Abgerissen – Break (Filmkritik)

Katya (Irina Antonenko) will zusammen mit ihrem Freund und drei Bekannten Silvester in den Bergen feiern. Bei der Gondel-Station angekommen, gibt es zunächst Ärger mit dem Verantwortlichen wegen der späten Uhrzeit und dann fährt auch noch Katyas Freund nicht mit, weil er seine Tasche irgendwo am Weg verloren hat. Zu viert startet die Fahrt schließlich doch.

Einige Zeit später ist der Strom plötzlich weg und die Gondel bleibt auf halber Strecke stehen. Kurz darauf geht die Reise weiter und als die Fahrt wieder unterbrochen wird, nutzen die jungen Leute die Zeit um zu feiern (ja, viel Alkohol ist dabei im Spiel). Als sie am nächsten Tag aufwachen und sich noch immer in der sich nicht vom Fleck bewegenden Kabine befinden, wird ihnen langsam klar, dass hier ein echter Notfall vorliegt.

Nach einem Kurzfilm ist dies der erste Spielfilm von Regisseur Tigran Sahakyan. Es handelt sich sozusagen um einen Katastrophen-Thriller auf engstem Raum, da er zu großen Teilen nur in, auf und unter der Kabine einer Seilbahn spielt. Auch wenn ein paar Ideen und nennen wir sie mal Twists die Handlung durchaus spannend halten, reicht das Ganze dann doch nicht aus, um circa 80 Minuten lang durchgehend zu unterhalten.

Ich muss jetzt auch ziemlich spoilern, also seid gewarnt. Wenn ich ein „Final Girl“ habe, dass ihrem Freund die von ihm geplante Silvester-Feierlichkeiten nicht vermiesen möchte und deshalb erst danach mit ihm Schluss machen will und wenn diese dann auch noch schwanger ist von ihm und ohne mit ihm zu reden das Kind abtreiben will, dann nennen das manche Menschen (aka Feministinnen) vielleicht eine starke Dame mit Persönlichkeit, doch mir ist dieses Verhalten zutiefst unsympathisch.

Und was folgt? Nach der durchlittenen Extremsituation schwenkt sie dann um und will doch Kind und Freund behalten. Ja, was für eine tolle Charakterentwicklung. Ihr versteht sicher warum ich das so ausführe, denn um ihr Überleben soll man sich sorgen. Der engagierte, heldenhafte Typ und seine ihn liebende Freundin sind klar entbehrlich und der zurückgewiesene, gerne zu viel trinkende Egoist, der ist klar Feind und nicht Freund. Aber es gibt ja die Heldin, die mir leider auf Grund ihres Verhaltens egal ist.

Genau darum zieht sich die Handlung dann auch trotz der kompakten Länge und dem Einsatz von nicht allzu übertriebenen Ereignissen. Irina Antonenko als Katya macht ihre Sache als Einzige eigentlich durchgehend gut, auch wenn sie in manchen Fällen einfach überfordert und unbeholfen wirkt, was wiederum auch gespielt sein könnte, weil es zur Situation passt. Bei den übrigen Darstellern ist die mangelnde Erfahrung in einigen Schlüsselmomenten dann doch klar sichtbar, weil das Gezeigte einfach nicht so rüber kommt, wie es hätte sein können.

Also in die Trash-Ebene rutscht das Ganze nie, außer vielleicht in die Soap Opera Drama Trash-Richtung, wenn ihr wisst was ich meine. Dafür ist trotz erkennbaren Computereffekten das Gefühl der Isolation und Hoffnungslosigkeit doch wiederkehrend immer wieder spürbar und man fängt schon an zu überlegen, was man selbst in dieser Situation tun würde. Leider schwenkt man jedoch eben auch geistig ab, weil das Gezeigte zwar fesseln kann, doch zu selten tut.

Insgesamt daher ein sehr kleiner Thriller, dem streckenweise die Luft ausgeht und der dich über die Qualitäten deiner Freundschaften nachdenken lässt und man im Normalfall (oder doch Idealfall) darauf kommen müsste, dass man selbst und die eigenen Freunde in so einer Notlage anders reagieren würden. Setzt der reine Selbsterhaltungstrieb ein, dann ist bei manchen Menschen nämlich kein Anderer mehr auf der sichern Seite, egal wie nahe er dieser Person auch stehen mag.

„Abgerissen“ bekommt von mir 4,5/10 das extreme Durchhängen für einen Neustart nutzende Empfehlungspunkte.


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