James Sunderland (Jeremy Irvine) ist in einer schweren Depression gefangen. Seine Freundin Mary (Hannah Emily Anderson) ist und er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, trinkt und auch seine Psychotherapie, die er absolut gut gebrauchen könnte, nimmt er nicht wirklich ernst. Als er plötzlich an einem Abend einen Brief in seiner Wohnung findet, der seltsamerweise von Mary zu kommen scheint, reist er nach Silent Hill, denn dort haben die beiden gemeinsam gewohnt.
Aber bereits bei seiner Ankunft ist klar, dass hier alles völlig anders ist, als er erwartet hat. Die Stadt ist (fast) menschenleer und ein grauer Ascheregen fällt die gesamte Zeit. Als dann auch noch seltsame Kreaturen auftauchen, da gibt es für James nur eine einzige Sache: Mary finden und dann nichts wie weg hier.
Aber das stellt sich als schwieriger heraus als gedacht …

Es gibt einen großen Unterschied, zwischen Meta-Horror und Mindfuck. Das muss man mal so festhalten. Wenn Filme wie „Hereditary“ oder „Midsommar“ als Inspiration erwähnt werden, wie es der Regisseur von „Return To Silent Hill“ gemacht hat, dann werde zumindest ich schon einmal skeptisch, denn sind wir mal ehrlich: „Silent Hill 2“ auf welchem diese Story dieses Films hier basiert, ist alles andere als eine komplizierte Geschichte.
Nachdem „das Internet“ ja beschlossen hat, dass „Return To Silent Hill“ der schlechteste Film des Jahres ist, ist ja alles geklärt, nicht? Der Film ist Mist und punktum. Und da sind wir wieder mal bei unserem Hauptproblem: Der Erwartungshaltung. Nachdem Christophe Gans ja den ersten Silent Hill-Film damals entgegen aller Erwartungen doch ziemlich gut hinbekommen hat, war irgendwie die Erwartung, dass er dieses Mal (mit der Hälfte des Budgets von damals und übrigens hat der Filmfonds Bayern den Film mitfinanziert …?) so richtig durchstarten wird, immerhin ist die Story von „Silent Hill 2“ ja eine der bekanntesten und (scheinbar) besten der Videospielgeschichte. Zumindest wenn man den Leuten „im Internt“ glauben schenkt.
Was haben wir hier also: James hat Schuldgefühle und alle Monster in der Stadt sind Manifestationen ebendieser. Coole Idee. Cooles Monsterdesign. Im Spiel trifft er auch auf diverse andere Menschen, die alle ihren Grund haben, in Silent Hill festzusitzen. Manche davon entspringen allerdings nur der Einbildung von James. Und das hat sich Gans zu Herzen genommen, die Story an diversen Stellen verändert, ausgebaut und auch wenig neu interpretiert und – Tada! Der neue Film ist fertig. Allerdings – und deshalb mein Anfangssatz – ist es ein Mindfuck-Film geworden und kein „Meta-Horror“.
Warum „Mindfuck-Film“? Weil man während dem Film über längere Zeit nicht sicher sein kann, was von allem hier im Kopf von James passiert und was wirklich los ist. Nach gut zwei Dritteln ist allerdings völlig klar, was hier abgeht. Nur … das Ende passt dann meines Erachtens nicht zum Rest. Das wirkt irgendwie drangepoppt, als ob man die Zuseher:innen nicht mit einem so düsteren Schluss aus dem Kino gehen lassen möchte. Schade. Denn der Rest würde per se funktionieren. Mit Abstrichen.
Womit ich tatsächlich anfangs ein Problem hatte, war, dass der Film zu schnell und gleichzeitig zu langsam ist. Zu langsam, weil er immer wieder von (unnötigen) Rückblenden ausgebremst wird, die uns die Beziehung von James und Mary zeigen, die jedoch – genau genommen – für den Film völlig unwichtig ist. Es ist egal, wie Mary war. Wichtig ist, dass James sie suchen muss(!), weil er alles andere nicht ertragen würde. Das kommt leider nicht so richtig rüber. Es wird zwar immer wieder mal betont, dass Mary die Liebe seines Lebens war, aber die Rückblenden bringen das leider nicht rüber. Hätte man nach dem Anfang des Films – welcher zeigt, wie die beiden sich kennengelernt haben – es einfach bei dieser einen Szene belassen und nichts weiter von den beiden gezeigt: Es hätte völlig ausgereicht. Alles andere ist/war unnötiges Beiwerk.
