtete Handlung und die Geschichte vergeht wie im Fluge. Auch heute kann man sich den Film noch gut ansehen und er macht immer noch spaß.

Drehbuchautor John Fusco (der auch „The Highwaymen“ mit Kevin Costner geschrieben hat) wusste schon damals, wie man das macht. Und Christopher Cain hat ohne große Überraschungen, aber dennoch geschickt inszeniert (ich mochte übrigens den Film, den Cain vor „Young Guns“ gemacht hat, nämlich „The Prinicpal“ mit Jim Belushi als er noch ernste Rollen annahm, auch sehr gern).

Der große Bonus von „Young Guns“ sind natürlich die schrägen, schwarzhumorigen Szenen, wie zum Beispiel ein „Schönling Kopfgeldjäger“, der in einer Bar damit prahlt, derjenige zu sein, der Billys Kopfgeld einstreicht. Während Billy ein paar Meter weiter neben ihm steht und ihm zuhört, wohl wissend, dass der Kerl nicht mal eine Ahnung hat, wie Billy The Kid aussieht. Wie die Szene weitergeht und wie Billy ihn immer weiter provoziert, bis die Sache ein klares Ende nimmt. Das ist einerseits extrem cool und andererseits auch irgendwie erschreckend wie kaltblütig Billy damit umgeht und wie sehr es ihm Spaß macht.

Der Charakter von „Doc“ Scurlock sagt es im Film am besten und es trifft auch auf mich als Zuseher zu: „Ich muss sehen, dass ich wegkomme, denn wenn ich ihn wiedersehe … er hat eine Macht. Eine Gabe, dich dazu zu bringen, ihm zu folgen, ob du willst oder nicht.“ Und Ja, dem Ruf von Billy The Kid in „Young Guns“ folge ich gerne immer wieder mal.

Einfach, damit es erwähnt ist: Dass die Besetzung (Jack Palance, Terence Stamp, Emilio Estevez, Charlie Sheen, Kiefer Sutherland, Lou Diamond Philipps, und andere) mit dem Film groß rauskamen und steil Karriere (wenn auch teilweise nur im B-Movie-Bereich – ich blicke in deine Richtung, Lou Diamond Philipps) machten, spricht schon Bände.

„Young Guns“ bekommt von mir auch heute noch 8 von 10 möglichen, historisch vermutlich nicht allzu korrekte, Punkte.


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