Im Jahr 2032 erwacht Ryland Grace (Ryan Gosling) aus seinem künstlichen Tiefschlaf in einem Raumschiff. Er ist alleine und ohne Erinnerung, warum er sich hier befindet. Langsam erkundet er das Schiff und bemerkt, dass er sich Lichtjahre von der Erde entfernt befindet.
Langsam kommen seine Erinnerungen zurück und somit das Ziel seiner Mission: die Sonne wird von einem Organismus befallen, wodurch alles Leben auf der Erde in naher Zukunft einfrieren wird. Grace Reise führt ihn zum einzigen Planeten im bekannten Sonnensystem, der nicht von der sogenannten Astrophage befallen ist…

Zu Beginn eine kurze Frage: Wann habt ihr zum letzten Mal zu Beginn des Abspannes eines Filmes, Hoffnung verspürt? Einfach das Gefühl, nicht Angst vor der Zukunft zu haben, sondern gemeinsam mit seinen Liebsten allen Herausforderungen der Welt gewachsen zu sein? Ich kann mich nicht daran erinnern, wann das zuletzt ein Film bei mir geschafft hat. Willkommen bei Project Hail Mary.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Autor Andy Weir aus dem Jahr 2021, haben die beiden Regisseure Phil Lord und Christopher Miller (The Lego Movie, 22 Jump Street) gemeinsam mit Hauptdarsteller und Produzent Ryan Gosling hier etwas auf die Beine gestellt, was Hollywood scheinbar seid Jahren verloren hat.
Ich spreche davon einen Blockbuster zu schaffen, der Herz und Hirn hat und statt modernen Agendas Themen behandelt, die jeden Menschen betreffen oder man zumindest nachvollziehen kann. Was bist du bereit zu geben, für geliebte Wesen? Was für das Wohl der gesamten Menschheit? Wo hört der Egoismus auf und die Empathie beginnt? Und nur ganz nebenbei: die Leichtigkeit, die hier durch Humor erzeugt wird, ist dennoch immer wieder spürbar, jedoch ohne der Spannung zu schaden.
Selbst wenn man es als Metapher nimmt: „nur Leben kann das Nichts/den die Sonne fressenden Organismus“ eindämmen, ich finde diese der Unendlichen Geschichte ähnlichen Botschaft (nur Fantasie kann das Nichts stoppen) einfach universell. Ebenfalls ein spannendes Thema ist die Art und Weise, wie sich Menschen durch Unsicherheiten selbst bremsen können.
Das macht Ryland Grace auch zu einer perfekten Hauptfigur, denn er hat mehr spezifisches Wissen, als die meisten Menschen auf der Welt, doch ebenso groß ist seine Unsicherheit. Ich muss Ryan Gosling (The Fall Guy) hier wirklich ein riesiges Lob aussprechen, denn ich kann mir keinen anderen Darsteller in dieser Rolle vorstellen.
Wie charmant, spielerisch und auch tollpatschig er agiert und dabei ohne es zu merken ständig „mikro über sich hinauswachs Aktionen“ liefert, das ist großes Kino. Passend dazu sind die eingefangenen Bilder so, als würde man sich selbst im Weltall befinden und der Soundtrack fesselt und ja, auch der liefert dieses „alles wird gut“ Gefühl.
Was mich zu Rocky bringt, gesteuert und gesprochen von James Ortiz und seiner Puppenspieler-Crew. Wer glaubt, für einen Felsen kann man keine Gefühle entwickeln, nun der hat Rocky noch nicht kennen gelernt. Von seinen Bewegungen über seine Art zu sprechen bis hin zu seinem Verständnis von richtig und falsch, er ist schon ein echter Fels in der Brandung und seine Interaktionen mit Grace porträtieren in Summe einfach eine wundervolle Freundschaft.
Nach circa 50 Minuten trifft Grace auf Rocky und nach weiteren 100 Minuten, ist der Film zu Ende und nein, trotz längeren ruhigeren Sequenzen vor allem zu Beginn und zahlreichen Rückblicken, würde ich hier keine Minute streichen wollen. Gosling hat ja in einem Interview gesagt, es sei nicht die Aufgabe der Zuschauer ins Kino zu gehen sondern Aufgabe der Filmemacher/Darsteller etwas zu schaffen, dass Menschen ins Kino lockt.
Eine selbstverständliche Aussage könnte man meinen doch nicht in Zeiten, in denen wir als Kunden, wenn wir etwas schlecht finden, als die Bösen hingestellt werden. Warum ich das nun am Ende noch erwähne? Nun ich will euch zeigen, dass man auch im Jahr 2026 rund um einen Film (auch die Promotion) alles richtig machen kann, man benötigt nur die richtigen Leute mit dem richtigen Mindset.
P.S.: Ich habe den Film mittlerweile drei mal gesehen und ich muss sagen, das ist vor allem auf menschlicher Ebene großartig und das obwohl man die Art und Weise, wie Grace auf dem Raumschiff gelandet ist, leicht moralisch angreifen könnte. Der Film nützt sich nicht ab, sondern wird bei mehrmaliger Sichtung irgendwie noch besser, weil die Bindung zum Geschehen noch mehr wächst. Höchstens Menschen, die sich das Kind in sich als Erwachsener nicht behalten haben, könnte die Sache zu infantil sein. Aber genug geschrieben, ich schließe mit Rockys Worten, als perfekte Werbung für diesen Film: „Amaze, Amaze, Amaze“!
„Project Hail Mary“ bekommt von mir 10/10 keine Flucht vor der Realität porträtierende, sondern eine Erinnerung wozu wir fähig seiende Empfehlungspunkte.

