Scrubs (2026 Serienkritik)

JD (Zach Braff) ist noch immer ein Arzt mit privater Ordination, aber irgendwie reicht es ihm nicht mehr, den Reichen und Schönen mit ihren kleinen Kinkerlitzchen zur Verfügung zu stehen. Er hat zwar Geld, aber keinen Sinn in der Arbeit. Als er eines Tages eine Patientin in seinem alten Krankenhaus, dem Sacred Heart besucht, muss er feststellen, dass dort vieles beim Alten ist, aber vieles auch anders als früher.

Es gibt zum Beispiel eine Personalvertreterin, die darauf achtet, dass alle freundlich miteinander umgehen – was zumindest für Dr. Cox (John C. McGinley) eine Herausforderung ist. Aber der hat ohnehin genug und bietet JD einen Job an. JD lehnt ab, lernt aber im Laufe seines Besuchs die neuen Interns kennen, außerdem trifft er seine Ex-Frau Elliot (Sarah Chalke) und sein bester Freund Turk (Donald Faison) arbeitet auch immer noch als Chefchirurg dort.

Während seines Aufenthalts gibt er Tips, ermutigt die neuen Ärzte und Ärztinnen und bemerkt, dass er an diesem einen Nachmittag mehr Leben bewegt hat und mehr Sinn gefunden hat als die letzten Jahre zusammengerechnet. Also nimmt er das Angebot von Dr. Cox an. Und ist völlig überrascht, als ihm klar wird, dass Dr. Cox ihm einen ganz bestimmten Job angeboten hat: Nämlich seinen …

Ein Revival von „Scrubs„? Der Serie, die ich buchstäblich von der ersten bis zur letzten Folge einmal im Jahr geguckt habe? Und das zwölf Jahre lang. Meine absolute Lieblingsserie – mit Abstand. Das kann doch nur ein schlechter Witz sein, oder? Die sind doch alle megaalt. Und da leben auch nicht mehr alle. Wer soll denn da mitspielen und … was? Alle Schauspieler:innen, die noch leben sind wieder dabei? Sogar die Nebenrollen? Hooch?! The Todd?! Und die Hauptrollen sowieso? Die sind sogar ausführende Produzenten? Was zum …?

Nein. Seh ich mir nicht an. Scrubs ist die eine Serie, die mit Staffel 8 das perfekte Ende hat. JD kündigt, zieht um, verlässt Sacred Heart, trifft nochmals alle und wirft einen Blick in die Zukunft während „The Book Of Love“ läuft. Ich heule jedes Mal wieder, weil es so schön ist. Da KANN man gar nicht würdig anknüpfen. Also hab ich mich geweigert, mir die Serie anzusehen. Aus Prinzip.

Und vor ein paar Tagen, dachte ich mir – was soll’s? Vielleicht ist es ja okay. Nach Folge 1, dachte ich mir – „Himmel, die sind wirklich alle alt geworden.“ Mein zweiter Gedanken war: „Die haben einen Star Wars abgezogen!“ – also alle Charaktere zu Losern gemacht. JD und Elliot – geschieden? Dr. Cox wurden die Zähne gezogen? Turk ist quasi depressiv und hat seinen Swag verloren? Carla geht durch ihre Menopause? Was zur Hölle ist hier los?

Und dann hat es „klick“ gemacht. Denn „Scrubs“ macht einen „180-Grad-Star-Wars“. Ja, die meisten fangen kaputt und desillusioniert an, weil sie an einem Punkt sind, an dem sie nicht sein wollten. Und die Erkenntnis folgt relativ rasch: Sie raufen sich zusammen, sie geben sich gegenseitig wieder Kraft. Und sie reißen das Ruder herum. Wird alles wieder gut? Nein, denn das wäre nicht Scrubs. Scrubs war immer eine Drama-Serie mit schrägen Humor (auch wenn spätere Staffeln leider immer mehr in die lustig sein um der Lustigkeit willen, abdrifteten, bis sie in der letzten Staffel den quasi perfekten Weg zurück gefunden hat) und keine „alles ist superduper happy“-Serie.

