Malice in Wonderland (Filmkritik)

Alice (Maggie Grace) ist eine amerikanische Studentin, die in London Jus studiert. Als sie eines Nachts vor zwei düsteren Kerlen flüchtet von denen sie verfolgt wird, läuft sie genau dem Taxifahrer Whitey (Danny Dyer) vor sein Auto, der nicht mehr rechtzeitig bremsen kann.

Der Fahrer packt sie daraufhin kurzerhand in sein Taxi, da sie ohnmächtig aber unverletzt erscheint und er sehr dringend zu einem Termin muss und schon viel zu spät ist. Als Alice wieder erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern, nicht mal an ihren eigenen Namen. Ein surrealer Trip in das Wunderland des ausgefallenen londoner Nachtlebens beginnt, bei der Alice gemeinsam mit Whitey auf der Suche nach sich selbst unterwegs ist. Dabei bekommt sie um einiges mehr geboten, als sie in ihren kühnsten Träumen jemals erwartet hätte.

Malice-in-Wonderland

Der in England enstandene Film „Malice in Wonderland“ ist eine moderne und sehr freie Interpretation der klassischen Alice im Wunderland Geschichte. Regie führte Simon Fellows, der zuvor für die mehr oder weniger unterhaltsamen DVD Actionstreifen „7 Seconds“ mit Wesley Snipes oder „Second in Command“ und „Until Death“ mit Jean Claude van Damme verantwortlich war.

Was kommt also dabei heraus, wenn ein Film mit einer ambitionierten Grundidee aber ohne echte Stars, ohne Werbung, mit geringem Budget und einem Regisseur, der für diese Art Film möglicherweise nicht sonderlich gut geeignet ist, produziert wird? Ihr habt es sicherlich schon erraten: Malice in Wonderland ist ein wirklich wunderbares Erlebnis geworden und ein echter Geheimtip für jeden Menschen, der gerne auch mal über die Grenzen der nüchternen Realität hinausdenkt.

Kurz nach den ersten Szenen spürt man bereits die ganz eigene Stimmung, die sowohl den geistigen Zustand von Alice auf Grund des Unfalles beschreibt, als auch die Reise der hier fremdem Amerikanerin, die sich nur die seltsamsten Gesellen und ausgefallensten Orte für ihren Trip herausgepickt haben zu scheint.

Die Musik von Joe und Christian Henson passt dabei perfekt, wie im gesamten Filmverlauf bleibt auch hier der realistische Anspruch erhalten, die zirkusähnlichen Passagen und die ausgefallenen Instrumente erzeugen aber immer wieder das Gefühl, man befände sich in einem traumähnlichen Zustand.

Darstellerisch hat mich Maggie Grace nach ihrer Nebenrolle im Liam Neeson Thriller „Taken“ nun vollständig davon überzeugt, dass sie nur die richtigen Rollen braucht, um ihr Talent vollständig zeigen zu können. Man hat sie hier als Zuseher schnell ins Herz geschlossen, möchte sie beschützen und wünscht ihr einen sicheren Aufenthalt im „Wunderland“. Eine sehr natürliche, unglaublich sympathische Performance also, Alice wirkt dabei stark und verletzlich zugleich, dass Grace die Rolle von der ursprünglich dafür vorgesehenen Mischa Barton übernommen hat, stört mich daher in keiner Weise.

Danny Dyer wiederum kennt das breite Publikum hier zu Lande vorwiegend als lustigen Losertypen aus Horrorkomödien wie „Severance“ oder „Doghouse“. Hier darf er als „weißer Hase“ Alice sowohl als Führer als auch als Freund und sogar als mögliche große Liebe zur Seite stehen. Dabei sorgt er wie immer auch für einige Lacher, man nimmt ihm aber auch die emotionalen Passagen ab, in denen er über seinen eigenen Egoismus springen muss, um Alice helfen zu können. Die Chemie zwischen Dyer und Grace ist auf jeden Fall großartig und das ist ebenfalls ein riesiger Bonus des Filmes.

Optik, Sound und Schauspieler (die gesamte Inszenierung müsste man ja eigentlich behaupten) sorgen hier also dafür, dass dieser Film so gut funktioniert. Ich wurde direkt in die Handlung hineingesaugt und hatte auch nach dem Film noch ein ganz eigenes und echt schönes Gefühl, dass natürlich auch durch den liebenswerten, menschlichen Schluss toll unterstützt wurde.

Übrigens: Obwohl die bekanntesten Charaktere der Alice im Wunderland Geschichte auch hier ihre Vertreter haben, sollte man als Fan der klassischen Story nicht irgendwelche unnötigen Vergleiche ziehen, die Geschichte hier ist doch sehr eigenständig und hat nur das Grundgerüst der ursprünglichen Erzählung entnommen.

Dies ist ein Film bei dem man nicht nach der Logik, dem Realismus oder der Spannung in der Geschichte sucht, man muss sich einfach auf eine Reise einlassen die für mich zu einem Erlebnis wurde, dass ausnahmslos positiv traumhafte Gefühle bei mir hinterlassen konnte.

Malice in Wonderland bekommt von mir 9/10 zauberhaft realistische, im Wunderland der erfüllbaren Wunschträume verankerte Empfehlungspunkte.


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