Best Of Worst Case: Shark Thrash (Filmkritik)

Ein Sturm zieht auf. Und er wird wilder als alles, was bisher bekannt war. Die kleine Touristenstadt nahe dem Strand wird völlig überflutet. Das Wasser reißt teilweise sogar ganze Häuser mit. Und nicht nur das: Haie sind im Wasser. Viele.

Das bedeutet, alle noch in der Stadt überlebenden sollten sich auf eine höhere Ebene zurückziehen und auf Rettung warten. Leider sind die Gebäude für solch eine Situation nicht gebaut und deshalb ist alles eher wacklig.

Was tun, wenn die Naturgewalten unsere zivilisatorischen Errungenschaften einfach mit sich reißen? Und wie entkommen, wenn jeder Ausweg durch das Wasser und den Sturm führt, Mann und Frau jedoch für die Biester im kalten Nass das perfekte Futter darstellen …

Ja, das alles sind Fragen, die man sich bei der Prämisse stellen kann. Halten die Menschen zusammen? Wie bereitet man sich auf das Undenkbare vor … und vor allem: Wie kann man die Apokalypse mit möglichst wenig Budget auf den Bildschirm bannen? Die letzte Frage stellt sich wohl in erster Linie, weil The Asylum hinter Shark Thrash stecken. Ihr wisst schon … die Mockbuster-Trashfilm-Schmiede.

Die Antwort auf diese eine Frage ist recht bald klar und – das muss ich gestehen – irgendwie auch kreativ.

Robert Rodriguez („From Dusk Til Dawn„, „Desperados“, „Sin City“) hat in seinem Buch „Rebel Without A Crew“ irgendwo geschrieben, dass eine der Regeln, denen er beim Filmemachen immer gefolgt ist, lautet: Menschliche Gesichter sind interessanter als alles andere. Kamera immer auf die Gesichter halten.

Das hat sich Marcel Walz – der Regisseur hinter Shark Thrash – wohl sehr zu Herzen genommen, denn wie eng hier die Kamera an den Personen dran ist, das ist teilweise fast schon unangenehm. Wobei man „Gesichter“ mit „Ausschnitten“ und „Frauen in Bikinis“ (oder alternativ „nassen Oberteilen“ ergänzen muss.

Wer sich den Trailer ansieht, ist vermutlich ein wenig beeindruckt, von der Verwüstung, die da gezeigt wird. Ja. War ich auch. Dann musste ich jedoch feststellen, dass diese Zerstörungsbilder in den ersten paar Minuten über den Bildschirm flimmern und dann gibt es … hauptsächlich Menschen im Close Up, die nass sind und herumbrüllen oder weinen oder betroffen gucken … oder versuchen, so etwas wie Emotion zu vermitteln. Das funktioniert eine Zeit lang recht gut, irgendwann wird es aber mühsam.

Das fällt vor allem in Szenen auf, in denen – als Beispiel – eine Gruppe von sechs Personen auf ein Schlauchboot klettert und die Kamera(s) so eng dran sind, dass immer nur Teile von dem gezeigt werden, was passiert und es teilweise sogar anstrengend wird zu verfolgen, wer jetzt wo ist und wer was wann wo zu wem sagt. Und das kann ja wohl nicht im Sinne der Erfinder sein.

Es gibt ein paar Szenen, die dann doch auch IN Häusern spielen und da gibt es – wie üblich – bedeutungsschwangere und tragische Dialoge. Die auch primär die Gesichter der Personen zeigen, die gerade sprechen. Im extremen Close Up. So etwas macht man üblicherweise nur dann, wenn man nie alle Schauspieler:innen zur gleichen Zeit vor Ort hat. Leute, irgendwann müsst ihr doch mal zeigen, wie die alle beisammenstehen als Gruppe, damit Zuseher:innen zumindest ein wenig ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das räumlich alles darstellt.

Dass zwischendurch immer wieder Gebäude gezeigt werden, die zusammenkrachen oder -brechen, lockert die Sache auf und nimmt sogar ein wenig von der engen Perspektive. Da in diesen Szenen aber quasi nie Menschen vorkommen und sie klar CGI sind (auch wenn sie stylish aussehen, was ich absolut zugeben muss), funktioniert das mit der räumlichen Orientierung für die Zuseher:innen (also für mich zumindest) nicht.

Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass ich gedanklich völlig weg gedriftet bin, weil es einfach anstrengend war den Film anzusehen. Was für einen Trashfilm halt dann doch irgendwie schade ist. Auch der unfreiwillige Humor hält sich in Grenzen und ja, die Figuren wären an sich auch okay (über das Schauspiel schweige ich mich mal aus), nur – es ist wirklich, wirklich anstrengend, den Film anzusehen.

In letzter Konsequenz ging es so weit, dass auf einmal der Abspann flimmerte und ich nicht mal mitbekommen habe, was am Ende des Films vorgefallen ist und wer überlebt hat und so weiter. Für eine Sekunde hab ich überlegt, ob ich nochmals zurückspule. Aber eigentlich war sofort klar, dass es mir weder die Zeit noch den Aufwand wert ist. Schade. Interessante Idee, interessante Kameraarbeit, absolut. Nur leider halt einfach nicht unterhaltsam, weil anstrengend.

„Shark Thrash“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, davon zwei Punkte rein für die Idee(!), die Kamera richtig nah am Geschehen zu lassen, Punkte.

Best Of Worst Case-Urteil: (Trashfaktor: Schauspiel, Story)

Interessante Idee. Leider funktioniert die Sache für mich nicht. Als Trashfilm ist er zu ernst und gut gemacht und erlaubt sich auch keine lustigen oder peinlichen Schnitzer. Aber als ernst zu nehmender Film ist die Sache einfach zu mühsam, die Figuren zu platt und alles irgendwie zu … ich weiß nicht … belanglos.

Fazit: Kann man sehen, muss man aber nicht.


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