Her Private Hell (Filmkritik)

Der Vater von Schauspielerin Elle (Sophie Thatcher) hat ihre beste Freundin Dominique (Havana Rose Liu) geheiratet. Seitdem leidet ihre Beziehung. Die Idee des Vaters ist es, dass ein gemeinsamer Filmdreh die zwei wieder zueinander führt.

Private K (Charles Melton) sucht inzwischen in der Unterwelt der Stadt nach seiner vermissten Tochter und legt sich dafür mit den gefährlichsten Individuen an. Gleichzeitig taucht immer wieder ein geheimnisvoller Nebel auf, nach dessen Erscheinung der sogenannte Leatherman, sein nächstes Opfer sucht…

Vom dänischen Regisseur Nicolas Winding Refn, kenne ich nur seine ersten englischsprachigen Filme Bronson und Walhalla Rising, was auch schon wieder fast 20 Jahre her ist. Sein letzter Film The Neon Demon ist aus dem Jahr 2016, seitdem hat er Kurzfilme und Miniserien gedreht. Nun ist er zurück mit einem Werk, dass für mich typisch er ist.

Eine Beschreibung des Filmes wäre folgende: beim Cannes Filmfestival im Mai 2026 hat es nach dem Film eine mehrminütige Standing Ovation gegeben. Bei der waren aber nicht mehr alle Zuschauer dabei, denn einige haben den Saal vorzeitig verlassen und zwar weil sie sich gelangweilt haben. Bindung zu den Figuren sei auf Grund der stilisierten Erzählweise, ebenfalls keine möglich.

Wisst ihr was, ich kann beides verstehen. Der Film ist quasi zu hip, um logisch nachvollziehbar zu sein. Refn ist es 100 prozentig egal, was die Leute hier denken. Wenn man dann ließt, dass er im Jahr 2023 temporär tot war, 25 Minuten wieder belebt werden musste und mit diesem Film dieses Erlebnis verarbeitet hat, wird diese Einstellung völlig nachvollziehbar.

Hier ist eine Frau gefangen in ihrem eigenen, mentalen Gefängnis, während sie durch eine dystopisch futuristische Metropole stolziert und begleitet wird von einer Oper entsprungenen Filmmusik, die dem Ganzen einen gewissen Theater-Flair verleiht. Das böse Wesen Leather-Man kann man dabei als Teufel verstehen, oder als personifiziertes Trauma oder als dir die Luft raubende Vaterfigur.

Es werden aber beide Seiten beleuchtet, denn aus der Sicht eines Vaters (Refn hat zwei Töchter) kann man durchaus auch Angst spüren, als Vater zu versagen, die Tochter nicht beschützen zu können, oder den Schmerz den man spüren kann, wenn sie erwachsen wird und sich immer weiter von dir entfernt. Da Refn sich fast ausschließlich auf Symbolik verlässt, könnte man hier noch stundenlang Dinge hinein interpretieren.

Sophie Thatcher (Companion) als Elle habe ich so noch nie gesehen. Zunächst kontrolliert und depressiv, bricht am Ende schön alles Aufgestaute aus ihr heraus und ob ihre Emanzipation einen positiven Weg einschlägt, wage ich zu bezweifeln. Die für Refn typischen Gewaltspitzen kommen dann großteils durch die Parallel-Handlung mit Private K, der seine vermisste Tochter sucht.

Dass Kritiker den Film nicht gerade schätzen könnte durchaus auch daran liegen, dass die Film im Film Dynamik hier schon recht klar auch so gedeutet werden kann, als Kritik an Hollywood. Das System schluckt dich eben und dann wirst du zerfleischt. Habe ich selbst den Film gut gefunden? Nun er regt mindestens zum Nachdenken an, sich viele Gedanken um Bedeutungen zu machen.

Wenn man sich dabei fühlt, als würde man selbst in einer Zwischenwelt festhängen, könnte dies durchaus vom Regisseur intendiert sein. Dass man das als zu seltsam erleben kann und wie das Werk eines selbstverliebten, egozentrischen Künstlers, ist mir aber ebenso völlig nachvollziehbar. Wegen Thatcher und weil er sich nicht wirklich einordnen lässt, habe ich ihn gerne gesehen und was mir je länger die Sichtung aus ist, immer bewusster geworden ist, ist wie gerne ich doch an diesem schrägen Trip teilgenommen habe.

„Her Private Hell“ bekommt von mir 8/10 inneren Gefängnissen und äußeren Monstern in diesem Leben nie völlig entfliehen könnende Empfehlungspunkte.


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