ICO & Shadow of the Collosus (Game Review)

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Gleich zwei PS2-Spiele auf einer Blu-Ray Disc hat Sony nun für die PS3 herausgebracht. Bei den beiden neuaufgelegten Titeln handelt es sich um keine Unbekannten, im Gegenteil. „ICO“ machte – seinerzeit, also um 2002 herum – mit seiner ungewöhnlichen Stimmung, dem bestechenden Gameplay und vor allem seiner spannenden Andersartigkeit Furore. Ähnlich ging es dem erstmals 2006 erschienenen „Shadow of the Collosus“, einem Nachfolger, der mutiger Weise nicht die Formel von „ICO“ wiederholte, sondern hinsichtlich Gameplay Neuland ansteuerte.

Zuerst also zu „ICO“: Es ist wirklich eine eigenartige Stimmung, die von diesem Spiel ausgeht. Man staunt, wie fesselnd es sein kann, durch dunkle Türme und lichtdurchflutete Wälder zu streifen – und bei alledem einer spartanischen Soundkulisse zu lauschen. Selten hat das Knistern von Fackeln oder das Heulen des Windes so einnehmend geklungen wie in „ICO“. Und da Sony die neue PS3-Ausgabe soundtechnisch aufgepeppt hat, erklingen die Geräusche in 5.1-Ton, perfekt verteilt auf den ganzen Raum.

Auch die Texturen wurden optisch aufgewertet. Speziell aber sind es die Unterstützung von Full-HD und der Umstand, dass das gesamte 16:9-Format ausgefüllt wird, die Kenner des Spiels begeistern. Sony ist es gelungen, nicht in die Falle des unnötigen technischen Fortschritts zu gehen und das Spiel zu „verschlimmbessern“. Das hat viel Lob verdient. Im Zweifelsfall haben die Entwickler alles beim Alten gelassen, um die Fans nicht zu verschrecken und dem Titel seinen bisherigen Charme zu lassen. Beispiel Steuerung: Diese ist für heutige Gamer sehr ungewohnt (z.B. Springen mit dem Dreieck), kann aber – optional – angepasst werden. Anderes Beispiel Synchronsprecher: Es gibt Japanisch mit Untertiteln. Punkt. Dem Flair des Spiels tut das gut.

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Die Handlung von „ICO“ ist wohl schon vielen bekannt. Ein kleiner Junge kommt trauriger Weise mit Hörnern auf die Welt, was in der Dorfgemeinschaft, in die er geboren wird, bereits mehrfach vorgekommen ist. Da die Dörfler den Bub für verflucht halten, machen sie ihm an seinem 12. Geburtstag klar, dass er – zum Wohle aller – wird sterben müssen. Um sich seiner zu entledigen, sperren sie ihn in eine Art Sarkophag, den sie in einen finsteren Turm abstellen. Doch Ico will nicht seine behornten Vorgänger verfrüht ins Jenseits: Er befreit sich und flieht, und er flieht nicht alleine. Denn auf seinem Weg aus dem Turm begegnet er dem Mädchen Yorda, das er aus ihrem Käfig befreit. Auf dem gemeinsamen Weg treffen die beiden auf zahlreiche Gespenster, die es auf Yorda abgesehen haben und sie zurück ins Verließ bringen wollen.

„Shadow of the Collosus“ stammt von demselben Team, dem wir auch „ICO” verdanken. Allerdings ist dieser Titel grafisch opulenter. Die Story knüpft nicht direkt an „ICO“ an; viel eher bekommt man den Eindruck, dass die Handlung nur lose in einem bereits bekannten Universum spielt. Die Helden des Spiels sind der Schwertträger Wander und sein etwas eigenwilliges Pferd Agro. Wie es der Name nahe legt, gilt es, 16 furchteinflößende Riesen zu besiegen… richtig: die Kollose. Entscheidend für die Magie des Titels ist ein weiteres Mal die ganz charakteristische Stimmung, wobei die Musik eine noch größere Rolle spielt als bei „ICO“. Es liegt eine Melancholie über den Landschaften von Wanders Welt, die ihresgleichen sucht und den gesamten Plot surreal werden lässt. Als Spieler bekommt man das Gefühl, neben sich selbst zu stehen – und seinen eigenen Taten zusehen zu müssen, als bewegte man sich durch eine sterbende Welt, die noch ein letztes Mal ihre Schönzeit offenbart.

Es gibt gute Gründe, weshalb „ICO“ und „Shadow of the Collosus“ bei Diskussionen, ob Computerspiele künstlerischen Wert besitzen (ob sie „Kunst sind“), immer wieder genannt werden. Die zwei Titel haben es verdient, potentiell mit einer weiteren Generation Spieler Bekanntschaft zu machen. Zudem freut es uns zu sehen, dass Sony eine Wiederveröffentlichung vornimmt, gerade, obwohl die die beiden Games den vielen lobenden Kritiken ursprünglich in kommerzieller Hinsicht hinten nach standen. Auch der Erscheinungstermin ist perfekt gewählt, denn noch hat das Weihnachtsgeschäft nicht begonnen. Die vorliegende Spiele-Sammlung ist eine ideale Möglichkeit, rechtzeitig vor „Drake 3“ und Co. noch zwei fesselnde Abenteuer zu erleben.

Wir geben der Kollektion 8,5 von 10 surreal-melancholische Empfehlungspunkte.


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