Special Interest | Darkagent http://darkagent.blogsit.net We love being entertained! Fri, 07 Mar 2025 22:22:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.5 How To Blow Up A Pipeline (Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2025/03/08/how-to-blow-up-a-pipeline-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2025/03/08/how-to-blow-up-a-pipeline-filmkritik/#respond Sat, 08 Mar 2025 05:00:41 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37435 Xochitl (Ariela Barer) hat gemeinsam mit Michael (Forrest Goodluck) einen Plan: Sie wollen eine Öl-Pipeline in die Luft jagen. Ohne menschliche Verluste, aber mit möglichst großen Schaden für die Besitzer. Es ist kein Anschlag, es ist Selbstverteidigung, denn die Firma … Weiterlesen

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Xochitl (Ariela Barer) hat gemeinsam mit Michael (Forrest Goodluck) einen Plan: Sie wollen eine Öl-Pipeline in die Luft jagen. Ohne menschliche Verluste, aber mit möglichst großen Schaden für die Besitzer. Es ist kein Anschlag, es ist Selbstverteidigung, denn die Firma hat in Xochitls Jugend schwere Umweltsünden begangen, was zu saurem Regen geführt hat. Ihre Freundin Theo (Sasha Lane) und sie haben oft im Regen getanzt, danach hat ihre Haut gebrannt – bei Theo hat es zu Leukämie geführt.

Mit einer Gruppe anderer junger Leute, die alle ihre eigenen Gründe haben, die Firma zu hassen, fassen sie einen folgenschweren Plan – Disruption, um den Planeten zu retten.

Nur hat es den Anschein, als ob jemand aus der Gruppe nicht ganz so uneigennützig zu sein scheint, wie die anderen. Es könnte sie jemand verpfiffen haben und das FBI nur auf seine Chance warten, sie zum richtigen Zeitpunkt hochzunehmen …

Es gibt ein Buch namens „How To Blow Up A Pipeline – Learning To Fight In a World On Fire“ von Andreas Malm. Es keine Fiktion, keine Geschichte, sondern ein Plädoyer, sich endlich gegen die geldgierigen Umweltsünder, die auf Kosten der Gesundheit anderer Geld machen zu wehren. Notfalls mit Gewalt (allerdings ohne zivile Opfer).

Ariela Barer war von dem Buch so angetan, dass sie innerhalb von 18 Monaten ein Drehbuch geschrieben, Geld aufgetrieben, einen Cast zusammengestellt und den Film gedreht hat.

Anders als das Buch erzählt der Film die oben zusammengefasste Geschichte – jedoch mit derselben Message dahinter. Der Film soll klar ein Weckruf sein, ein Aufruf zur Gegenwehr – zu Vandalismus im Dienst der guten Sache. Was immer man von der Aussage halten mag – der Film ist richtig gelungen und mitreissend.

Er fängt sehr langsam und auch ein wenig verwirrend an. Die Szenen sind kurz, die Dialoge und Dinge, die gezeigt werden eher kryptisch und trotzdem wirkt alles teilweise fast quälend langsam. Ich gebe zu, dass ich mir die ersten 20 bis 30 Minuten dachte, dass das nichts mehr werden kann.

Aber dann – dann macht es irgendwann „klick“. Man hat auf einmal eine Idee, wie alles zusammenhängt, wie der Plan aussieht und dank clever eingestreuter kurzer Rückblenden weiß man auch, warum jede einzelne Person dabei ist. Auf einmal funktioniert es – man fürchtet um den Plan, um das Auffliegen und man mag die Figuren.

Als dann noch klar wird, dass es jemand in der Gruppe gibt, der oder die nicht ist, was er oder sie zu sein scheint, nun, da wird es dann nochmals spannender, denn – und das hat mich wirklich überrascht – man weiß nach gut zwei Drittel des Films, wer es ist und warum diese Person die anderen verraten hat. Und – man versteht es.

Das legt dann noch ein Schäufelchen Spannung drauf, denn – wird diese Person dichthalten bis zum Ende? Die anderen ins symbolische Messer laufen lassen? Oder holt das schlechte Gewissen sie ein?

Die Spannungsschraube wird nach und nach bis zum Ende angezogen und wenn dann der Plan in die Tat umgesetzt werden soll, da saß ich dann tatsächlich am Rand der Couch und habe richtig mitgefiebert. Und das Ende – das war schon cool. Wirklich cool.

Alles in allem hat der Film starke „Die fetten Jahre sind vorbei“-Vibes, nur mit mit mehr Explosionen und erstaunlich wenig Moralpredigten.

Alles in allem war ich schon skeptisch und anfangs dachte ich noch, dass das nichts mehr wird, aber am Ende war ich wirklich platt und muss sagen: Ja, sehenswert. Absolut sehenswert.

Die Message? Im Mindesten kann man sagen, es ist ein guter Start für eine Diskussion.

„How To Blow Up A Pipeline“ bekommt 8,5 von 10 möglichen, sich zur Wehr setzende, Punkte.

