Kill Her Goats (Filmkritik)

Auda Bucklbee (Arielle Raycene) erfüllt sich nach ihrem Abschluss einen Traum und kauft ein Haus. Natürlich ein Freudentag, aber für Auda und ihre Freundinnen, die zu Besuch kommen, wird er schnell zum Albtraum, denn es tauchen Gäste auf, die nicht eingeladen wurden.

In diesem Fall ein Mörder (oder eine Möderin oder mehrere Mörder:innen), der/die eine Ziegemaske tragen und eine doppelseitige Kettensäge benutzen, um ihre Opfer stilvoll zu ermorden. Oder auch ihre Hände nutzen. Oder generell alles, was sie so finden.

Wer steckt hinter der Maske? Warum werden die Frauen ermordet? Und halten sie dem Druck stand, immerzu auf der Hut sein zu müssen und gejagt zu werden oder drehen sie selbst irgendwann dabei durch und verursachen ein Blutbad?

Okay, ich habe da oben die Zusammenfassung jetzt stark gedehnt und versucht mehr als einen Satz zu schreiben, denn tatsächlich ist der Film wirklich nicht mehr als das: Hübsche Frauen in knapper Kleidung, mit Blut bespritzt, die durch die Gegend laufen und mit Äxten hantieren, weil sie von einem Killer verfolgt werden … zumindest in den letzten knapp 30 Minuten.

Auch hier hat Steve Wolsh Drehbuch und Regie verbroch.. äh, gemacht *räusper*. Ich erwähne das deshalb, weil Steve Wolsh mit dem Film „Fog City“ mein Interesse geweckt hat, denn der Film war grundsätzlich in seiner Idee durchaus unterhaltsam, wenn auch nicht optimal (man lese: schlecht) umgesetzt – Ich wurde neugierig, was er sonst so gemacht hat. Deshalb habe ich mir dann „Muck“ angesehen und … nun, was soll ich sagen? Lest die Kritik. Und dann habe ich gesehen, dass es zwischen diesen beiden noch einen Film gibt, nämlich diesen hier. Und ich war neugierig, ob er wirklich das Mittelstück darstellt von Wolshs Fleischbesch… ah, Filmtrilogie. *erneut räusper*

Jedenfalls, ja, das hier ist definitiv ein Wolsh-Film, was bedeutet: Viel nackte Haut, viel Kameraperspektiven, deren Sinn es ist die Damen möglichst sexy (oder zumindest nackt) in Szene zu setzen und nochmals für’s Protokoll: Wer Frauen in Hotpants/Bikinis/knapper Kleidung ansehen mag, die sich auch immer wieder mal ausziehen und meiner Ansicht nach relativ grundlos nackt herumlaufen, der oder die ist hier gut dabei. Die Gespräche zwischen den drei Damen tun zwar im Gehirn und in den Ohren weh, aber wer sexy Hotpants oder G-Strings mit dazu passenden, ansehlichen Hintern sehen will, muss offensichtlich leiden.

Schlimm ist halt wie Hauptdarstellerin Auda (Ariella Raycene) in Szene gesetzt wird bzw. wie ihre Rolle geschrieben ist. Als sie anfangs ihr neues Haus besucht bzw. einzieht (erstaunlich sauber das alles, … für ein „altes Haus“), da benimmt sie sich wie eine 12jährige, springt auf den Betten im Gästezimmer herum und testet ihre Matratze, nur um dann – Ups – aus dem Bett zu fallen. Ist sie nicht herrlich naiv und schüchtern, die Kleine? Äh. Nun … Nein. Eigentlich nicht. So klein ist sie nicht und das Verhalten wirkt weniger sympathisch naiv sondern mehr wie eine geistige Entwicklungsverzögerung und irgendwie wartet man auf den Erwachsenenvertreter, der vorbeikommt und sie fragt, ob sie ihre Tabletten heute eh genommen hat. Mag Absicht gewesen sein, kommt aber schräg. Als eine ihre Freundinnen sie dann erschreckt, da schnappt sich Auda übrigens gleich mal einen Stein, um ihr damit den Schädel einzuschlagen. Soll wohl zeigen, wie kampfbereit sie ist, wirkt aber eher so, als ob man sich Sorgen machen müsste. Aber auch das kann absichtlich so sein, weil es kommt später ein „Storytwist“.

