Blue Eye Samurai (Serienkritik)

Dieser Samurai ist eine Legende. Und diese Legende bezieht sich auf die Blutspur, welche die Rache von Mizu (Maya Erskine) durch das Land zieht. Tatsächlich ist dieser Samurai ein Mischling, was bedeutet: Die Mutter ist Japanerin, aber der Vater ist ein Engländer, weshalb auch die Augen blau sind. Das bedeutet, dass immer eine Sonnenbrille im Gesicht klebt, um das zu kaschieren.

Und eigentlich geht es nur um Rache an diesem Vater. Nur – wer ist es? Einer der vier Engländer, die zu dieser Zeit in Japan waren muss es sein. Und nachdem nicht klar ist, wer genau, nun, da muss das Schwert eben sprechen.

Und es stellen sich viele Hürden in den Weg dieser Rache. Und jede einzelne will genommen werden. Und ja, das bedeutet Opfer. Und es bedeutet auch, Dinge zu tun, die vielleicht moralisch nicht ganz auf der netten Seite liegen …

Die Story ist nicht neu und wurde schon ganz oft erzählt. Aber ganz ehrlich – so cool, stylisch und ja, auch emotional mitreissend wie hier hab ich das schon lange nicht mehr erlebt. In der ersten Folge war ich noch eher milde interessiert, weil mir doch alles ein klein wenig zu berechenbar vorkam und ich mir bei vielen Szenen dachte, dass ich die bereits aus anderen Filmen kenne, aber je länger ich drangeblieben bin, desto gefesselter war ich.

Das liegt einerseits an den Hürden und Problemen, denen Mizu sich stellen muss, aber vor allem an den Figuren, die auftauchen. Und natürlich an der absolut klaren Message, dass der Film sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Damit meine ich jetzt nicht einmal die vielen, wirklich brutalen Kämpfe – und glaubt mir, da wird sich nichts geschenkt. Körperteile abhaken und Blutfontänen – die gibt es hier im Dutzend billiger und ja, es sieht richtig gut aus.

Die Animationen und die generelle Optik sind absolut großartig und alles sieht in Bewegung noch besser aus als auf den Standbilder – also Hut ab vor der technischen Seite der Produktion – gleiches gilt auch für die Synchrosprecher:innen. Allesamt top.

Aber was ich mit „an ein erwachsenes Publikum richten“ meine, sind zwei Dinge: Einerseits kommt Sex vor und zwar mehrmals und das auf Arten, die etwas über die Figuren aussagen und nicht als bloßer Selbstzweck. Fand ich toll. Eine Szene vor allem: Die spielt in einem Bordell und eine neue Mitarbeiterin soll zeigen, was sie drauf hat – sie will von dem Typen aber nicht angefasst werden. Relativ rasch versteht sie, dass der Typ sehr belesen ist und Reime, Haikus und Gedichte ziemlich erotisch findet – also trägt sie ihm ein erotisches Gedicht vor und der Typ hat einen dermaßen starken Orgasmus, dass er in Ohnmacht fällt. Das war eine absolute Hammerszene, die ich so auch noch nie wo gesehen habe. Da war ich echt ein bisschen sprachlos. Geniale Idee!

Aber viel eher meine ich die Erzählstruktur und die Geschichten der Figuren – allen voran Mizu – und wie diverse Rückblenden in die Gegenwartsgeschichte (die Gegenewart der Haupthandlung meine ich) eingebettet werden. Nach Folge 5 war ich völlig fasziniert. Die Folge ist im Grunde ein einziger langer Kampf in welcher sich allerdings die Loyalitäten von ein paar Figuren ändern und während dem Kampf gibt es immer wieder Rückblenden auf das Leben von Mizu und das war ganz großes, richtig großes Kino. Was da alles passiert ist und wie sich das auf die Hauptfigur ausgewirkt hat – wow, sag ich nur. Da hat die Figur doch tatsächlich richtig Tiefe bekommen.

Leider lässt diese Art der Erzählens dann ein wenig nach und je näher man sich dem Finale nähert, desto Videospiel-ähnlicher werden auch die Handlungsstränge. Zum Beispiel kämpft sich Mizu durch einen Festung von unten nach oben und man kann nicht umhin anzumerken, dass wir hier im Grunde ein Let’s Play sehen wie sich Mizu von Level zu Level zum Bossgegner hochkämpft. Gut gemacht, sieht gut aus, aber trotzdem irgendwie im Vergleich zu den emotionalen Teilen vor Vorfolge(n) eher ein Abstieg.

Außerdem gibt es im Kern drei Handlungsstränge, den neben Mizu gibt es noch zwei weitere Figuren, deren Leben und Werdegang stark von Mizu beeinflusst werden und die zwar auch als Klischee beginnen, aber nach und nach mehr beleuchtet werden und dann auf sich gestellt doch interessant sind. Und in Kombination mit Mizus Geschichte auch wirklich spannend bleiben.

Und dann kommt das Ende. Und selten war ich so enttäuscht von dem, wie eine Serie endet, denn tatsächlich hört sie quasi einfach auf. Ich weiß, dass eine zweite Staffel genehmigt wurde, aber was hier impliziert wird als Cliffhänger für die nächste Staffel – nun, was soll ich sagen. Reizt mich eher wenig. Ich werd’s mir schon ansehen, weil ich ja vielleicht positiv überrascht werde, aber so richtig Lust darauf hab ich nicht bekommen. Gerade weil auch ein paar Storystränge, die sich im Laufe der ersten Staffel entwickeln so gar nicht abgeschlossen werden und ich einfach nicht sehe, wie das mit diesem Cliffhanger gelöst werden kann ohne von der Story her stark abzufallen. Aber schauen wir mal. Kann ja sein, dass die das hinbekommen.

„Blue Eye Samurai“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, leider im Finale bzw. mit dem Ende schwächelnde, aber bis dahin großartig seiende, Punkte.


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