Es passieren schlimme Sachen. Patienten sterben. Wichtige und beliebte Figuren bekommen unheilbare Diagnosen und trotzdem ist da immer dieses Licht. Sich aufeinander verlassen können. Sich vertrauen. Wissen, dass man wieder zusammenfindet. Erkenntisse und Einsichten. Und jede Menge großartigen Scrubs-typischen Humor. Der ist noch immer da. Es ist lange her, dass ich bei einer Serie so oft laut auflachen musste. Wirklich lange.

Die neuen Interns sind super, ohne, dass man alte Figuren kopiert (wie es im unsäglichen „Scrubs: Med School“-Spin-Off der Fall war). Und die Geschichten mögen sich vielleicht wiederholen – wie geht man damit um, wenn man jemanden nicht mehr helfen kann und ähnliche Dinge, wie sie im Krankenhaus nun einmal vorkommen -, aber sie werden von einer neuen, anderen Perspektive gezeigt. Nämlich nicht mehr von der Schüler:innenseite, sondern von der Lehrer:innenseite. Die Hauptfigur ist immer noch JD. Dann kommt Turk. Elliot. Dr. Cox kommt nur selten vor, aber wenn, dann ist er immer noch DER Wahnsinn. Und die Szenen mit ihm und JD sind immer noch die emotional treffsichersten und besten der Serie.

Ich war fast sauer, als die Staffel nach 9 Folgen zu Ende war. Ich hätte gern noch weitere 50 gehabt zum Binge-Watchen, wie man das neudeutsch wohl nennt. Apropos – auch die Methoden und Gespräche passen sich der neuen Zeit an. Influencer:innen, Patienten, die Dr. Google mehr glauben als ihren Ärzt:innen, und so weiter. All das wird verpackt in die gewohnt leichte, lockere Erzählweise, die aber auch weiß, wenn man einen Moment mal atmen und wirken lassen muss. Nicht jede Szene muss mit einem Witz entschärft werden. In einer Post-Marvel-Humor-Welt ist das eine Wohltat.

Sicher, ein paar der Konflikte – vor allem Elliot und JD – werden ein wenig zu rasch gelöst, aber ehrlich: Das passt. Weil die Macher:innen wussten, dass man Konflikte braucht, es aber genauso wichtig ist, die Charaktere eben NICHT zu Losern zu machen, die ihr Leben vergeigt haben (looking at you „Indiana Jones und das Rad des Schicksals„).

Nein, es sind immer noch die tollen Charaktere, die halt an einem blöden Punkt im Leben gelandet sind, aber deshalb nicht aufgeben und sie sind immer noch so großartig, wie sie es in den alten Staffeln waren. Da hat jemand wirklich verstanden, wie das funktioniert. Absolut. Ich kann gar nicht formulieren, wie erleichtert und happy ich bin, endlich ein paar meiner alten Helden wieder in neuen Geschichten auf dem Bildschirm zu sehen und das auf einer Art und Weise, die ihnen gerecht wird, ohne Agenda, ohne irgendwas dekonstruieren zu müssen, sondern einfach so, wie es sein soll – mit Respekt in die Moderne geholt, könnte man sagen. Es gibt jetzt den Beweis: Es kann funktionieren.

Randnotiz: Dass Christa Miller ihr Gesicht so mit Botox zerstört hat, dass sie kaum noch eine Mimik hat ist unendlich schade, denn Jordan hat wieder Mal sehr starke Auftritte. Die leider ein wenig komisch wirken, wenn sie ihr Gesicht und ihren Mund fast nicht bewegen kann. Vielleicht wird’s ja besser in der nächsten Staffel, die gerade angelaufen ist.

Randnotiz 2: Neil Flynn als Hausmeister kommt auch vorbei. Und ist grandios wie immer. Jede. Einzelne. Sekunde. Ist. Ein. Genuss.

Scrubs is back, baby! Scrubs is back!

„Scrubs 2026“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, sicher noch ein wenig Luft nach oben habende, aber fast perfekte, Punkte.


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