Boyhood (Filmkritik)

Das Leben des sechsjährigen Mason Jr. (Ellar Coltrane) wird auf den Kopf gestellt, als seine Mutter Olivia (Patricia Arquette) mit ihm und seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) in ihre Heimat Texas zurückkehrt, um noch einmal das College zu besuchen. Dort bekommen die Kinder immerhin auch ihren Vater Mason Sr. (Ethan Hawke), der seit der Scheidung kaum für sie da gewesen ist, wieder öfter zu Gesicht. Mason Jr. muss sich mit seiner neuen Lebenssituation arrangieren – und durchlebt so die zwölf Jahre, die aus einem kleinen Jungen einen Mann machen: Campingausflüge, das erste Bier, der erste Joint und die erste große Liebe werden erlebt…

Boyhood

Regisseur Richard Linklater hat sich scheinbar auf besondere Filme fast schon spezialisiert. In seiner „Before“ Film-Reihe (Before Sunrise, Before Sunset, Before Midnight) verfolgte er die Liebesgeschichte eines Pärchens (Julie Delpy und Ethan Hawke) mit einem Abstand von jeweils 9 Jahren und zeigt, wie sich die Beziehung von Jesse und Celine während dieser langen Pausen verändert hat.

Für „Boyhood“ dauerten Linklaters Dreharbeiten über 12 Jahre. Warum? Der Film folgt der Geschichte des jungen Mason und Linklater wollte offensichtlich sein Heranwachsen mit nur einem Schauspieler drehen und so entschloss er sich während diesen bereits erwähnten 12 Jahren in jedem Jahr nicht einmal eine Woche mit seinem Hauptdarsteller Ellar Coltrane und dem restlichen Cast zu filmen und so die Wandlung vom Kind um Teenie fest zu halten und das alles mit einem Budget von insgesamt 2,4 Millionen Dollar. Und es ist tatsächlich spannend Mason vor der Kamera aufwachsen zu sehen.

Auch wenn die Drehtage auf über ein Jahrzehnt aufgeteilt waren, wirkt der Film dennoch nicht gestückelt, sondern wie aus einem Guss. Obwohl laut Cast vieles im Film improvisiert war und man nicht immer einem starren Skript folgte, merkte man einfach, dass sich eine Vision durch den Film zog, die ihn zu etwas besonderem macht. Sehr amüsant ist es übrigens anzusehen, wie sich die Geschwister Mason und Samantha vertragen oder auch mal nicht. Als sie sich mal ein Zimmer teilen müssen, führt sich in Masons Augen seine Schwester auf wie eine Diva, die schon in jungen Jahren die Kunst der Manipulation beherrscht.

Da es keine Zeitangaben im Film gibt, muss man sich anhand des Kontexts der Handlung orientieren. Anfangs dient der Beginn des Irak-Krieges als Anhaltspunkt, dann schon mal Obamas Wahlkampf. Man kann sich aber auch anhand von Popculture-Referenzen orientieren. Da steht die kleine Schwester zuerst auf Britney und dann auf Gaga und man kann die Entwicklung des Filmgeschmacks von Mason miterleben. Amüsant ist es auch die Entwicklung des Handys und von Spiele-Konsolen zu beobachten.

Richtiger Plot ist nicht vorhanden, womit sich der Film allerdings am wahren Leben orientiert, dass sich ja auch äußerst selten an ein Drehbuch hält. So konzentriert man sich vielmehr auf die Entwicklung der einzelnen Charaktere und wie sie ihr Leben meistern – mal mehr, mal weniger gut.

Ein wahrer Glücksgriff gelang Linklater mit seinem Hauptdarsteller Ellar Coltrane, denn glaubwürdig lässt er den von ihm gespielten Mason vom schüchternen Buben zu einem offenen, debattierfreudigen Jugendlichen heranreifen, der erst nach einiger Bedenk- und Beobachtungszeit auf Herausforderungen reagiert.

Richard Linklaters Tochter Lorelei, die Samantha spielte, machte ihre Sache ebenfalls sehr gut. Es sind auch noch einige bekanntere Namen zu finden, so spielen Patricia Arquette (Ed Wood) und Ethan Hawke (Daybreakers) die Eltern von Mason.

Fazit: „Boyhood“ dokumentiert auf faszinierende Art und Weise den Prozess des Erwachsen-Werdens eines ganz normalen Jungen, mit ganz normalen Problemen. Trotz den Zeitsprüngen faszinieren die konstanten Momentaufnahmen und man langweilt sich trotz einer Laufzeit von fast 3 Stunden keineswegs.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 sich weiter entwickelnde Punkte.


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