Millie (Sydney Sweeney) hat ein Problem – sie braucht dringend einen Job und eine Unterkunft, denn sonst erfüllt sie die Auflagen ihrer Bewährungshilfe nicht und muss zurück ins Gefängnis. Da kommt ihr das Jobangebot von Nina (Amanda Seyfried) gerade recht, denn diese sucht eine Haushälterin.
Dann lernt Millie Andrew (Brandon Sklenar) kennen, Ninas Mann – und dieser ist einerseits eine Augenweide und andererseits auch extrem charmant. Die Tochter CeCe (Indiana Elle) ist ein wenig seltsam und unnahbar und sagt hin und wieder komische Sachen á la „Juice is a privilege and therefore deserves to be served in a clean glas.“ Aber hey – womit findet man sich nicht alles ab, wenn die eigene Existenz auf dem Spiel steht.
Dann merkt Millie aber sehr rasch, dass hier im Haus was gewaltig unrund läuft, denn bereits am ersten wirklichen Arbeitstag tickt Nina völlig aus, beschuldigt Millie, wichtige Unterlagen entsorgt zu haben und zerlegt dabei die halbe Küche. Andrew schreitet ein und kann seine Frau beruhigen, aber eines ist Millie klar – die gute Nina hat schwere Probleme und Andrew ist viel zu nett zu ihr. Und außerdem sieht er wirklich verdammt gut aus …

Freida McFadden hat das Buch geschrieben, auf welchem dieser Film hier basiert und es war ein richtiger Bestseller. Warum, fragt man sich als Uneingeweihte(r) unweigerlich, denn der Trailer sieht anch einem typischen Film dieser Art aus. Und das ist er auch – die erste Stunde lang zumindest. Diese Zeit braucht der Film nämlich um alle möglichen Klischees bezüglich der Situation „Haushälterin“ und „durchgeknallte Arbeitgeberin mit heißem Ehemann“ abzuarbeiten und dann folgt eine Konfrontation – die anders ausgeht als ich erwartet hatte.
Relativ rasch wird die Geschichte dann nochmals aus anderer Perspektive erzählt und nach und nach wird klar, was hier wirklich gespielt wird. Selbst für Nicht-Kenner des Buches dürfte allerdings sehr, sehr rasch klar sein, was hier gespielt wird und was wirklich vor sich geht – aber das tut der Sache und dem Spaß keinen Abbruch.
Das liegt in erster Linie an Amanda Seyfried („A Million Ways To Die In The West„, „Ted 2„), die hier alle Register zieht und als Nina einfach alles gibt – die Frau ist hier eine Tour de Force und möglicherweise gar nicht so wahnsinnig, wie man am Anfang denkt. Ich war völlig baff, denn ich kannte sie in erster Linie aus „Mamma Mia! Here We Go Again“ und da war sie auch gut, aber das hier – das ist richtig stark. Dazu kommt Brendan Sklenar, der als Andrew die absolute Ruhe ausstrahlt und mit seiner Samtstimme manche Szene deutlich deeskaliert – auch hier: wunderbare gecastet. Dass der gute Herr ganz oft in Unterhemden rumläuft und sogar seinen nackten Po zeigen darf, wir die weibliche Zuseherschaft sicher freuen und teilt das Eye-Candy (fast) 50:50 auf. Die andere Hälfte ist Sydney Sweeney („Madame Web„, „Immaculate„), die ja scheinbar wunderschön ist und ja, auch hier darf man sie kurz nackt betrachten und an ihrem Körperbau erfreuen (wenn dass jemand wollen sollte). Insofern spannend, als sie und Amanda Seyfried auch als Produzent:innen fungieren, das hier also schon sehr bewusst eingesetzt ist.
So viel zu den Schauwerten per se – was ich allerdings anführen muss, ist dass die schauspielerische Leistung von Sweeney klar die schwächere von den Hauptfiguren ist. Mit Abstand sogar. Und aus persönlicher Sicht kann sie in punkto Ausstrahlung Amanda Seyfried in keiner Sekunde das Wasser reichen. Das ist insofern wichtig, weil Andrew ja ein Auge auf sie geworfen hat – was ich bei dem Mauerblümchen per se nicht verstehen kann. Aber gut, das stand so im Drehbuch und wenn ich mal das Hirn ausschalte, dann kann ich mir schon einreden, dass der arme Mann ja von seiner Frau so schikaniert wird, dass es weniger ans Sweeneys Optik liegt, als an ihrer entspannten Art. Denn – das muss man so festhalten – was Nina in der erste Stunde so liefert, das ist schon heftigst und vermutlich wäre andere halbwegs attraktive Frau für ihn ebenfalls in Frage gekommen.
Jedenfalls kommt dann die Mitte des Films und dann drehen sich ein paar Dinge und ja, den Twist sieht man von weitem kommen, trotzdem war es tatsächlich sehr schön zuzusehen, wie sich manche Szenen und Aussagen die in der ersten Hälfte passieren in der zweiten Hälfte umdrehen. Das hat tatsächlich richtig gut getan und ich habe gern dabei zugesehen, wie sich die (erwartete) Handlung entfaltet.
Paul Feig hat hier meiner Ansicht nach einen völlig klaren, durchkomponierten Film abgeliefert, der ohne große Tiefe einfach spannend und unterhaltsam ist und ja, man kann ihm schon eine Message zudichten – muss man aber nicht. Auch wenn gerade das Ende dazu regelrecht einlädt. Das ist übrigens auch mein größter Kritikpunkt im Film: Es gibt am Ende eine Szene in welcher eine sehr wichtige Person für das Schicksal der Pro- und Antagonist:innen plötzlich eine Verbindung zu einer der Hauptfiguren aus dem Hut zaubert und deshalb entwickelt sich die Szene in eine bestimmte Richtung weiter (wer den Film gesehen hat, der/die wird verstehen, was ich meine). Das hätte es aus meiner Sicht nicht gebraucht – nämlich gar nicht. Ich finde die Szene wäre weit stärker gewesen, wäre dieser Konnex nicht da gewesen und die Szene wäre trotzdem ausgegangen, wie sie ausging.
Aber hey – es ist nicht mein Film und nicht meine Entscheidung. Und mein Buch war es auch nicht.
Wie dem auch sei – ich fand die knapp über zwei Stunden dauerende Reise mit den drei Haupfiguren wirklich unterhaltsam, spannend und schön irre, war mehrmals beeindruckt von Amanda Seyfried, musste mehrmals seufzen über den Versuch von Sweeney schauzuspielen und hab die absolute Ruhe, die Sklenar ausstrahlt, genossen. Auch der Flashback etwa zur Mitte des Films war meiner Ansicht nach gut plaziert und kurz genug, damit klar war, was Sache ist, aber auch ausführlich genug, damit man versteht, was da emotional alles passierte.
Ich hatte mir von dem Film wirklich nicht viel erwartet, eher gedacht, es wäre so ein Film zum Nebenbeigucken und Drübstreuen, bin dann aber relativ rasch zum „aktiv gucken“ übergegangen, weil der Film wirklich einen guten Flow hat, nie langweilig wird und die Story auch mit ihren Andeutungen, Bruchstücken und Umdeutungen sehr gut erzählt wird. Anspruch? Nein. Unterhaltungswert? Oh ja.
Ein Sequel mit dem Titel „The Housemaid’s Secrets“ ist bereits beschlossen und wird produziert werden. Bei dem Ende kann man sich gut vorstellen, worum es da gehen wird und naja, ich bin gespannt.
„The Housemaid“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, im Haushalt für Ordnung sorgende, Punkte.
