Shelter (2026 Filmkritik)

Seit dem Tod ihrer Mutter hilft Jessie (Bodhi Rae Breathnach) ihrem Onkel dabei, Lebensmittel auszuliefern. Regelmäßig besucht sie bei ihrer Arbeit eine abgelegene schottische Insel, wo sie den schweigsamen Mason (Jason Statham) beliefert, der ihre freundlich Kontakt suchende Art, nicht erwidert.

Als eines Tages ein Sturm das Boot der beiden Lieferanten zum Kentern bringt, kann Mason nur noch die verletzte Jessie retten. Er ruft danach keine Polizei oder Rettung, sondern kauft selbst Materialien und kümmert sich um sie. Kurze Zeit später kommt plötzlich ein Boot bei Masons zu Hause an und an Bord befindet sich eine Spezialeinheit…

Regisseur Ric Roman Waugh hat zuletzt vier mal mit Gerard Butler als Hauptdarsteller zusammen gearbeitet (etwa bei Angel Has Fallen oder Greenland). Nun hat er seinen Star gegen einen anderen Action-Helden getauscht. Das Poster hat mich dann an meine Jugend erinnert, da stand auf Filmpostern noch einfach „Schwarzenegger“ oder „Stallone“, denn das war genau der Grund, warum man den jeweiligen Film sehen wollte.

Hier steht nun „Statham“ oben und wie ich bereits bei seinem letzten Film A Working Man erwähnt habe, ist dies natürlich die bekannte Statham-Formel. Das bietet aus meiner Sicht aber keine Angriffsfläche, sondern erfüllt einfach nur die Erwartungshaltung. Steht Milch oben, ist (hoffentlich) auch…ach ich glaube ihr versteht mich schon. Fast schon ironisch ist dabei eine bestimmte Tatsache und zwar dass sich hier ein gewisser neuer Faktor hinzu mischt, den jemand anders sehr gemolken hat die letzten Jahre.

Ich nenne ihn mal den Liam Neeson Modus – aka ein alternder Antiheld, der eine letzte Chance auf Wiedergutmachung bekommt. Vielleicht ist es ja der gräuliche Bart aber Statham hat noch nie so sehr seinem Alter entsprechend ausgesehen, immerhin wird er nächstes Jahr auch schon 60 Jahre alt. Was ich damit aber nicht sagen will, ist dass er in seinen Kampfszenen so wirken würde, als könnte er nicht mehr mit seinen jüngeren Gegnern umgehen.

Hier zeigt er eine gewisse Reife und Verletzlichkeit, die seine „Ein-Mann-Armee“ Persona, sonst eher selten an den Tag legt. Was vor allem an der Dynamik liegt, die er mit seinem Schützling Lucy an den Tag legt. Was zunächst fast so wirkt, als würde er sie gefangen halten, entwickelt sich zu einer emotionalen Reise für die beiden. Er kann dabei mit mit seiner Vergangenheit abschließen und sie lernt, an Verlusten nicht zu zerbrechen, sondern durch sie stärker zu werden bzw. an ihnen zu wachsen.

Genau das ist es dann auch, dass diesen Statham doch besonders macht. Bei The Beekeeper zuletzt waren einfach die Aktionen cool, die Sprüche lässig und die Action hat gefetzt. Hier gibt es solche Momente ebenso, aber vor allem beim finalen Kampf – der nicht im Vordergrund steht, sondern eher erledigt werden muss, weil es ja vorrangig um die Rettung des Mädchens geht – merkt man, dass Action „nur“ die zweite Rolle hat.

Bodhi Rae Breathnach (Hamnet) als Jessie ist dabei richtig gut, so schön ehrlich und roh von den Gefühlen her und sehr clever und direkt, was ihre Beobachtungen und Aussagen betrifft. Damit dringt sie sogar durch Masons unzerstörbare Hülle durch und ich habe bei Statham ehrlich gesagt noch nie gesehen, dass er so väterlich beschützende Schwingungen abgibt. Dass alle anderen Figuren durchgängig egal sind, ist dabei fast schon logisch.

Ergibt in Summe einen Statham, der von Schusswechsel über Verfolgungsjagd und Nahkampf einerseits genau das liefert, was man erwartet. Auf der anderen Seite bekommt man unerwartet eine emotionale Entwicklung eines Mädchens mit, das Alles verloren hat und man sieht die weicheren Seiten eines harten Hundes, die er so nie zugeben würde. Die coolen Bilder habe ich erwartet, dass mir die beiden Protagonisten nicht egal waren, ist hier die positive Überraschung.

„Shelter“ bekommt von mir 7/10 „gemeinsam kompliziert“, „alleine einfach“ vorziehende Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.