Shaun das Schaf – Der Film (Filmkritik)

Es ist zum Heulen. Der ewig gleiche Trott. Schlafen, aufstehen, auf die Weide, essen, schlafen. Nach ein paar Wochen wird der Rasiere ausgepackt und die Wolle kommt weg. Dann wieder das gleiche. Shaun reicht es. Es ist langweilig. Und da dem guten Tierchen nur sehr ungern langweilig ist, gibt es natürlich einen Plan.

Der Farmer wird einfach durch Hypnose schläfrig gemacht, in ein Wohnmobil gepflanzt und die Tiere am Hof haben ihre Ruhe. Aber etwas läuft gewaltig schief und durch eine Verkettung dummer Umstände landet der Farmer in der Großstadt, landet im Krankenhaus und verliert sein Gedächtnis.

Wer füttert jetzt die Schafe? Wer schert sie, wenn die Wolle zu lang ist? Eben. Niemand. Der Farmer muss zurückgeholt werden … und – wie auch nicht – Shaun hat einen Plan.

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Aardman Animations. Die Leute, die uns „Wallace & Gromit“ gebracht haben und auch für den tollen „Chicken Run“ verantwortlich zeichnen, haben es wieder geschafft. Die allseits bekannten – und beliebten – Schafe aus der „Shaun das Schaf“-Reihe bekommen ihren eigenen Film. Was bereits bei „Wallace & Gromit“ wunderbar funktioniert hat, ist dem Studio auch dieses Mal wieder gelungen, auch wenn das nicht von Anfang an so klar war, denn „Shaun das Schaf“ hat ein großes Markenzeichen, das in den kurzen Episoden nicht stört, bei einem Langfilm aber durchaus mal nervig werden kann – niemand spricht. NIEMAND. spricht. Was mich relativ leicht mal nerven kann (so fand ich die Fantasiesprache in „Minions“ nach einer Weile doch eher anstregend), ist hier allerdings kein Problem, denn alle Gesten und Mimiken sind derart gut gestaltet, dass es keine Dialoge braucht.

Sechs Jahre lang haben 20 Animateure an dem Film gearbeitet und pro Tag jeweils rund 2 Sekunden an Filmmaterial produziert. Wer es bis jetzt nicht verstanden hat – „Shaun das Schaf“ ist eine Reihe, in welcher die ProtagonistInnen Puppen sind und der gesamte Film wurde im Stop-Motion-Verfahren gedreht. Also wirklich aufwändig und – was wichtig ist und bei Aardman zum Gück Standard – mit viel Liebe zum Detail.

Die Szenen sind voller Details, die Animationen flüssig und wundervoll anzusehen. Die Charakterdetails sind sehr genau und einige Referenzen an andere Filme („Das Schweigen der Lämmer“, „Star Wars“ oder „Die Verurteilten“, sogar „X-Men“ kriegen augenzwinkernd eine nette Homage) sind liebevoll in die Story eingebettet ohne aufgesetzt zu wirken.

Der Humor ist freilich zu 100% kinderfreundlich und für alle Alterstufen geeignet. Sicher gibt es (siehe oben) einige Referenzen, die Kinder nicht verstehen werden, aber der Film ist auch so sicher schön anzusehen. Wirklich toll und herzerwärmend sind die Szenen gleich am Beginn des Films, in welchen gezeigt wird, wie Shaun Teil der Familie auf der Farm wird und die gegen Ende des Films erneut referenziert wird. Die Message (ohne Holzhammer, aber für die Story relevant), dass Familie zusammengehört und man sich aufeinander verlassen kann, ist immer präsent und wirklich nett umgesetzt. Im Gegensatz zu Disney kommt diese hier allerdings sehr subtil rüber.

Viele der Szenen sind wirklich witzig anzusehen und die Ideen, um aus der an sich einfachen Geschichte einen 85minütigen Film zu machen, passen sehr gut in diese Welt und unterhalten von Anfang bis zum Ende. Da wird ein Abendessen in einem Lokal zu einem storyrelevanten Ereignis, ein Ausflug ins Tierheim bringt emotionale Bindung (und einen unheimlich starrenden Hund – was sich gegen Ende des Films ebenfalls auflöst) und die Tatsache, dass jemand, der Schafe schert einen neuen Trendlook generiert (um dann wie Wolverine von den X-Men passenderweise mit dem Namen „Mr. X“ auf Postern in der ikonischen gekreuzte Krallen-Pose plakatiert zu werden).

Wirklich beeindruckt war ich ob der vielen verschiedenen Settings, die teilweise wirlich nur ganz kurz unf für Miniszenen genutzt wurden, aber dennoch mit einer Detailsfülle auftricksen, dass einem das Herz nur so aufgeht. Wenn alle Filme derartig viel Liebe in noch so kleine Szene stecken würden, hätte da manchen Filmen mit Sicherheit sehr gut getan.

Alles in allem ist „Shaun das Schaf – Der Film“ sicherlich kein Meisterwerk der Filmgeschichte, aber ein unterhaltsamer Spaß für Groß und Klein, der allen Fans der Serie gefallen dürfte und den man schon allein deswegen die ganze Zeit über genießen kann, weil es keine Sekunde während dem Film gibt, zu welcher man als Zuseher nicht merken würde, dass hier eine ganz, ganz große Menge an Liebe drin steckt.

Wer Filme von Aardman nicht mag, hat kein Herz. Punktum.

„Shaun das Schaf – Der Film“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, den Übergang von der Weider in die große Stadt problemlos meisternde, Punkte. (Wer den Film mit Kindern sieht kann gern noch 1 – 1,5 Punkte draufschlagen)

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