Dann wird noch ein Kult an die ganze Story drangeklebt, denn Marys Vater war einer der Gründer von Silent Hill und es gibt nach wie vor Leute, die ihn verehren und auch seine Tochter Mary spielt da eine große Rolle. Auch das – völlig unnötig. Dass Mary an einer Krankheit stirbt, hätte – wie im Spiel – völlig gereicht. Da einen Kult einzubauen streckt den Film unnötig und verwässert die an sich einfach Story unnötig, nimmt ihr sogar etwas von ihrer emotionalen Tiefe. Abgesehen davon, dass der Kult ansonsten genau Null Rolle im Film spielt, außer jemand anderem als James die Schuld an Marys Tod zu geben. Diesen Teil der Storyline hätte man komplett streichen sollen.
Zu schnell ist der Film deshalb, weil sich niemand die Zeit nimmt ein Gefühl für den Ort zu etablieren. Ja, es sieht cool aus, Ascheregen und so weiter, aber im Grunde genommen hetzt James von einem Ort zum nächsten, ohne dass man als Zuseher:in eine Ahnung hat, was er jetzt macht und warum er wohin unterwegs ist. Er taumelt eigentlich fast die gesamte Zeit nur panisch durch die Gegend. Und das ist hier ein riesengroßes Manko, weil es völlig planlos wirkt.

Im Spiel ist es so, dass man immer weiß, warum man wohin geht. Entweder, weil der Ort an dem man Mary sucht für die beiden ein besonderer Ort war, oder weil man jemanden verfolgt oder weil James denkt, er würde dort aus Grund X Hinweise finden. Im Film fehlen diese Infos völlig. Es ist ja eh nett, wenn dann ein Schild im Bild steht, auf dem man lesen kann, dass man im Lakeview ist. Nur – was heißt das, bitteschön? Die emotionale Verbindung der Orte an denen James nach ihr sucht oder an denen er sich nach diversen Black-Outs wiederfindet ist kein Thema. Das fehlt völlig, dabei wäre das absolut wichtig gewesen um der Sache einen Sinn, einen roten Faden, zu geben. Das ist meiner Ansicht nach auch der Hauptgrund, warum der Film von vielen als „bruchstückhaft“ oder „messy“ bezeichnet wird – weil nicht vermittelt wird, dass die Suche von James durchaus System hat.
Und das ist wirklich schade, weil der Film an sich vieles richtig machen würde – die Optik, die Monster, die leeren Straßen. Da passt sehr viel. Wenn das alles nur mehr Kontext hätte.
Damit sind wir bei den Nebenfiguren. Hier werden letzten Endes drei auftauchende Personen zu einer vierten zusammengemixt, da diese drei Personen „in Wahrheit“ Teile von der Psyche der „vierten Person“ sind, die James eben in seinem Kopf geteilt hat. Warum er das macht wird nicht erklärt. Kann man sich zwei davon noch zusammenreimen, so ist es bei der dritten für mich nicht nachvollziehbar gewesen. Und warum Laura (Evie Templeton) eine abartig schräge Puppe in der Hand hält, habe ich nicht verstanden/mitbekommen oder es wurde nicht erwähnt.
Die Herkunft von Pyriamd Head widerum fand ich okay und gelungen. Da wird nicht viel erklärt, das wird in einer kurzen Szene sehr deutlich rübergebracht. Und das Ende von Maria fand ich ebenfalls für die Figur von James, wie sie im Film präsentiert wird, absolut passend. Auch wenn ich den Charakter von Maria offen gestanden als „holprig“ bezeichnen würde. Allein das Aufeinandertreffen von James und Maria fällt mehr in die Kategorie peinlich als alles andere. Schade, denn Maria war im Spiel eine wirklich grandiose Figur, die vor allem auch von der Synchrosprecherin grandios gesprochen wurde. Hier wurde sie verschenkt. Allein die Optik ist an sich schon fragwürdig. Knapp daneben ist eben auch vorbei, wie es so schön heißt – das was sie verkörpern soll, verkörpert sie im Film auf jeden Fall nicht, sorry.
Die Story von Angela – die im Spiel ja doch sehr heftig ist – wird hier fast 1:1 übertragen, aber ebenfalls anders interpretiert. Die Auflösung macht zwar völlig klar, was ihr passiert ist und auch wie es mit Mary zusammenhängt, aber das wird so Ratzfatz erledigt, dass die Erkenntnis null Zeit zum Atmen hat. Da wird etwas absolut Schreckliches und Schlimmes nicht nur angedeutet, sondern aufs Auge gedrückt, und dann ist das nach einer Sekunde abgehakt und weiter im Text. Echt schräg.

