Max Payne 3 (Game-Review)

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Alles ist anders. Die Schmerzen um den Verlust von allem was ihm lieb und teuer war, hat er noch immer nicht überwunden. Aber Max hat einen Weg gefunden damit umzugehen. Tabletten und Alkohol. Viel davon. So viel davon, dass er aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist und in einer Bar um die Ecke von seiner Wohnung seine weltliche Existenz zu Tode säuft. Wären da nicht die halbstarken Pseudo-Gangster, die den seelisch alten Max immerzu nerven. Als Max einen davon aus einem Reflex heraus erschießt stellt sich rasch heraus, dass er der einzige Sohn eines stadtbekannten Mafiabosses ist.

Was bleibt Max anderes übrig, als sein Heil in der Flucht zu suchen? Also schließt er sich Passos an, einem alten Kumpel mit dem er gemeinsam auf der Polizeiakademie war und geht als Bodyguard nach Sao Paulo. Dort kann er unter den Reichen leben und sich, während er sie bewacht, mächtig einen hinter die Binde kippen. Bis die Frau seines Auftraggebers entführt wird und so ziemlich alles schief geht, was schief gehen kann. Aber Max wäre nicht Max, würde er so einfach aufgeben.

Getrieben von dem Wunsch einmal im Leben, nur ein einziges Mal in seinem ganzen gottverdammten Leben, etwas richtig zu machen und zu Ende zu bringen, macht sich Max also auf, um die Drahtzieher hinter der Entführung auszuforschen und so ziemlich alles und jeden, der sich im rauen und ruppigen Sao Paulo in seinen Weg stellt, abzuknallen. Max hat vielleicht keine Hoffnung mehr sein Leben auf die Reihe zu kriegen, aber – gottverdammt – der Teufel soll ihn holen, wenn er nicht dafür kämpft, dass andere die Chance haben, die er vertan hat …

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Der Aufschrei kam von allen Seiten und er war nicht geprägt von Freude. Im Gegenteil. Als die ersten Bilder 2011 von Max Payne 3 in der Presse und im Internet die Runde machten, waren sich viele Fans sofort sicher: Das kann nicht gut gehen. Der Grund dafür, war relativ simpel: Die ersten Bilder von Max zeigten einen gealterten und sichtlich vom Leben gezeichneten Max Payne im sonnigen Sao Paulo. Mit Sonnenbrille. Und Glatze. Und Bierbauch. Es war allen völlig klar – das konnte nicht gut gehen.

„Entspannt euch“, haben die Entwickler gesagt (in diesem Fall haben Remedy das Ruder an Rockstar Games weitergereicht), „wir haben analysiert, was Max Payne im Kern ausmacht – und genau das wollen wir beibehalten. Nur eben auf eine moderne, bessere Art und Weise.“ Der Aufschrei wurde lauter. Kein Wunder. Hört man solche Aussagen in den letzten Jahren doch sehr häufig und meistens bedeutet es, dass die Leute, welche die neuen Spiele machen einfach keine Ahnung haben. Sicher – Ausnahmen (X-Com, Tomb Raider) bestätigen die Regel, aber hier schienen sich alle sicher zu sein. Tag? Kein Regen? Max ohne Mantel? Mit Glatze? Das konnte ja gar nicht gut gehen.

Plötzlich war es dann doch da – und wie. Die Unterschiede sind dermaßen deutlich, dass man sie nicht einmal groß hervorheben müsste. Ich tue es dennoch: Die Stand-Bild-Comic-Sequenzen sind weg. Max‘ neue Geschichte wird in der Ingame-Engine erzählt, mit Texteinblendungen, Unschärfe und Farbverzerrungseffekten. Die Story spielt Großteils unter Tag. Das Spiel ist bunt. Max hat (zum großen Teil) keine Haare und ein Hawaiihemd an.

Das war es auch schon. Alles andere ist da. Und Max Payne ist – was ich nicht im Ansatz für möglich gehalten hätte – im sonnigen Sao Paulo noch viel mehr Max Payne als zuvor. Das liegt zum großen Teil daran, dass die Story sich viel mehr auf Max und seine Beweggründe, seinen Charakter, stützt als die Spiele zuvor. Die Komplexität der Handlung von Teil 2 ist Geschichte – Teil 3 erzählt eine geradlinige Story, die zwar ein paar unerwartete Überraschungen parat hat – dafür sieht man andere schon von weitem kommen. Nichtsdestotrotz dringt das „Max Payne Feeling“ aus jedem einzelnen Pixel und Soundfile.

