Cassian Andor (Diego Luna) hat sich der Rebellion angeschlossen. Aber das Imperium schläft nicht – es braucht ein seltenes Kristall, welches sich in der Erde eines abgelegenen, aber bekannten Planeten befindet, um etwas zu bauen was sich als die ultimative Waffe herausstellen wird.
Nur – wie? Syril Karn (Kyle Soller) wird hingeschickt. Unter der Aufsicht von Dedra Meero (Denise Gough). Und das Imperium zieht die Schrauben langsam und sicher immer enger.
Luthen (Stellan Skarsgard) ist immer noch am Schmieden von Plänen und am Aufbauen des Widerstands. Aber auch für ihn wird es immer enger. Und als er entdeckt, was vor sich geht und was das Imperium plant wird es Zeit Stellung zu beziehen und die Rebellion darauf vorzubereiten, was da kommen wird.
Und ist die Rebellion bereit? Oder ist sie immer noch ein Haufen von Chaoten, die nichts auf die Reihe kriegen und für die „Rebellion“ nach Pubertät klingt anstatt Krieg und Blut und Opfer …

Ich glaube nicht, dass es möglich ist all die Handlungsstränge der zweiten Staffel von Andor in einer einzigen Review zusammenzufassen. Tatsächlich müsste man fast für jeden Charakter (oder jedes Charakterpaar) eine eigene Review schreiben, denn wer Staffel 1 kennt, der oder die weiß, dass oben eine ganze Menge an Figuren fehlen und – ja, die kommen auch wieder alle vor.
Aber nicht alle erleben das Ende der Staffel.
Zurück zur Kritik: Ich war etwas irritiert als die erste Folge der zweiten Staffel damit beginnt, dass Andor einen Tie-Figher-Prototypen stehlen muss und – dann passiert ganz viel unnötiger und schräger Slapstick. Ich dachte erst, ich bin in der falschen Serie gelandet. Aber nein. Das ist wirklich Andor. Na gut, dachte ich. Das wird dann jetzt wohl eher schräg werden.
Und die ersten drei Folgen sind schräg. Ich spoilere kurz: Andor kann den Tie-Fighter deshalb nur schwer fliegen, weil er falsche Infos über das Modell hatte, welches er stehlen sollte. Und auch die Übergabe klappt nicht, weil sein Rebellen-Kontakt von – Vorsicht! – Rebellen getötet wurde, weil sie ihm nicht geglaubt haben, dass er ein Rebell ist. Und noch mehr: Die Typen, die Andor empfangen und die sich als Rebellen bezeichnen sind dermaßen strunzdumm, dass ein Streit eskaliert und sie anfangen sich gegenseitig umzubringen. Und Andor ist mittendrin.
Und generell muss ich sagen: Die ersten drei Folgen … nun, die wirken erst einmal deplatziert. Aber bei Folge vier habe ich dann kapiert, was hier los ist. Wir befinden uns 4 Jahre vor der Schlacht um Yavin, also „Star Wars: A New Hope„. Und jeweils drei Folgen umfassen ein Jahr. Dann springen wir ein Jahr nach vorne.
Und bis zum Ende sind wir dann an dem Punkt an dem die Rebellion eine Einheit ist, sich organisieren kann und an dem Dinge, wie in den ersten Folgen nicht mehr passieren würden. Wir sehen hier also anhand von jeweils drei Folgen pro Jahr, wie sich die Rebellion entwickelt und nach und nach wirklich eine Bedrohung für das Imperium wird.
Und diese Geschichte erleben wir durch die Augen der Figuren, die wir in Staffel 1 kennengelernt haben.
Und wie wir sie erleben.