Und – das ist fast das größte Manko, hängt aber mit allem, was ich oben erwähnt habe zusammen – die „Anderswelt“, wenn ich das so nennen darf, wird zu früh eingeführt und viel zu sehr für Action und „Horrormomente“ genutzt. Das klingt im ersten Lesen vielleicht seltsam, aber sobald James in der „Anderswelt“ ist, geht die Post ab und er jagt von A nach B und stolpert nach C und findet sich in D wieder und überall passiert etwas Schlimmes. Aber erneut: Ohne Kontext.
An manchen Orten hat James dann Flashbacks, die zeigen, was dort passiert ist als er mit Mary dort gewohnt hat, aber das Problem ist: Wir sehen zuerst die Orte im „jetzt“ und dann bekommen wir danach den Kontext dazu. Das hätte man meiner Ansicht nach umdrehen müssen (und manche Rückblenden ohnehin streichen – warum es notwendig war, dass die beiden in Silent Hill gewohnt haben, ist ein eigenes Thema).
Es gibt als wirklich viel zu bemängeln an dem Film. Hier waren so viele Ideen drin, dass Gans sich meiner Ansicht nach völlig verzettelt hat und ihm vermutlich niemand mehr folgen konnte. Ich kann mir gut vorstellen, wie ihn Leute am Set angesprochen und darauf hingewiesen haben, dass das alles so nicht zusammenpasst und wie das funktionieren soll, er aber mit ruhiger Stimme geantwortet hat, dass das Geheimnis im Schnitt liegt – und den hat er dann meiner Ansicht nach vergeigt. Jetzt nicht in dem Sinn, dass der Schnitt schlecht ist, aber die Szenenabfolgen passen einfach nicht – wie erwähnt: der Kontext eben. Würden manche Dinge in anderer Reihenfolge gezeigt, dann wäre das Gesamtpaket weit stimmiger.
Alles in allem muss ich festhalten, dass ich dennoch gut unterhalten wurde: Die Optik, die Monster, die Musik – das macht alles schon Stimmung. Da ich ja erst vor kurzem das „Remake“ von „Silent Hill 2“ gespielt habe, hatte ich vermutlich bei vielen Dingen rascher den Kontext im Kopf als jene, die das Spiel vor 20 Jahren gespielt haben und wusste – oder glaube, zu wissen – was Gans damit sagen oder machen wollte. Nur, ich hatte ja auch den direkten Vergleich mit dem Spiel im Kopf und kann deshalb auch sagen, dass Gans auch oft an seiner Ambition gescheitert ist. Stichwort: Die Figur von Mary. Oder die Nutzung der Krankenschwestern (die im ersten „Silent Hill“-Film furchteinflössend waren), die hier völlig verschenkt werden. Welchen Sinn haben sie in diesem Film, wenn Mary doch offensichtlich Zuhause gestorben ist? Warum sollten sie in der Psyche von James also überhaupt vorkommen? Eben. Gibt keinen Grund dafür.
Wem kann ich diesen Film jetzt also empfehlen? Puh. Schwer. Tatsächlich sind die Schnitzer, die sich Gans erlaubt schon grobe Schnitzer. Nicht-Kenner der Story und des Spiels werden vermutlich die gesamte Zeit über bis zum Ende hin den Kopf schütteln und sich fragen, was das jetzt war. Kenner und Fans des Spiels werden ziemlich sicher sauer sein, weil grundlegende Dinge völlig unnötigerweise verändert/aufgebläht wurden, während andere, wichtige Aspekte im Bruchteil einer Sekunde abgehandelt werden.
Ich kann also verstehen, warum der Film so schlecht wegkommt.
Für meinen Teil, erneut: Ich wurde gut unterhalten, finde es aber wirklich, wirklich schade, dass sich Gans so verlaufen hat. Da steckt ein ziemlich cooler Film in „Return To Silent Hill“. Leider kommt er nicht wirklich zum Vorschein. Ich hasse verschenktes Potential immer noch. Und das ist hier wirklich reichlich vorhanden.
Witziger Nebengedanke, der mir während dem Film gekommen ist: Ich habe mir noch nie bei einem Film gedacht, dass der absolut NICHT für die große Leinwand gemacht war. Ich kann es mit Worten nicht beschreiben, aber die gesamte Story und die Machart mit all ihren „epischen“ Momenten – das hat sich für mich falsch angefühlt für’s Kino. Keine Ahnung warum, aber das Gefühl war absolut da.
„Return To Silent Hill“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, leider schwer an seinen Ambitionen scheiterende, Punkte.
PS: Schlechte Perücken und seltsame Bärte müsst ihr aushalten können, sonst seid ihr im falschen Film. Aber das nur am Rande.

