Charlie Bartlett (Filmkritik)

Charlie Bartlett (Anton Yelchin) hat es nicht einfach. Erst fliegt er aus seiner Privatschule, nachdem er Ausweise gefälscht hat und nun muss er aus Mangel an Alternativen auf eine öffentliche Schule gehen, wo er wirkliche Probleme damit hat, seinen Platz zu finden. Da kommt ihm eine geniale Idee. Gemeinsam mit Schulrowdy Murphey Bivens (Tyler Hilton) vertickt er sein ihm gegen Hyperaktivität verschriebenes Ritalin auf einer Schulfete. Schon steigt sein Ansehen und bald geht es soweit, dass aus Charlie der schuleigene Psychiater wird und munter bunte Pillen vertickt. Dies ist natürlich ein Dorn im Auge des Direktors der Summit High, denn Rektor Gardener (Robert Downey jr.) hat nicht nur Angst um seine Schüler, sonder auch um seine Tochter Susan (Kat Hennings).

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Einfach göttlich – das beschreibt den Film wohl nicht schlecht. Anton Yelchin (Star Trek Into Darkness) spielt die Rolle des Außenseiters und Sonderling wirklich perfekt und mit einer Leichtigkeit, als ob er noch nie etwas anderes getan hätte. Immer ein spitzbübisches Grinsen auf den Lippen und nie um einen Spruch verlegen. Man kann gar nicht anders, als seinen Charakter zu bewundern und sich gleichzeitig über ihn zu wundern. Was irgendwie seltsam ist, denn immerhin dealt er mit Drogen, was normalerweise gleichzusetzen ist mit dem Missfallen des Publikums, aber hier ist es etwas anderes.

Anfangs vertickt er ja „nur“ sein Ritalin gegen Geld, dann aber wird er zum Psychologen seiner Mitschüler. Er hört sich ihre Probleme an und gibt ihnen Tipps und verschreibt seine eigentlich ihm verschriebenen Medikamente munter weiter. Eine Weile geht das auch alles gut. Doch eines Tages nimmt einer seiner „Patienten“ eine Überdosis, was für Charlie ein Zeichen dafür ist, dass es so nicht weiter gehen kann.

Rektor Gardener wird von Robert Downey Jr. (Iron Man 3) gespielt, der wieder einmal beweist, was für ein genialer Schauspieler er ist, wenn er nüchtern ist. Downey Jr. stehen diese sarkastischen Rollen einfach, sie sind ihm ja förmlich auf den Leib geschnitten (darum passt er auch perfekt in die Rolle von Tony Stark). Gardener wird von niemandem respektiert seit er Rektor ist, weder von seiner Tochter noch von seinen Schülern. Das nagt schon ziemlich an seinem Ego und das sieht man teilweise auch, wenn er seine verwundbare Seite zeigt.

Der eher unbekannte Tyler Hilton (spielte in „Walk the Line“ Elvis Presley) mimt den Schulrüpel mit einer verletzlichen Seite (die ist aber sehr, sehr, sehr gut versteckt). Seine Figur mochte ich trotz einiger Startschwierigkeiten am Ende richtig gut leiden.

Kat Dennings (Thor: The Dark Kingdom) spielt Susan Gardener, die wie ihr Vater innerlich kaputt geht, sich aber außerstande sieht, irgendwas zu unternehmen. Ihre Figur bleibt eher blass, da hätte man ihrer Figur ruhig ein bisschen mehr Raum zum Atmen geben können. Hope Davis gibt als Charlies Mutter eine wirklich eindrucksvolle Performance und blieb mir gut in Erinnerung. Ihre Figur hat etwas zerbrechliches, aber man hat dennoch ein bisschen Respekt vor ihr.

Die Story ist einmal etwas ganz neues und herrlich erfrischend. Leider erhielt der Film in Amerika eine FSK 18, so war das Einspielergebnis natürlich eher mager. Aber mit viel Humor, Einfühlungsvermögen und Verstand leuchtet dieser Film die Beziehungen zwischen pubertierenden Teenies und ihren Eltern bzw. ihren Schulkollegen aus.

Jeder Schüler ist ein Individuum, und seine Begabungen sollten entsprechend gefördert werden. Super sieht man das am Beispiel des Künstlers Kip, bei dem sich Charlie mächtig ins Zeug wirft, um dessen Theaterstück auch auf die Bühne zu bekommen.

Fazit: „Charlie Bartlett“ zeigt sehr schön, dass man ein Ziel haben sollte: immer herauszufinden, was der einzelne Mensch braucht, um glücklich zu sein. Dass dazu manchmal „Drogen“ nötig sind, ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 nicht wirklich drogenfreien Punkten.


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