Trance – Gefährliche Erinnerungen (Filmkritik)

Eine Gruppe Krimineller überfällt ein Auktionshaus um ein Gemälde, dessen Wert auf 25 Millionen Pfund geschätzt wird, zu stehlen. Mitarbeiter Simon Newton (James McAvoy) versucht das Bild in Sicherheit zu bringen, scheitert dabei aber und bekommt von Franck, einem der Gangster (Vincent Cassel), einen ordentlichen Schlag auf den Kopf.

Als sich später herausstellt, dass das Gemälde sich nicht in der gestohlenen Tasche befindet, entführen die Kriminellen Simon um zu erfahren, wo denn nun das Gemälde geblieben ist. Da dieser unter Amnesie leidet schickt man ihn kurzer Hand zu einer Therapeutin namens Elisabeth Lamb (Rosario Dawsen), die seinem Gedächtnis mittels Hypnose auf die Sprünge helfen soll.

Trance

„Trance“ ist die Sorte von Geschichte, die über mehrere Jahre in den Köpfen einiger kreativer Köpfe herum schwirrt, bis sie tatsächlich ihren Weg auf die Leinwand findet. Bereits 1994 hatte Drehbuchschreiber Joe Ahearne dem Regisseur Danny Boyle sein Drehbuch für den Film geschickt, um es 2001 selbst als Fernsehfilm umzusetzen. Boyle selbst hatte die Idee aber offensichtlich auch nicht vergessen und brachte die Geschichte selbst, gut zwei Jahrzehnte später, auf die Leinwand.

Danny Boyle ist den meisten ein Begriff in Zusammenhang mit dem Film „Slumdog Millionär“, mit dem er im Jahre 2009 nicht nur die Oscars domminiert hat (immerhin hat der Film in 8! Kategorien gewonnen), sondern unter anderem auch (und zwar zu Recht) die begehrte Statue für den besten Film und die beste Regie mit nach Hause nehmen konnte. Seit dem ist es etwas ruhiger geworden um Boyle, und ich war gespannt auf sein neuestes Werk.

Das Ergebnis weiß zu gefallen, weist aber durchaus einige Ecken und Kanten auf. Die Geschichte beginnt als Krimi, und versucht später die Geschehnisse zu rekonstruieren. Dabei führt man den Zuschauer immer und immer wieder an der Nase herum. Jedes Mal wenn man eine ungefähre Ahnung hat was passiert sein könnte, stellt sich heraus, dass man bisher nur einen Teil der Geschichte kennt. Dabei spielt man mit dieser Idee bis zum bitteren Ende und kann sich nie sicher sein, was eigentlich real ist und was wirklich passiert.

Etwas das man den Film zugestehen muss ist, dass die Geschichte durchdacht und bis zum Schluss unvorhersehbar ist. Auf der anderen Seite merkt man, dass Drehbuchautor Joe Aherne überwiegend an Serien arbeitet. Was ich damit sagen will ist, dass ein derartiges Labyrinth an Handlungselementen, die hier eingebaut wurden um die Spannungskurve oben zu halten, ein wenig zu viel ist für einen Spielfilm mit gerade einmal hundert Minuten ist.

Hier hätte der eine oder andere Abstrich dem Film durchaus gut getan. Die gewonnene Zeit hätte man der knapp bemessenen Charakterentwicklung zukommen lassen können. Betreibe ich hier Jammern auf hohem Niveau? Natürlich, aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass man hier einen Teil des Potentials des Films leichtfertig verschenkt hat. Aber kommen wir zu den Schauspielern und hier wird es gleich aus mehrerlei Hinsicht interessant.

James McAvoy (X-Men: First Class) war ursprünglich nicht interessiert, bis zu dem Zeitpunkt als er das Drehbuch las. Für die Rolle der Elisabeth waren zuerst Scarlett Johansson, Melanie Thierry und Zoe Saldana vorgesehen bevor Rosario Dawsen (Fire with Fire) die Rolle übernahm. Für die Rolle des Gangsters Franck waren vorher Michael Fassbender und Colin Firth im Gespräch bevor Vincent Cassel (Black Swan) die Rolle übernahm. Bedenkt man wie gut die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist, kann man nur von Glück reden, dass alles so gelaufen ist.

James McAvoy als Simon erweckt zuerst den Eindruck eines motivierten Mitarbeiters, der das Opfer unglücklicher Umstände geworden ist. Bereits nach relativ kurzer Zeit stellt man fest, dass hinter seiner Person mehr steckt, und McAvoy ist großartig darin sämtliche Fassetten seiner Rolle einzufangen. Rosario Dawsen als Elisabeth Lamb scheint mit ihrer Umgebung zu spielen und ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Geschichte, während Vincent Cassel als Gangster Franck zwar einen tollen Job macht, seine Rolle für einen Kriminellen aber ein wenig zu gutmütig angelegt scheint.

Was aber hat nun Danny Boyle bei diesem Film beigetragen? Boyles optische Inszenierung der Geschichte wirkt rasant wenn möglich, beinahe klaustrophobisch wenn notwendig und ist dabei immer so bildgewaltig wie möglich (vor allem am Ende). Alles in allem ist „Trance“ ein mit leichten Schwächen behafteter, mit der Realität spielender Film, der von seinen intensiven Momenten und seinen hervorragenden Schauspielern lebt.

Der Film „Trance“ bekommt von mir 7,5/10 die Erinnerung suchende Empfehlungspunkte.


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