Phase IV (Filmkritik)

In einer Zeit, zu der alle Menschen nach oben sahen, um die Sterne zu beobachten und Messungen bzgl. Sonnenstrahlung anzustellen, gab es einen Wissenschaftler, der das genaue Gegenteil getan hat: Nämlich nach unten zu sehen. Weg vom großen Kosmos des Universums, hinein in den Mikrokosmos der Ameisen. Denn Dr. Hubbs entdeckt etwas Ungewöhnliches: In einer eher wenig besiedelten Gegend in den USA werden immer weniger Tiere gesichtet – und die aussterbenden Rassen haben eines gemeinsam: Sie sind natürliche Feinde von Ameisen.

Rasch stellt sich heraus, dass die Ameisenstämme sich auch nicht mehr gegenseitig bekriegen – im Gegenteil: Sie arbeiten zusammen und übernehmen nach und nach ganze Landstriche. Dr. Hubbs will untersuchen was da vor sich geht, reicht ein Forschungskonzept ein und bezieht mit dem Kommunikationswissenschaftler Lesko eine Forschungskuppel, um die Ameisen zu studieren. Da diese keine Anzeichen machen auch nur irgendwas zu tun (bis auf große rechteckige Pfeiler zu bauen, die wie sehr bizarre Ameisenhaufen aussehen), greift Dr. Hubbs zu extremen Mitteln: Er jagt die Bauten in die Luft. Was fatale Folgen nach sich zieht …

Phase-IV

„Phase IV“ ist ein kleiner, gemeiner Film, der das Grauen nicht zeigt, sondern andeutet. Und zwar in einem ganz besonderem Sinne. Die wirklichen Charaktere sind nämlich die Ameisen und die – selbst heute noch – verdammt guten Spezialeffekte, die dem Film über lange Strecken den Anschein geben, es würde es sich um eine „Universum“-Folge handeln. Das hat ein paar Vor- und einige Nachteile.

Zu den Vorteilen gehört klarerweise die gleiche Faszination, die von den genannten „Universum“-Dokus ausgeht. Man sieht in die Gewohnheit der winzigen Tiere, folgt vielen ihrer Schritte und ist begeistert ob der Bilder, die geboten werden. Allein die Szene als die Ameisen einen Brocken „Gift“ zu ihrer Königin bringen, damit diese es in kleinen Dosen essen und so immun werden kann ist ein Hammer. X Ameisen kriechen eine nach der anderen auf den Brocken zu, bewegt ihn ein paar Meter und geht am Kontakt mit dem Gift zugrunde. Die nächste kommt und übernimmt – so lange, bis das Ding ist, wo es sein soll. Die Aufopferung der kleinen Biester ist genial in Szene gesetzt.

Dass die Schauspieler vor dieser Kulisse klar verlieren ist nur natürlich und wenn Dr. Hubbs nach und nach seinen Verstand zu verlieren scheint, dann kann man als Zuseher nicht umhin, böse zu grinsen – endlich kriegt er, was er verdient. Aber das Grauen geht weiter und hört nicht auf, bis am Ende … aber dazu will ich nicht mehr verraten, bis auf eine Kleinigkeit: Es ist das vielleicht kontroverseste Ende (zumindest meiner) Filmgeschichte, dass nur vor kurzem von „The Mist“ abgelöst wurde. Nicht weil es so düster ist, sondern weil es so … schräg ist.

Der Nachteil an der Sache ist, dass der Film sehr langsam und schleppend erzählt wird. Die Bilder bestehen aus laaaangen Einstellungen und die Synthie-Musik der Siebziger (der Film kam 1974 raus) macht die Sache nicht spannender. Soll heißen: Stellt euch auf lange Szenen ein, in denen nicht viel passiert. Oder schaltet bei Universum mal den Ton weg, wenn sie Insekten filmen und fragt euch, ob das nicht etwas langweilig ist.

Nichtsdestotrotz macht es einen Riesenspaß den kleinen Dingern dabei zuzusehen, wie sie Schritt für Schritt die Oberhand gewinnen und mit absoluter Selbstaufopferung (da wird schon mal eine Ameise geopfert um ein größeres Tier in die richtige Richtung zu locken) ihre Pläne durchziehen. Auch unvergessen wird für mich die Szene bleiben, in der Dr. Hubbs von seinen Geldgebern den „Tipp“ bekommt, er könne doch einen der viereckigen „Ameisenpfeiler“ kaputt machen und sehen, wie die Ameisen reagieren. Das schlagen sie allerdings zu einem Zeitpunkt vor, als Dr. Hubbs (der scheinbar kein Mittelmaß kennt) bereits ALLE Pfeiler zerstört hat und die Rache der Ameisen bereits große Dimensionen annimmt.

Der Stil des Films (Bilder, sowie Schnitt) sind sicherlich Geschmacksache und wird nicht jedem/jeder gefallen. Wer sich allerdings darauf einlässt und sich die Zeit und Muse nimmt den Film zu sehen, wird mit einem der besten Horror/Sci-Fi/Thriller-Filme überhaupt belohnt. Immer vorausgesetzt, dass man die Ausgangssituation nicht bereits lächerlich findet, denn dann kann der Film nur verlieren. Der Horror von „Phase IV“ liegt nicht an Action-Szenen oder einem Gore-Anteil, sondern schlicht und ergreifend darin, dass die Menschen – trotz all ihrer Technik – gegen so klitzekleine Biester keine Chance haben: Und wenn das nicht gruselig ist – was dann?

„Phase IV“ bekommt von mir 8,5/10 die Machtverhältnisse umkrempelnden Punkte,


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