Dann kommt wieder mal die Wolsh’e Spezialität dazu beim Schnitt, nämlich die gleiche Szene aus mehreren Perspektiven mehrmals hintereinander zu zeigen. Das war bei „Muck“ zäh und bei „Fog City“ zäh und ist auch hier wieder zäh. Aber scheinbar ist das bereits ein Trademark von Hr. Wolsh. Kann man mögen, muss man aber nicht. Was auch wieder ein Trademark zu sein scheint, ist das Auge der Kamera welches gerade in der letzten halben Stunde (wenn dann Blut und Nackheit aufeinandertreffen) sehr genau weiß was das (ich nehme an männliche, schwer pubertierende) Publikum sehen mag. Das kann man jetzt als Lob auffassen. Muss man aber nicht.

Aber sind wir mal ehrlich: Ja, es gibt viele Leute, die – in Filmen, nicht im echten Leben – die Optik von blutverschmierten Frauen (mit fremdem Blut verschmiert) sexy finden und die Ästhetik hat auch was für sich. Das will ich nicht mal abstreiten. Es ist halt immer die Art und Weise wie was inszeniert ist und nun, bei Wolsh fühlt sich das halt alles so plakativ und auf’s Auge gedrückt an. Weniger ein „das ist so passiert und deshalb sieht diese Person aktuell so aus“, sondern mehr ein „die Person soll unbedingt so aussehen und deshalb muss – egal wie konstruiert – das hier passieren“. Wenn ihr wisst, was ich meine.

Es gibt zB eine Szene als eine der Damen in einen Schuppen gezerrt wird. Sie reißt sich los, will weglaufen, Killer(innen?) greift nach ihr, erwischt ihr (ohnehin sehr freizügliches) Top und reißt es ihr runter (das passiert dann noch ein zweites Mal und drittes Mal bleibt ein Minirock an einem Busch hängen …). Der Rest passiert quasi nackt mit G-String (und auch hier wieder: Hauptsache nackte Brüste + Blut im Bild). Da geht es nicht darum, dass Person X gerade ermordet wird, sondern darum möglichst oft die Brüste mit Blut im Bild sind. Das ist einfach ein Unterschied.

Dazu kommt die Tatsache, die mir generell bei Filmen nicht schmeckt und nie schmecken wird, wenn an sich sympathischen Menschen (und nur weil Person X dumm wirkt ist sie nicht automatisch unsympathisch per se) schlimme Dinge passieren. Und das ist hier definitiv der Fall. Und zwar in Nahaufnahme (und natürlich mit nackten Brüsten). Das ist absolut unangenehm anzusehen und vermutlich soll es das auch sein, denn hier merkt man bereits beim Ansehen, dass das alle nur einen Sinn hat: Fleischbeschau. Würde es um die Story gehen, dann wäre das anders inszeniert. „Ja, warum siehst du dir solche Filme denn dann an?“, höre ich euch fragen. Und mein Reptilienhirn antwortet: Weil auch ich lieber hübsche Frauen, die in knapper Kleidung sexy aussehen, zusehe, als shirtlosen, dicken Männern mit Bierbauch. Ich meine: Hallo? Ich habe noch Puls. Ich meine, guckt euch bitte das Bild oben an. Was bitte, ist daran NICHT sexy? Eben. Aber das ist auch nicht mein Thema.

Mein Thema ist schlichtweg, dass es mal eine Zeit gab, wo Morde und Tode am Bildschirm die brutal im Detail gezeigt wurden, nur bei Figuren vorgekommen sind, die sich die ganze Zeit über wie A********er verhalten haben und denen hat man diesen (nicht realen, filmischen) brutalen Tod ja durchaus gegönnt hatte. Da war teilweise sogar sowas wie Genugtuung dabei. Aber irgendwann hat es angefangen (oder ich hab’s erst bemerkt), dass das auch bei normalen, netten Figuren passiert und irgendwie sich das ungute Gefühl aufdrängt, als wäre die Message (wenn man denn den Macher:innen zutraut sowas zu haben), dass gute Menschen ein brutales, grausames Ende finden. Und das finde ich schlimm. Noch schlimmer fände ich es, wenn es nicht um diese Message geht, sondern das den Regisseuren (ja, alles Männer) einfach logisch vorkommt, denn dann muss ich ein paar Fragen über deren Weltbild stellen. Und Nein, das nicht nur am Rande, sondern grundsätzlich als Frage. Denkt mal drüber nach. Mich kotzt das an. Schockmomente? Klar, kann man argumentieren. Glaub ich aber nicht.

