The Witcher – Staffel 4 (Serienkritik)

Ciri (Freya Allen) hat sich „den Ratten“ angeschlossen und will ihr altes Leben hinter sich lassen. Leider ist immer noch die gesamte Welt hinter ihr her. Es kommt sogar so weit, dass ein Kopfgeldjäger namens Leo Bonhart auf sie angesetzt wird. Und der Mann ist vielleicht irre – aber er ist auch irre gut.

Geralt (Liam Hemsworth) ist inzwischen dabei, seine Wunden heilen zu lassen, eine Bande an Helfer:innen um sich zu scharen, und Ciri als auch Yennefer (Anya Chalotra) zu suchen.

Yennefer ist hingegen dabei die übriggebliebenen Zaubererinnen zusammenzusuchen, um sie in eine Schlacht gegen den Verräter Vilgefortz (Mahesh Jadu) zu führen.

Und ihre Wege werden sich bis zum Ende nicht kreuzen … naja, außer einmal. Kurz. Zwecks Sex. Nämlich.

Man merkt es am Sarkasmus. „The Witcher“ hat jetzt auch mich verloren. Ich habe die ersten drei Staffel ja durchaus unterhaltsam gefunden (auch wenn Staffel 2 sich sehr, sehr weit vom Ursprungsmaterial entfernt hat, eine Sache auf die ich in der Kritik gar nicht eingegangen bin, wie ich bemerkt habe). Ich bin immer noch der Meinung, dass sich eine Interpretation oder Adaption durchaus Freiheiten nehmen darf, was Handlung, Figuren und so weiter betrifft. Und alles, was bis jetzt gelaufen ist, war eigentlich okay für mich. Manche Entscheidung habe ich nicht verstanden, aber das ist okay, ich muss nicht alles verstehen. Und speziell in Staffel 3 war es für mich so, dass die Eckpfeiler der Story jene der Bücher waren – alles so weit für mich im grünen Bereich.

Aber Staffel 4 … ach, ich weiß nicht, … nein, halt, doch. Ich weiß genau, was mich hier stört und warum die vierte Staffel trotz der grundsätzlich ja dieses Mal sehr einfachen und klaren Handlung und gewisser Eckpunkte, die auch den Büchern folgen, mir einfach nicht gefallen hat.

Weil die Macher:innen jetzt einfach drauf gepfiffen haben. Hier wird einfach was abgearbeitet und es kann mir keiner mehr erzählen, dass hier irgendwie Herzblut drin steckt. Nein. Gibt es nicht. Denn dann wäre das alles hier weit besser und weit weniger peinlich erzählt worden. Ich habe mich so oft geärgert, weil es Szenen gegeben hat, die ja, die kommen im Buch vor, aber Himmel ist das peinlich umgesetzt. Das ist keine Inkompetenz, das ist einfach Desinteresse.

Ein paar Beispiele: Ciri wird immer brutaler und passt sich immer mehr den „Ratten“ an … aus Gründen (dazu später mehr). Hier? Hier wird sie zum nervigen, dummen Bossbitch. Ciri nervt. Nämlich richtig. Und zwar die gesamte Zeit über. Sie wird hier nicht gefährlich oder brutal (ja, schon auch) oder verliert sich selbst, sondern in erster Linie wird sie präpotent und ein Kotzbrocken. Sorry, aber … da hat wohl jemand was missverstanden in der Story. Oder sich bewusst für diese Version entschieden. Und wenn ja, dann frage ich mich: Warum? Warum sollte man Ciri auf Biegen und Brechen unsympathisch machen wollen? Ich verstehe es nicht.

Oder Yennefer. War die in der dritten Staffel meiner Ansicht nach schon der Schwachpunkt, so ist sie hier erneut der Schwachpunkt. Charisma? Nein. Absolut nicht. Und dann gibt es noch eine Szene in welcher ihr jemand erklärt, was für eine tolle Anführerin sie sei. Nein. Einfach nein. Die Figur ist mittlerweile einfach nur noch peinlich. Was eine unglaubliche Powerfrau hätte sein können (und sollen!) ist mittlerweile ebenfalls eine nervige Bossbitch, die nichts auf die Reihe kriegt und gelobt wird für die Dinge, die sie angeblich so gut kann, die wir aber nicht sehen. Mhm. Tolle Anführerin. Okay. Sehen wir da auch mal irgendwann? Nein? Okay. Ich frag ja nur. Was viel mehr gepasst hätte? Wenn alle Yennefer misstrauen, weil sie ja offensichtlich ihre eigenen Ziele hat und – sind wir mal ehrlich – sie die ganze Zeit Mist baut. Spoiler: Das ist was im Buch passiert. Niemand will ihr beistehen. Auch wird die Lodge der Zauberer:innen nicht von Yen gegründet. Und es ist auch nicht Yen, die sie alle zusammenbringt. Tatsächlich bricht Yen den Kontakt zu ihnen ab, weil sie zwar alle auch Ciri wollen, aber aus völlig anderen (und ziemlich selbstsüchtigen) Gründen. Weil sie keinen Deut besser sind als die anderen (Männer). Alle Fraktionen im Witcher-Universum haben eine eigene, selbstsüchtige Agenda! Da gibt es kein Männer = böse und Frauen = edel. Aber egal. Mir macht es nichts, dass das geändert wurde – aber dann hätte das doch zumindest gut schreiben, inszenieren und umsetzen können, oder nicht? Was ist das hier?