James McCaffey, der bereits in den ersten beiden Teilen Max vertont hat, wurde dieses Mal dank Motion-Capturing noch viel stärker involviert, auch das Gesicht von Max wurde dem seinen angepasst. Und der Herr macht seine Sache verdammt gut. Noch nie was Max so menschlich. So verletzlich. Und dermaßen angepisst vom Leben. Denn es kommt wie es kommen muss – alles geht den Bach runter. Dieses Mal allerdings nicht wegen Max, oh nein, dieses Mal wird Max EXTRA eingeladen, damit er alles kaputt machen kann. Zumindest war das der Plan. Aber der sture, alte Mann will einfach nicht sterben. Er will nicht aufgeben. Er hat es satt immer nur das Opfer zu sein und immer zu versagen. Dieses Mal will er es richtig machen. Und wenn das bedeutet, dass er Hunderte Leute umlegen muss, dann muss das halt so sein. Zimperlich war Max noch nie.

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Der neue Max ist verbittert. Zynischer, aber auch witziger und glaubwürdiger als zuvor. Die inneren Monologe lassen keinen Zweifel daran aufkommen – Max weiß, wie er ist. Er weiß, wer er ist. Er kennt seine Schwächen. Aber er kennt auch seine Stärken. Eine davon ist Entschlossenheit. Auch wenn er ein ums andere Mal knapp am Ziel vorbeischrammt, immer wieder Mal Leuten vertraut, bei denen es – abgesehen davon, dass sie verdammt viel darüber zu wissen scheinen, was rund um ihn vorgeht – keinen Grund gibt ihnen zu vertrauen. Aufgrund seines Alkoholkonsums ist er auch nicht der Mensch, dem man allzu komplexe Denkaufgaben geben sollte – aber eines kann er: Konsequent sein Ziel verfolgen. Und Ziele lässt er sich in all seiner Bitterkeit gern geben. Fast ist es, also ob Max aufgrund seines Frustes, seiner Engstirnigkeit, fast wie ein Steir von einem roten Tuch zum nächsten gejagt wird – und erst als es (fast) zu spät ist, hält er inne und fragt sich, wer ihm eigentlich all die Brotkrümel gestreut hat. Seine eigene Todessehnsucht (die immer wieder durchscheint) treibt ihn weiter – dummerweise ist er einfach zu gut in dem was er macht. Oder wie er es sagt: „I did not have the luck of an easy way out. I was still waiting for the bullet with my name on it that I clearly deserved.“

Grafisch und soundtechnisch gibt es am dritten Teil ohnehin nichts zu meckern – die Levels sind detailreich bis oben hin. Der Sound passt perfekt zum Setting. Die Zwischensequenzen mit allen ihren Unschärfe- und Farbeffekten nerven anfangs ziemlich, allerdings gewohnt man sich zum einen rasch daran und zum anderen kommen sie später seltener zum Einsatz. Die Bullet-Time ist wieder zurück – und wird euch wie gehabt oft das Leben retten. Was neu ist, ist das Deckungssystem, das sehr rasch euer neuer bester Freund (in Kombination mit der Bullet-Time) werden wird, denn die Jungs von Rockstar haben keinen einfach Shooter hingelegt. Nein, Max Payne 3 ist an manchen Stellen extrem fordernd – und das ist gut so.

Umso wichtiger, dass die Story, das Setting und die Motivation passt – und glaubt mir, nach der Halbzeit (bzw. spätestens ein bisschen drüber) wünscht ihr euch mindestens genauso sehr wie Max, dass die Schufte endlich kriegen was sie verdienen. Jede Wette. In diesem Fall hatten Rockstar Games also völlig recht als sie sagten, dass sie die Quintessenz von Max Payne erhalten haben: Bullet Time, Shootouts und all die „tollen“ Charaktereigenschaften des beliebten Ex-Cops. Gute Arbeit, Leute.

Willkommen Max Payne, ich habe dich vermisst und ich kann nur sagen: Schön, dass du wieder da bist. Das Warten hat sich gelohnt, die Bedenken waren umsonst.

O-Ton Max Payne: „I knew I did not stand a chance. They had a fuckin‘ army. Highly trained. I was only one man. But I did not care. I knew I was going to die but the least I could do was to piss them off.“

Und genau das wollen wir doch, oder? Max Payne allein gegen eine Übermacht, ohne Chancen auf Erfolg, ohne wirklich zu begreifen, was eigentlich los ist und mit dem Kopf durch die Wand gehend – mit der vagen Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut geht, wenn man nur genug Kugeln hat und einfach zu stur ist, um den Löffel abzugeben.

„Max Payne 3“ bekommt von mir 9 von 10, des alten Mannes Sturheit nachvollziehen könnende Punkte

Achja – waren schon Teil 1 und 2 keine Feste für Gewaltgegner, so ist Max Payne 3 streckenweise extrem brutal und richtet sich damit ausschließlich an Erwachsene – ich bin kein zimperlicher Mensch, was Gewalt in Film und Spiel angeht, aber in Kinderhände (alles unter 16 auf keinen Fall, ich bin mir teilweise bei ab 18 nicht mal sicher) gehört das Spiel auf KEINEN FALL.


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