Der Puppenspieler – The Puppeteer (Game-Review)

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„Der Puppenspieler“ ist ein Titel, den man so nehmen muss, wie er ist: Er hat ein eigenes Tempo, eine sehr charakteristische Musikuntermalung, eine unverwechselbare Inszenierung und ein ganz bestimmtes Verhältnis von tatsächlichem Spielen und von selbst ablaufenden Zwischensequenzen. Wer sich dafür öffnet und erst gar nicht versucht, den „Puppenspieler“ in diejenige Ecke zu stellen, in der sich etwa „LittleBigPlanet“ befindet, der wird ein Spielerlebnis haben, an das er sich noch lange erinnern wird.

Die vermeintliche Nähe zu „LittleBigPlanet“ kommt indes nicht von ungefähr, wurde diese Serie doch genauso wie nun eben auch „Der Puppenspieler“ von einem Entwicklerhaus konzipiert und umgesetzt, das zum Sony-Konzern gehört. Die Screenshots, die jetzt mit der Veröffentlichung des Neulings im Umlauf sind, machen nur unzureichend klar, wie es sich in Wirklichkeit anfühlt, den „Puppenspieler“ im heimischen Wohnzimmer zappeln zu lassen.

Schon der Startbildschirm des „Puppenspielers“ lässt erahnen, dass der Name des Spiels Programm sein wird. Hinter dem roten Vorhang der Puppenbühne vermittelt der Erzähler, der seinen Job im Übrigen wirklich ausgezeichnet macht, bereits erste Anhaltpunkte zur weiteren Handlung. Ebendieser Erzähler nimmt eine tragende Rolle ein, denn das ca. 12 Stunden lange Spiel besteht zu einem nicht geringen Teil aus Szenen, die keine Interaktion zwischen Spieler und Konsole erfordern, sondern ganz von alleine ihren Fortgang nehmen.

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Während sich nun auf die beschriebene Weise langsam der Plot entfaltet, wechseln vergleichsweise rasch hintereinander die Szenerien. Wie auf einer echten Puppenbühne kommen und gehen Bühnenbilder, vor und in denen die Figuren ihre kleinen Konflikte austragen. Im Zentrum steht Kutaro, eine Holzpuppe, die zum Beginn gleich mal ihren Kopf verliert – und das nicht im metaphorischen Sinn. Von da an stets auf der Suche nach neuen Köpfen bzw. Reserveköpfen (diese dienen quasi als Extraleben, wie ein großer Mario), nutzt Kutaro eine Schere namens Calibrus, die im Spielverlauf zu einer witzigen Wunderwaffe wird.

Die Schere dient nämlich nicht nur dazu, Gegner zu beseitigen und gefangene Puppenkinder zu befreien. Vielmehr kann Kutaro mit ihr auch an vielen Dingen entlang schneiden und so in lichte Höhen klettern oder sich über weite Distanzen hinwegbewegen. Stoffnetze zählen zu diesen Materialien genauso wie Rauchwolken und langen Federn. Anfangs ist der Umgang mit der Schere recht ungewohnt, im Lauf der Zeit macht die originelle Fortbewegungsart aber großen Spaß. Nicht selten wundert sich der Spieler erfreut über den Einfallsreichtum der Entwickler.

Wer befürchtet, dass der „Puppenspieler“ im Endeffekt ein Titel für jüngere Gamer sein könnte, hat in Grenzen Recht, zumindest von der Idee her: Die Schwierigkeitsstufe ist durchaus „jugendgerecht“ (um nicht „kindergerecht“ zu schreiben 😉 ), das Aussehen der Figuren und Umgebungen geht für alle Altersstufen in Ordnung, die Handlung ist ausreichend einfach gestrickt und die Erzählweise macht den Plot gut nachvollziehbar. In einem wichtigen Punkt jedoch stellt sich die Frage, ob das wahre Zielpublikum nicht Erwachsene sind, die gerne ihre kindliche Faszination wiedererleben möchten. Denn das Spieltempo ist wie erwähnt so bedächtig, dass viele „echte“ Kinder und Jugendliche ein eigentlich höheres Tempo benötigen würden.

Fazit: „Der Puppenspieler“ ist ein liebevoll gestaltetes Spiel mit neuen Ideen und einem überaus netten Look & Feel. Es ist für alle Altersstufen geeignet – vor allem aber für Erwachsene, die das Kind in sich aufleben lassen wollen.

Wir geben dem „Puppenspieler“ 8 von 10 Empfehlungspunken.


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