Die Show ist dermaßen dicht mit Geschichten und Spannungsaufbau, dass wichtige Elemente der Geschichte nur angedeutet und nicht mal gezeigt werden, weil wir ohnehin wissen, was das bedeutet. Wenn zum Beispiel ein bestimmter Charakter, den wir aus Staffel 1 kennen, einen anderen Charakter als Chaffeur verkleidet in seinen „Wagen“ begleitet und dann mit einem vielsagenden Blick losfährt, während wir eine bestimmte Musik hören … nun, dann wissen wir, was mit der Person passieren wird.
Ich fand die ersten drei Folgen unterhaltsam, aber nicht so richtig großartig. Aber Folgen 4 bis 6 sind super (wenn auch teilweise etwas lang in bestimmten Momenten), und Folgen 7 bis 9 sind … hammerhart, hochdramatisch und – vor allem aufgrund des Aufbaus in den ersten sechs Folgen – der Grund, warum viele behaupten, dass wir nie wieder „so gutes Star Wars bekommen werden.“
Weil wir hier sehen, wie die Mechanismen des Imperiums arbeiten. Wie sie funktionieren. Wir sehen hinter die Systeme von Propagande, Betrug und einer absolut grausamen Falle, die unausweichlich zuschnappt. Wir sehen die Maschine des Bösen wie sie in ihrer Hochzeit absolut effizient und effektiv löuft. Und es ist schockierend.
Das Geniale daran ist, dass wir eine Figur – sorry, Spoiler – haben, die absolut an das Imperium glaubt, in diese Pläne/Falle aber nicht eingeweiht wurde und dann genau wie die Bewohner:innen des Planeten völlig aus dem Nichts mit dem konfrontiert wird, was das Imperium ohnehin von Anfang an geplant hatte. Das waren Hammerszenen und unglaublich großartig gespielt und inszeniert. Einfach … wow. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Das müsst ihr einfach gesehen haben.
Aber das funktionert eben nur, weil wir die Figuren aus Staffel 1 kennen und außerdem durch den Aufbau aus den ersten sechs Folgen. Hier hat alles seinen Plan und seinen Platz und wenn man dann zurückdenkt wie welche Figuren wo in Stellung gebracht wurden, dann passt da einfach alles zusammen. Und ja, Respekt an die Macher:innen und Autor:innen. Wahnsinn.
Die letzten drei Folgen können nicht ganz mithalten, gehen durch den Tod eines wichtigen Charakters, der Entdeckung, warum das oben erwähnte Material so wichtig ist und was zum Kuckuck Andor und seine Mithäftlinge in Staffel 1 eigentlich im Gefängnis gebaut haben, sowie die daraus resultierende Konfrontation zwischen zwei Personen, auf die Zuseher:innen wirklich lange gewartet haben, aber trotzdem unter die Haut.
Und es gibt eine ganze Folge, die sich um zwei der Hauptfiguren dreht und die auf zwei Zeitebenen spielt. Die aktuelle Zeit ist eigentlich „nur“ der Weg in ein Krankenhaus bis zu einem Zimmer und wieder raus, aber – Hölle, ist das spannend gemacht. Und die Rückblenden bringen uns die Figuren wirklich näher. Toll geschnitten und gespielt. Hammer. Wirklich.
Die letzte Folge endet damit, dass Andor in ein Raumschiff steigt und einen Informanten treffen soll – und endet damit quasi einen Shuttleflug vor „Rogue One„. Und ja, jetzt, wo ich Andor gesehen habe, da dachte ich mir bei Rogue One (sozusagen die dritte Staffel von Andor in Filmform), dass ich gern Andor als Hauptfigur gehabt hätte. Und einige der Gespräche in „Rogue One“ haben jetzt mehr, viel mehr Gewicht als ohne der Serie „Andor“. Gänsehaut. Erneut.
Kurz gefasst: „Andor“ ist DIE Star Wars-Serie, von der ich nicht wusste, das sich sie brauchte, aber froh bin, das sich sie gesehen habe. Serien können nicht viel besser werden als das hier.
„Andor – Staffel 2“ bekommt 9 von 10, quasi alles richtig machende, Punkte.


