Scream 7 (Filmkritik)

Es kommt ja immer, wie es kommen muss. Ghostface ist wieder da. Er mordet wieder. Dieses Mal will er Sydneys (Neve Campell) Tochter Tatum (Isabel May) erwischen, hat die Rechnung aber ohne Sydney, ihren Mann Mark (Joel McHale) und Reporterin Gale Weathers (Courtney Cox) gemacht.

Es gibt Tote und Verletzte. Es gibt falsche Verdächtigungen. Es gibt eine De-Maskierung und ein seltsames Mordmotiv.

Alles wie gewohnt.

Eigentlich ist es ein Wahnsinn, dass es von Scream bereits den siebten Teil gibt. Ich weiß noch, als ich damals bei den ersten drei Teilen im Kino saß. Und bei einem Triple-Feature – bei dem tatsächlich vor jedem Film die gleichen zwei Werbungen und der gleiche Filmtrailer („Frequency“ mit Dennis Quaid) gespielt wurde. War damals richtig schräg.

Jedenfalls ist jetzt Scream 7 in den Kinos und die Geschichte wie es zu diesem Film kam ist ja fast schon einen eigenen Film wert und auf jeden Fall innovativer als der Film selbst. Die beiden Hauptdarstellerinnen aus „Scream V“ und „Scream VI“ sind ja zum einen gefeuert worden und zum anderen aufgrund von „Drehplankonflikten“ ausgestiegen.

Da kam dann die Idee, dass man Neve Campell wieder aktiviert und sie hat gerüchteweise 7.000.000,– für die Wiederauflebunb ihrer Rolle als Sydney bekommen. Also – für sie war es das auf jeden Fall wert, denn bei Scream VI ist ja bekanntermaßen nicht zurückgekommen, weil sie sich bei ihrer Gage ungerecht behandelt gefühlt hat. Das Thema hat man scheinbar aus der Welt schaffen können.

Auch zurück ist Kevin Williamson, der ja die ersten beiden Filme verfasst hat. Hier hat er jetzt auch – scheinbar auf Bitte von Neve Campell hin, nachdem die ursprünglichen Regisseure ausgestiegen sind – die Regie übernommen.

Was bleibt also? Nun – zum einen tut es gut, Sydney wieder dabei zu haben, denn sie ist und bleibt halt einfach das Gesicht und der emotionale Anker dieser Filmreihe. Vor allem, da man ja manch anderen tollen Charakter ziemlich unnötigerweise abserviert hat. Aber das nur am Rande. Und ja, sie spielt ihre Szenen gut, auch wenn sie nicht wirklich großartig viel zu tun hat. Auch Courtney Cox wird meiner Ansicht anch zu wenig genutzt und die viel zitierter Rückkehr vom Oberbösewicht aus Teil 1 ist im Grunde einfach ein Gag, der sich zwar durch den gesamten Film zieht, aber dennoch nur ein Gag. Die Auflösung am Ende, wer der oder die Mörder:innen sind, ist dann ziemlich hanebüchen und antiklimatisch. Ich musste sogar kurz überlegen, wer das jetzt nochmal ist. Also das große Raten wie in den anderen Filmen bleibt aus.

Das ist deshalb kein Spoiler weil sehr rasch klar ist, wer das aller nicht sein kann. Es gibt nämlich verhältnismäßig bald – zumindest kam es mir so vor – einen Szene in der sich alle zum „Agatha Christie“-Talk treffen, um herauszufinden, wer von Tatums Freunden denn jetzt klassischerweise der Bösewicht sei und tja – Überraschung! Ghostface dezimiert die Bande. Mehr sag ich dazu nicht.

Außer: Ich habe von ein paar Seiten gehört, dass der Film an sich schon ganz okay ist, aber die Kills wären großartig. Ah. Ich werde alt. Wirklich. Das merke ich unter anderem daran, dass ich nach der Eröffnungsszene tatsächlich beschlossen hatte, ich gucke mir den Film nicht an. Der Grund: Man sieht wie jemanden langsam ein Messer in den Kopf durchs Hirn geschoben wird. Und dann liegt eine verletzte Frau am Boden und man sieht aus ihrer Perspektive – also immer ihr leidendes und flehendes Gesicht im Bild – wie sie dabei zusehen muss, wie Ghostface sie und das Haus in dem sie liegt mit Benzien übergießt, bevor er alles anzündet.

