Most Beautiful Island (2017 Filmkritik)

Luciana (Ana Asensio) ist eine undokumentierte Migrantin. Sie hat keine Papiere und muss jeden Job annehmen, den sie hat. Sie teilt sich eine Wohnung mit einem Bekannten, der sie sehr genau daran erinnert, wann die Miete fällig ist. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und kommt kaum durch den Tag.

Eines Tages erzählt ihr eine Bekannte von einem lukrativen Job, der nur daraus besteht als optischer Aufputz bei einer Party herumzustehen und dafür wirklich gut bezahlt zu werden.

Zuerst unsicher, muss sie noch ein paar Dinge erledigen, denn für die Party braucht sie ein schwarzes Kleid und außerdem Zeit, die sie eigentlich bei einem anderen Job erledigen müsste.

Aber Luciana hat einen Plan. Und sie ist stur. Auch wenn die Party anders abläuft, als sie sich das vielleicht vorgestellt hat …

Über „Most Beautiful Island“ bin ich per Zufall gestolpert, wie halt so oft in meinem Fall. Und wenn etwas halbwegs interessant aussieht, dann guck ich halt mal rein. Bei diesem Film war es so Ich wusste tatsächlich nicht so richtig, worauf ich mich einlasse, aber es wurde als Thriller/Horrorfilm verkauft, also hatte ich eine gewisse Erwartungshaltung.

Vorweg: Diese wird nicht erfüllt. Zu keiner Sekunde. Es ist kein Horrorfilm. Es ist auch kein Thriller. Ich kann nicht mal genau sagen, was er ist, weil er einfach Genres mixt, auch wenn Horror per Definition nicht dazu gehört.

Zurück zum Film: Wir verfolgen über die ersten zwei Drittel den Weg von Luciana, die es wirklich nicht leicht hat und deren Leben, wenn man ein wenig darüber nachdenkt, tatsächlich wirklich traurig und deprimierend ist. Die Jobs, die sie hat, der Druck, der die gesamte Zeit auf ihr lastet – all das ist teilweise wirklich heftig mitanzusehen.

Andererseits hat sie ein paar Tricks auf Lager, die dann doch irgendwie nicht ganz okay sind und die sie zur Betrügerin machen. Ja, man versteht zwar, warum sie macht, was sie macht, aber dennoch muss man nicht damit einverstanden sein. Nachdem sie eine Migrantin ist, kann ich mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, die zum Beispiel sagen würde, sie soll einfach wieder heimfahren (was nicht geht. Mit welchem Geld denn?). Dazu kommt noch, dass sie in der doch relativ kurzen Zeit viele Leute trifft, die sie einfach damit durchkommen lassen, einfach, weil sie eine Frau ist und weil sie zumindest Manieren hat.

Es gibt zum Beispiel eine Szene in der sie einem Taxifahrer erst nachdem er sie abgesetzt hat, wo sie hinwill, dass sie kein Geld hat und das sie ihn morgen bezahlen wird, wenn er ihr seine Dienstnummer sagt. Er pfeift auf das Geld im Sinne von „passt schon“ und fährt wieder. Ja, sie kommt damit durch. Ist es symapthisch? Naja, nicht so wirklich. Zumal sie das einfach zu oft macht.

Und dann kommt sie zu der Party – auf Umwegen – und irgendwie sollen wir dann mit ihr zittern, was da auf sie zukommt und … nun, nein. Was Spannung erzeugt, sind die anderen Damen mit ihr im Raum, die vage Andeutungen durch die Gegend werfen und teilweise auch richtig Panik schieben und alle werden in einer von Besucher:innen festgelegten Reihenfolge in einen extra Raum geholt. Manche kommen wieder raus. Andere nach ziemlichem Gekreische nicht mehr. Auch das erzeugt Spannung. Genauso wie die Tatsache, dass sie eine Handtasche mit Vorhangschloss bekommen hat und man sich fragt, was da drin ist (und ja, das erfährt man).

Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich etwas unterwältigt war, ob er Auflösung, was auf dieser Party passiert, aber gut – zumindest war es etwas, was ich noch nie gesehen habe und womit ich nicht gerechnet hatte.

Nach dem Film habe ich kurz überlegen müssen, ob mir der Film jetzt gefallen hat oder nicht, weil ich irgendwie trotzdem etwas anderes und irgendwie mehr erwartet hatte. Im Kern ist der Film langsam, es passiert nicht viel was jetzt wirklich Auswirkungen hat, wir begleiten einfach Luciana in ihrem Leben und bei ihren täglichen Kämpfen. Und trotzdem … ja, er hat mir gefallen. Es war interessant, ich bin gedanklich dabei geblieben und ich habe mir Gedanken danach gemacht.

Ein großer Faktor für mein „Dranbleiben“ ist die Person Ana Asensio, die das Drehbuch geschrieben, die Regie gemacht und auch gleich noch die Hauptrolle übernommen hat. Sie selbst ist Migrantin, kommt aus Spanien, hat dort auch ein paar Filme gemacht und dann gemeinsam mit Larry Fessenden (ja, der Typ, der „Until Dawn“ mitgeschrieben und auch darin gespielt hat – Larry Fessenden sollte B-Movie-Horror-Fans ein Begriff sein, denke ich) diesen hier produziert. Fessenden spielt auch eine kleine Rolle im Film.

Jedenfalls ist sie einerseits eine verdammt hübsche Frau und andererseits ist absolut keine verdammt hübsche Frau. Aber sie hat Ausstrahlung. Sie hat eine faszinierende Mimik und sie wusste offensichtlich genau, was sie hier im Film machen wollte. Und es funktioniert. Ich denke, wenn der Film eine halbe Stunde länger gedauert hätte, wäre es auch okay gewesen für mich. Weil ich von der Figur fasziniert war und auch wie Asensio sie darstellt. Die Frau hat einfach dieses gewisse Etwas. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir andere Filme mit ihr ansehen würde – aber hier, hier passt sie perfekt.

„Most Beautiful Island“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, langsam aufbauende und auch langsam ausklingende, Punkte.

PS: Wer Angst vor Spinnen hat – lasst die Finger von diesem Film. Ernsthaft. Macht einen großen Bogen drum herum.


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