Da kommt dann auch noch Triss tief betroffen, weil Yen sie alle verlassen will – und zwar nach der erbärmlichsten „We Women“-Rede, die ich je gehört habe, vorgebracht auf eine solch peinliche Art und Weise, dass ich mich frage, wie hoch der Gehaltsscheck für die anderen Leute in der Szene war, dass die nicht lachend oder kopfschüttelnd oder beides einfach vom Fleck weg das Set verlassen haben. Würg.

Und dann Geralt. Geralt ist tatsächlich auch in neuer Besetzung die beste Figur in der Serie. Nur ist es halt nicht Geralt. Das. Ist. Nicht. Geralt. Und das liegt nicht an der Optik oder Schauspielkunst von Hemsworth. Der passt schon. Aber es hätte ihm vielleicht mal jemand sagen sollen, dass Geralt kein Indiana jones ist, der die ganze Zeit über amüsiert schmunzelt oder grinst. Grinst! Geralt von Rivia, der in der vorigen Staffel (produziert und geschrieben und inszeniert von den gleichen Macher:innen!) eine Szene bekommen hat, in der Ritterspron und Ciri ihn auf die Schaufel nehmen, weil er nicht grinsen kann. Und hier grinst er in allen Szenen. Und ja, es ist in 99% der Fälle unpassend. Seine Szenen selbst sind auch nicht der Hammer und von der Betonung und der Stimme will ich gar nicht anfangen. Ihr seht – viel auszusetzen. Und trotzdem noch immer der beste Teil der Show.

Ich könnte jetzt noch über die Gefährten reden, aber auch hier – Potential Ende nie und alles verschenkt. Da gibt es ausgedehnte Reden über Motivationen und extrem lange Abschiede für Figuren, die mir völlig egal sind (in der TV Serie egal sind!) und elendig lange Erklärungen über Emotionen und Geschehnisse, die ich gern gesehen und gefühlt hätte. Nein, die müssen mir lang und breit erklärt werden, weil wir sagen dir jetzt, was du fühlen sollst! Nämlich. Warum dich als Zuseher(in) dazu bringen, Emotionen zu fühlen, wenn wir sie dir doch einfach sagen können? Was soll dieser Mist? Check the box. Mehr ist das nicht mehr.

Ein Wort noch zu den „Ratten“: Wenn das keine Highschool-Kids sind, die von ihren reichen Eltern zu viel Geld bekommen und glauben, jetzt rebellieren zu müssen, dann weiß ich auch nicht. Das sollte doch eine Truppe sein, die auf der Straße lebt, gefürchtet ist, die Morden und Stehlen und die einfach „abgefuckt“ sind. Nein. Hier nicht. Die gesamte Truppe könntet ihr als Bullies in einen beliebten Highschool-Film setzen und die brauchen sich nicht einmal umziehen. Wisst ihr, wie die „Ratten“ im Buch sind? Mörder und Räuber. Selbstgerecht, egoistisch und – Verzeihung – Dreckschweine. Und die Beziehung von Mistle und Ciri? Mistle vergewaltigt sie mehr oder weniger und dann kommt es zum „Stockholm“-Syndrom (ja, die Bücher sind heftiger Tobak – gibt ja einen Grund, warum „The Witcher“ mal als das „neue Game Of Thrones“ gehandelt wurde). Das hier? Was soll das sein? Aber okay. Okay. Es hätte ja funktionieren können. Wenn man eine jugendfreie, locker-leichte Version haben will, bitteschön, hab ich kein Problem damit. Änderungen sind okay – aber sooooo langweilig gemacht? Warum diese Schablonen und Witzfiguren? Es ist zum Kotzen.

Und als letztes: Das Set-Design. Nur als Beispiel: Wenn ihr mir einen belebten Markt zeigen wollt, dann sollten da mehr als zwei Personen stehen. Und alles ist sauber. Da ist kein Staub, da liegt nichts herum. Alles ist sortiert. Das ist steril wie ein Krankenhaus. Wenn ihr schon alles auf Soundstages dreht, dann bemüht euch wenigstens es so aussehen zu lassen, als ob dort wirklich Leute leben würden.

Das Beste an Staffel 4? Leo Bonhart. Und der ist ein absolut abartige, sadistischer, ekliger, grauslicher Mann. Ein Monster in der Gestalt eines Mannes. Und das ist die Figur, die hier am Besten wirkt. Weil der wie ein Charakter mit Geschichte wirkt. Das ist kein Abziehbild. Seine Auftritt sind vielleicht kurz – aber die hinterlassen Eindruck. Jedes Mal, wenn er auftaucht, dann ändert das etwas am Verlauf der Story. Alle anderen Entwicklungen sind im Grunde (ja, sogar die Schlacht mit Vilgefortz) egal. Oh – SPOILER – sie töten Vesemir. Warum? Einfach so. Hat genau NULL Auswirkungen. Schon gar nicht auf Geralt (den Vesemir seinen Sohn nennt). Warum, Leute, warum? In Interviews habe ich gelesen, dass Lauren His-Dings (die Showrunnerin) meinte, dass alle Tode in der Serie Gewicht haben, weil man die Entwicklung der anderen Figuren dadurch vorantreiben kann. Mhm. Es starben diese Staffel einige Leute (bei den meisten wusste ich nicht mehr wer sie sind, so „wichtig“ sind sie gewesen) – und das hat NULL Auswirkungen auf irgendwen.

Zusammengefasst: Ganz ehrlich. Die bemühen sich nicht einmal mehr. Schade. Wirklich schade. Ansätze wären da, aber wer nicht will …

„The Witcher – Season 4“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, zumindest ist Triss kurz dabei und einzelne Momente gehen als okay durch, Punkte.


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