Rocksmith (Game-Review)

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Nachdem die „Guitar Hero“-Serie (genauso wie „Rockband“) mittlerweile als alter Hut wahrgenommen wird, mag es überraschen, dass Ubisoft nun mit einem weiteren Gitarren-Spiel vorprescht. Doch schnell zeigt sich, dass das neue „Rocksmith“ in einem wichtigen Punkt ganz anders ist als jedes bisherige Musik-Spiel. Denn erstmals gilt es jetzt, mit einer echten Gitarre zu spielen und es auf diesem Instrument zur Meisterschaft zu bringen.

Im Lieferumfang von „Rocksmith“ befindet sich daher ein Instrumentenkabel, das sich via USB mit der Spielkonsole verbinden lässt. Im Prinzip handelt es sich um ein einfaches einkanaliges Audio-Interface, das wohl auch mit einem Computer verwendet werden könnte. In Verbindung mit der PS3 oder xBox 360 macht es auf den ersten Blick eine gute Figur, schafft aber bei genauem Hinsehen Probleme, auf die wir später noch zu sprechen kommen werden.

Dass auf der Verpackung des Titels „Spiel und Handbuch auf Deutsch“ zu lesen ist, schürt die Befürchtung, dass man sich mit einer entsprechenden Synchronfassung abgeben muss, was speziell wegen der ausschließlich englischsprachigen Songs lästig werden könnte. Allerdings können wir hier zumindest für die (von uns getestete) PS3-Fassung Entwarnung geben. „Rocksmith“ läuft bei uns wunderbar in der englischen Originalsprache und überzeugt mit ungekünstelter kalifornischer Coolness.

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Die Zielgruppe des Spieles ist ganz klar diejenige der Anfänger – egal, ob man sich die Gitarre oder den Bass beibringen möchte. Das Notenlesen wird man bei „Rocksmith“ nicht lernen, was aber auch nicht zwingend nötig ist. Denn immerhin entstammt diese Notationsform einer Zeit, in der es keine (erschwinglichen) Aufnahmegeräte gab und ein Ausweichen auf Papier und Bleistift unerlässlich war. Wer heute musikalische Ideen festhalten will, schaltet hingegen einfach sein Handy auf „Record“. Also wozu noch Noten…

Unterhaltsam ist „Rocksmith“ definitiv. Zwar spürt der Spieler recht deutlich, dass die Entwickler einige sinnvolle Anleihen an den einstigen „Guitar Hero“-Tugenden genommen haben (etwa die Darstellung des Fretboards). Doch im Allgemeinen ist das Gesamtpaket eine neuartige und unverbrauchte Angelegenheit, und auch die Dramaturgie des Spiels ist gelungen. Langsam lernt der Gitarre- oder Bass-Neuling, einige wenige Noten zu spielen, mit immer zahlreicher werdenden Saiten auszukommen, und sein Geschick schlussendlich vor einem virtuellen Publikum unter Beweis zu stellen. Das Portofolio wächst beständig und bietet viel Abwechslung.

Dennoch ist „Rocksmith“ ein Spiel mit Stärken und Schwächen. Auf der Habenseite stehen die vorzügliche Songauswahl, der Spaßfaktor, die Befriedigung, ein echtes Instrument zu lernen, und die exzellente Heranführung an die Gitarre bzw. den Bass. Man lernt wirklich „von der Picke auf“, die Saiten zum Schwingen zu bringen, was sehr lobenswert ist.

Negativ schlägt sich die technische Umsetzung nieder, denn wie bereits angedeutet hat das Audio-Interface eine Schwachstelle, die altgedienten Musikern bestens bekannt ist und unter dem Stichwort „Latenz“ abgehandelt wird. Ist nämlich diese Latenz zu hoch, gibt es zwischen dem Spielen einer Note und dem Erklingen über den Verstärker eine merkliche Verzögerung. Diese ist im Falle von „Rocksmith“ auf der PS3 ziemlich lang, für Kenner zu lang. Ob der durchschnittliche Einsteiger die Latenz als störend wahrnimmt? Vermutlich eher nicht.

Insgesamt ist „Rocksmith“ um vieles produktiver als es „Guitar Hero“ je war, da der Faktor, ein richtiges Instrument zu lernen, einen immensen Mehrwert schafft. Allerdings ist auch klar, dass der Titel nur dann Sinn macht, wenn (etwa zu Weihnachten) auch eine elektrische Gitarre auf den Wunschzettel wandert. Und die Gesamtkosten dürften dann deutlich höher ausfallen als bei einer billigen Pastikgitarre für „Rockband“.

Wer Gitarre oder Bass lernen will, ist bei „Rocksmith“ bestens aufgehoben – vor allem am kompletten Anfang, wenn es darum geht, mit dem Instrument vertraut zu werden. Wir geben dem Spiel daher 8,5 von 10 musikalischen Punkten.


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