Wie dem auch sei: Auch Fans der Optik (siehe Beitragsbilder) werden die ersten 60 Minuten nicht glücklich werden – von mehreren Nacktaufnahmen der sehr hübschen Damen abgesehen und es gibt nicht eine, sondern zwei(!) Duschszenen, weil … Gründe. – weil das Drehbuch inklusive der Dialoge einfach so unglaublich schlecht ist. Und ja, auch Hauptdarstellerin Arielle Raycene trägt ihren Teil zum Fremdschäm-Faktor bei. Am Bemühen liegt es nicht, das kann ich so festhalten.

Dass in der letzten halben Stunde dann noch weitere Personen auftauchen, die vorher mal eine Minute im Bild waren oder so, spielt dann keine große Rolle mehr bzw. ist das sogar willkommen, denn sogar Wolsh weiß, dass man keine Frau eine halbe Stunde lang durch die Gegend jagen kann ohne dass das langweilig wird (bzw. ja, doch. Das geht. Aber Wolsh könnte es nicht spannend inszenieren). Und macht euch keine Gedanken: Wenn dann der Killer nach über einer Stunde (oder vielleicht die Killer?) auftaucht, dann ist rasch nur noch eine Person übrig, bevor dann die neuen auftauchen.

Und wie auch bei „Muck“ oder „Fog City“ weiß ich zu schätzen und erkenne, was seine Idee war – und die Idee finde ich gut. Aber die Umsetzung tut halt fast körperlich weh. Hier wird zum Beispiel jede Person mit einer Texteinblendung (Name, eine Eigenschaft, zB „best friend of xy“) vorgestellt. Und auch die Motivation des (oder der) Killer(s) wird mit – richtig – einer Texteinblendung erklärt. Kann richtig gemacht tatsächlich cool und innovativ wirken.

Aber nicht hier.

Trotz all dem: Hut ab vor den handgemachten Effekten. Was aber auch hier zu sagen ist: Wenn gegen Ende dann jemand mit einer Axt bearbeitet wird, dann sollte man sich überlegen, wie man das filmt, denn wie es hier ist, nun, ich sage es mal so: Man (oder frau) kann hier viel über praktische Effekte lernen. Weil man sieht, wie sie gemacht sind. *räusper*

Also ja, die ein, zwei Storyideen bzw. „Twists“ gegen Ende des Films fand ich gut von der Idee her. Wer es bis dahin aushält ist ohnehin gut darin sich Sachen schönzureden und ist in erster Linie für die Fleischbeschau (und -zerlegung) da und tja, wird vermutlich seinen oder ihren Spaß haben.

Ich fand es schade, denn man hätte hier viel mehr Spannung drin haben können, viel, viel weniger Leerlauf und auch eine ganze Ecke weniger abstossende Szenen, ohne auf die sexy Optik und den Gefallen der „Blut/Brüste“-Fangemeinde zu verzichten (ich denke nur an den Anfang, in welcher der/die Killer eine quasi nackte, schwer verletzte Frau mit einer Hand stehend an einen Baum drückt und man sieht tatsächlich einfach mehrmals nur(!) ihre Brüste, über die Blut läuft und die Regieanweisung hat scheinbar gelautet: „Versuch, dass sie wackeln.“ Eigentlich hätte mir da schon klar sein müssen, wie es weitergeht.)

Immerhin ist „Fog City“ in allen Belangen (von den seltamen Doppel-Gezeigt-Szenen abgesehen) eine Verbesserung nach oben. Und wenn ich ganz ehrlich bin ist „Kill Her Goats“ auch schon ein Schritt nach vorn, wenn ich ihn mit „Muck“ vergleiche. Aber das ist keine hohe Latte (jaja, peinlicher, schlechter, sexistischer Wortwitz).

Anders gesagt: Das Beste am Film sind der Filmposter und die Optik der Schauspieler:innen (aller Schauspieler:innen), wobei ein paar sogar spielen können (nicht Arielle Raycene, niemals Arielle Raycene).

„Kill Her Goats“ bekommt 4 von 10 möglichen, gute Effekte und spannende Ideen (Ideen! Nicht Umsetzung!) bringende, Punkte.


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