Das ist heftig und brutal und vor allem absolut und völlig unnötig. Echt. Das muss kein Mensch sehen. Und da gibt es noch zwei weitere Morde, die genauso brutal sind – einer davon endet damit, dass jemand die Eingeweide zu Boden plumpsen und dann sieht man die Person noch wo hängen mit heraushängenden Gedärmen. Einer Person, die genau niemanden etwas getan hat und die eigentlich eine sympathische Person ist. Auch von der Story her finde ich genau keinen Grund, warum das so sein soll oder muss, geschweige denn eine Motivation dazu. Das ist einfach nur drin, damit es „cool“ ist (Spoiler: Ist es nicht). Der zweite Mord, den ich meine: Aufgespießt an einem Zapfhahn an der Bar (natürlich auch wieder durch den Kopf und das Hirn) und dann ist es ja ach so witzig, wenn der Zapfhahn angeht und blutige Flüssigkeit aus dem Mund schießt als würde man ein Bier zapfen. Erneut: Gibt genau KEINEN Grund dafür, dass Ghostface das machen sollte. Außer: „Wir sind cool.“ Ich find’s zum Kotzen.

Echt jetzt – ich brauche diesen ganze Mist nicht. Ich finde es auch nicht lustig. Und das zeigt vermutlich, dass ich alt bin und Dinge, die ich in so Filmen sehe mir näher gehen als das früher der Fall war. Und mein Problem damit, dass sympathische und an sich nette Personen extrem brutal umgebracht werden, habe ich eh schon mehrmals an anderer Stelle angeführt. Zumindest bekommt hier auch der/die Bösewicht:innen (ich mag ja nix verraten) ein Ende, welches er/sie verdient hat/haben.

Unabhängig davon stecken in manchen Szenen richtig gute Ideen drin. Da wäre zum Beispiel die Flucht in den Panik-Raum und die anschließende Flucht durch die Wand. Das ist richtig cool und spannend gemacht – wenn auch völlig unrealistisch. Wenn der Mörder 2 + 2 zusammenzählen würde, dann wären die Flüchtenden nach fünf Minuten tot gewesen (einfach auf einer gewissen Höhe alle zehn Zentimeter die gesamte Wand lang reinstechen …). Aber es war spannend.

Die zweite Szene ist jene, in der Sydney ihre Tochter am Telefon hat und ihr durch die Überwachungskameras sagt, wo sich der Mörder befindet und was sie machen soll, während Tatum quasi „blind“ den Anweisungen ihrer Mutter folgt. Das war eine richtig coole und starke Idee.

Mir hat auch gefallen, dass der „erste“ Überfall von Ghostface im Heim der Prescotts – ähm, der Familie Evans, sorry – ziemlich cool von Sydney und Mark abgefangen wird. Da ist gleich mal klar, dass die ein gutes Team sind. Was dann völlig verschenkt wird, aber das ist ein anderes Thema.

Ist es jetzt ein guter Scream-Film? Ich sage mal so: Er hat alles, was man sich von einem Scream-Film wünscht, außer einer guten Auflösung und mir persönlich ist er zu brutal. Aber das waren die vorigen Teile für mich ja auch schon. Er ist spannend und Sydney ist zurück. Alles gut, von den Anschlussfehlern (Tochter, usw) abgesehen. Außerdem gibt es noch gefühlt 200 Anspielungen auf gefühlt alle vorigen Teile und die Easter Eggs werden einem förmlich nachgeschmissen. Das war dann schon ein wenig viel, aber gut – Teil 7, sag ich nur. Soll sein.

„Scream 7“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, im Kern ein solider Scream mit solidem Drehbuch seiende, Punkte.


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