Best Of Worst Case: Hermann mit der Schneeschaufel (Filmkritik)

Hermann (Dominic Marcus Singer) ist jung und geistig nicht unbedingt hell. Er lebt bei seiner (sehr nervigen) Oma (Jolanta Warpechowski) und muss parieren. Als ihm sein (vermisster) Großvater eine Kiste Maroni schickt und er die nette Hannah kennenlernt, kann er sein Glück kaum glauben. Aber dann wird sie entführt, er entdeckt, dass die Maroni Superkräfte verleihen, schnappt sich seine Schneeschaufel und macht sich auf den Weg sie zu retten.

Hermann mit der Schneeschaufel Film

Von Anfang an als Trashfilm konzipiert konnte ein Film wie „Hermann“ ja nur gut werden. Das war klar. Bei den „Vienna Fright Nights“ hat der Film den Publikumspreis gewonnen und noch dazu den Preis für die „Beste Verstümmelungsszene“. Alles klar und total super. Die Macher dahinter haben alles Recht auf sich und ihr Werk stolz zu sein, denn sowas gelingt nicht allen und nicht jeden Tag. An dieser Stelle also: Respekt.

ABER. Und das ist ein großes Aber. Der Film ist langsam. Und kommt leider bis zum Ende nicht so wirklich in die Gänge. Ist es am Anfang noch lustig dem Großvater und seinem Wüstenführer zu folgen, so verliert sich der Film rasch mal in belanglosen und nur beim ersten Mal witzigen Szenen. Leider wiederholen sich dann einige Witze für meinen Geschmack ein bisschen zu oft, um noch lustig zu sein.

Dominic Marcus Singer, der Hermann und auch den Großvater spielt, ist kein begnadeter Schauspieler, das sei mal so dahingestellt. Sicher – man versteht, was er mit seiner Mimik sagen will, aber letzten Endes reicht es leider nicht um den Film zu tragen. Zu billig ist die Art und Weise, wie er den „dummen“ Hermann spielt. Immerhin tut es auch nicht weh, ihm zuzusehen. Die anderen … Schauspieler schlagen in eine ähnliche Kerbe, haben aber auch nicht viel zu tun. Positive Ausnahme: Jolanta Warpechowski als Großmutter ist (bewusst) nervig und spielt das verdammt gut.

Wirklich nervig waren eigentlich nur zwei Dinge:

Einerseits gibt es ein paar Szenen, in welchen die entführte Hannah durch die Gegend getragen oder als Geschenk präsentiert wird und die gute Frau kreischt – verständlicherweise – die ganze Zeit über. Storytechnisch klar. Aber leider auf die Dauer einfach ein bisschen zu nervig. Zumal der Knebel seinen Zweck nicht erfüllt. Wenn das ein Witz gewesen sein sollte und Absicht, dann ging das an mir vorbei.

Andererseits ist der Film zu langsam. Die Kampfszenen versprühen keine Wucht, die Kamera ist zu lange drauf, es wird zu selten geschnitten bzw. hätte man vielleicht die Kampfszenen ein wenig öfter üben sollen, damit sie flüssiger wirken.

Positiv erwähnen muss ich die Kreativität in den Tötungsszenen – die meisten sind zwar vorhersehbar, aber zumindest gut gemacht. Vor allem die physischen Effekte sind wirklich super. Der „geteilte“ Mann sieht verdammt gut aus. Auch der „abgerissene“ Arm schaut super aus. Also … eigentlich alle physischen Effekte sind super. Das gleiche gilt für die Musik.

Was nichts daran ändert, dass der Film nichts zu bieten hat, außer eben diesen blutigen Szenen. Die Handlung ist simpel und wird eigentlich nicht persifliert. Die Szenen sind nicht übertrieben und nicht überzeichnet. Es sei denn, übertrieben lautes, langes und anstrengendes Lachen (der „Charaktere“ im Film) wird heutzutage bereits schon als Satire bezeichnet.

Bitte, versteht mich nicht falsch: Es handelt sich um eine Amateurproduktion. Das merkt man auf ganzer Linie. Und das Herz war sicher am richtigen Fleck, aber trotzdem kann ich nicht umhin, zu erwähnen, dass es vielleicht (angeblich um € 13.000,–) besser gewesen wäre, wenn man sich ein wenig mehr auf Handlung und Charaktere und Witze fokussiert hätte, also rein auf die Splatterszenen zu setzen.

Wer also auf reinen Splatter steht kann die ersten zwanzig Minuten des Films überspringen und gleich zum Blutbad übergehen. Alle anderen sollten ohnehin einen Bogen machen.

„Hermann mit der Schneeschaufel“ bekommt 4 von 10 möglichen, blutige, aber zu wenig lustige, Punkte.

Best-Of-Worst-Case-Urteil (Trashfaktor: Story, Drehbuch, Schauspiel):
Von einem großen Blutfaktor abgesehen hat der Film nicht wirklich viel zu bieten. Der ist zwar gut gemacht, aber aus dem Alter, in welchem mir das gereicht hat, bin ich leider bereits rausgewachsen. Schade. Ich habe ihn wirklich mögen wollen.

Fazit: Ab der Hälfte super für Splatterfans. Sonst nada.


2 Gedanken zu „Best Of Worst Case: Hermann mit der Schneeschaufel (Filmkritik)

    • Ich nehme an, dass du also nicht meiner Meinung bist 😉 Geht ja auch in Ordnung. Ich würde mich freuen, wenn du mir ein wenig konkreter widersprechen könntest (zum Beispiel, bei welchen Dingen du anderer Meinung bist).

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