Intruders (Filmkritik)

Die zwölf jährige Mia (Ella Purnell) findet in einem Baumloch beim Haus ihrer Großeltern eine kleine Schachtel mit einem Zettel darin, der eine Geschichte erzählt über ein unheimliches Wesen, dass einem kleinen Jungen das Gesicht stehlen will, da es selber keines besitzt. Mia ist fasziniert von der Story und so benutzt sie sie für eine Hausaufgabe ihrer Schule und schreibt auch selbst daran weiter, da die ursprüngliche Story kein Ende bereit hält.

Schon bald quälen Mia Alpträume und sie spürt eine böse Präsenz in ihrem Zimmer. Gerade als ihr Vater John (Clive Owen) zu ihr ins Zimmer kommt, greift ein mit einer Kaputze verkleideter Mann an, der anscheinend Mia entführen möchte. Obwohl er nach hartem Kampf schließlich endlich vertrieben wird bleibt die Frage, wer dieser Angreifer eigentlich war. Ist er ein gewöhnlicher Verbrecher oder das anscheinend übernatürliche Wesen aus der Geschichte aus dem Baumloch und was noch wichtiger ist: kommt es/er wieder?

Intruders

Dieser Film ist eine britisch/spanische Coproduktion des spanischen Regisseurs Juan Carlos Fresnadillo, der vielen Genrefans noch mit seinem kompromisslosen „28 Weeks Later“ , der Fortsetzung des Danny Boyle Originals „28 Days Later“, in Erinnerung sein dürfte. Als nächstes Projekt hat er das „Highlander“ Remake/Reboot (keine Ahnung wie die das nun nennen wollen) geplant, zwar ein aus meiner Sicht unnötiges Projekt, doch wenigstens steht keine Amerikaner hinter der Kamera.

„Intruders“ nun ist ein sehr eigenständiger Mix geworden, der Horror, Mysterie und eine nicht zu unterschätzende Portion psychologisches Drama miteinander verbindet und somit nicht klar in ein Genre einzuordnen ist. Für Horrorfans kommt der Horror an sich hier sicherlich zu kurz, Dramafreunde ist wohl der übernatürliche Schockanteil zu hoch und Freunde von schnell erzählten Storys, werden schon bald mit der Langeweile kämpfen müssen. Lässt man sich aber auf diesen Trip ein, dann bekommt man ein ziemlich spannendes und emotional aufwühlendes Erlebnis geliefert.

Die Handlung springt nahtlos zwischen zwei Geschichten hin und her. Auf der einen Seite geht es um einen kleinen Jungen, der mit seiner Mutter in Spanien lebt und gerne Gruselgeschichten schreibt. Eines Tages steht jedoch die Kreatur aus seinen Gedanken plötzlich in seinem Zimmer und möchte ihn mitnehmen. Bei den zahlreichen darauf folgenden und ziemlich lebendig wirkenden Alpträumen kann dem Jungen niemand helfen, sogar ein sich mit Exorzismus auskennender Priester hält Sohn und Mutter eindach nur für verrückt.

Auf der anderen Seite geht es um ein junges Mädchen aus England, dass durch einen von ihr entdeckten Zettel genau auf dieses Wesen aufmerksam wird, dass dem spanischen Jungen das Leben schwer gemacht hat. Der Unterschied ist hier nur, dass hier auch der Vater den nächtlichen Angreifer sehen kann. Mit dieser Ausgangslage entwickeln sich zwei Handlungsbögen, die am Ende nahtlos ineinander laufen. Ist dieses Wesen echt und somit übernatürlicher Natur oder spielt sich alles nur in den Köpfen der Menschen ab, die es angeblich sehen können? Um das zu beantworten, muss man sich den Film schon selber anschauen.

Darstellerisch fand ich Clive Owen (Killer Elite) als liebevollen Vater, der eine spezielle Bindung zu seiner Tochter hat und alles für sie tun würde, echt beeindruckend. Sonst ist er ja meistens der harte Kerl aber hier geniesst er es sichtlich, auch seine weiche Seite zeigen zu dürfen. Spätestens als sich dann Angst, Wut und vielleicht auch etwas Wahn(sinn) in seinem Gesicht ausbreiten weiß man als Zuschauer genau, mit wem man hier bis zum Ende mitfiebern muss.

Ansonsten muss ich noch Ella Purnell als Owen´s Tochter Mia erwähnen, die eine starke Ausstrahlung hat, die sie um einiges erwachsener erscheinen lässt, als sie eigentlich ist. Außerdem hat sie augescheinlich ein starkes Schauspieltalent, aus der wird noch mal was. Carice van Houten (Black Death) als ihre Mutter funktioniert als der in der Realität verankerte Ruhepol, sie fängt ihren Mann und ihre Tochter immer wieder auf, wenn diese sich spielerisch aus der Alltagswelt entfernen und nicht immer auch gleich wieder zurückfinden. In eher austauschbaren Nebenrollen sind auch noch Daniel Brühl als Priester und Kerry Fox als Psychologin zu sehen.

Insgesamt also ein stark gespieltes Geister-Kreaturen-Mysterie-Horror-Drama, mit sehr guten Effekten und gezielt eingesetzten Schockmomenten, die ihre Wirkung wegen ihrer mangelnden Plakativität nicht verfehlen. Sicherlich auf Grund des Mixes kann man dem Regisseur durchaus auch eine gewisse Unentschlossenheit vorwerfen, doch wer hier keinen eindeutigen, einem bestimmten Genre zugehörigen Beitrag erwartet, der wird auch in keiner Weise enttäuscht werden.

„Intruders“ bekommt von mir 7/10 unheimlicherweise in Zimmer und Gedanken eindringende Empfehlungspunkte.


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