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Shadow Of The Vampire (Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2025/03/04/shadow-of-the-vampire-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2025/03/04/shadow-of-the-vampire-filmkritik/#respond Tue, 04 Mar 2025 05:00:55 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37287 F. W. Murnau (John Malkovich) hat die Vision – er will den ultimativen Vampirfilm drehen hat dazu den perfekten Star und Schauspieler gefunden: Max Schreck (Willem Dafoe). Leider ist dieser tatsächlich ein Vampir und er spielt nur mit, weil Murnau … Weiterlesen

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F. W. Murnau (John Malkovich) hat die Vision – er will den ultimativen Vampirfilm drehen hat dazu den perfekten Star und Schauspieler gefunden: Max Schreck (Willem Dafoe). Leider ist dieser tatsächlich ein Vampir und er spielt nur mit, weil Murnau ihm versprochen hat, dass er am Ende des Drehs seine Hauptdarstellerin aussaugen darf.

Aber nicht alles läuft so rund, wie Murnau das gerne hätte, denn Schreck kann sich nicht immer zurückhalten und so wird der eine oder andere Hals schon mal in einer Drehpause gebissen und tja, da gibt es dann noch Produzenten, die sich langsam zu fragen beginnen, was all die seltsamen Sonderwünsche des Stars den sollen.

Method Acting hin oder her …

Es ist Jahre her, dass ich „Shadow Of The Vampire“ gesehen habe und ich konnte mich gut daran erinnern, dass ich ihn ziemlich genial und unterhaltsam fand. Vor allem ist in meinem Kopf geblieben, wie schräg die Prämisse war und wie gut Willem Dafoe hier mit Malkovich zusammen harmoniert. Also … harmoniert, naja, besser sich aufreibt (in der Rolle). Aber den beiden in der Interaktion zuzusehen: Das macht richtig Laune.

Worum geht es im Kern: Es gab nach der Veröffentlichung von „Nosferatu“ im Jahr 1922 Gerüchte, dass Max Schreck deshalb so furchtbar aussieht und den Seher:innen Albträume beschert hat, weil er wirklich ein echter Vampir war. Der Mann hat quasi eine ganze Generation im Alleingang (naja, unter Mithilfe vom Kameramann, Schnittmenschen und Regie) traumatisiert.

Steven Katz, der für „Shadow Of The Vampire“ das Drehbuch verfasst hat, nimmt diese Idee und bastelt daraus ein Drehbuch in welchem Murnau seiner kreativen Version folgt und dafür auch wirklich hohe Kosten (auch menschliche) in Kauf nimmt, denn – die Kunst ist immer wichtiger als alles andere.

Und es ist auch wirklich faszinierend, wie gut es funktioniert manche Szenen und sogar Bilder fast 1:1 aus dem Original nachzubilden und fiktiv zu zeigen, wie diese entstanden sind.

Dafoe als Schreck ist ein Traum – jede Bewegung mit den Händen, seine Mimik, jedes Wort ein Genuss. Wirklich ein Genuss. Dazu ein Malkovich der absolut in seiner Rolle aufgeht und den quasi fanatischen Regisseur im Alleingang zu einer Blaupause macht. Perfekt. Diese beiden sind perfekt und geschaffen füreinander – diese Rollen, gespielt von diesen beiden Herren – perfekt.

Aber das allein macht noch keinen tollen Filmen (auch wenn das schon mal ein sehr, sehr guter Start ist), aber hier stimmt auch sonst fast alles. Die Optik, die Kamera, der Schnitt, die Musik (die dir nicht sagt, wie du dich fühlen sollst) und das Ende ist wirklich cool und tatsächlich die emotionalste Auflösung von allen „Nosferatur“-Filmen bis dato.

Und auch der Cast „rund um die beiden Hauptfiguren herum“ spielt großartig auf. Ich meine: Udo Kier (großartig als Produzent), Cary Elwes (als Cinematograph, nachdem der erste … einen Unfall hatte, *räusper*) oder Catherin McCormack als weibliche Hauptrolle Greta Schröder. Alle sind mit Freude dabei und es macht einfach Freude ihnen zuzusehen.

Was halt schon hilft, ist, wenn man den 1922er Nosferatu gesehen hat. Oder, wie in meinem Fall, die Nosferatu-Version von 1922, 1991 und 2024.

„Shadow Of The Vampire“ bekommt von 8 von 10 möglichen, absolut sehenswerte und großartig gemachte, Punkte.

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Nosferatu (2024 Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2025/02/22/nosferatu-2024-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2025/02/22/nosferatu-2024-filmkritik/#respond Sat, 22 Feb 2025 05:00:40 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37406 Thomas Hutter (Nicholas Hoult) hat geheiratet und will seiner Frau Ellen (Lily-Rose Depp) etwas bieten, deshalb nimmt er den Job an in ein fernes Land zu reisen und einem alten exzentrischen Grafen namens Orlok (Bill Skarsgard) ein Haus zu verkaufen. … Weiterlesen

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Thomas Hutter (Nicholas Hoult) hat geheiratet und will seiner Frau Ellen (Lily-Rose Depp) etwas bieten, deshalb nimmt er den Job an in ein fernes Land zu reisen und einem alten exzentrischen Grafen namens Orlok (Bill Skarsgard) ein Haus zu verkaufen.

Ellen bleibt derweil in der Obhut von Thomas Freund Friedrich (Aaron Taylor-Johnson) und dessen Frau und zwei Kindern. Nun ist es so, dass Ellen als Teenager ihre Seele unbewusst an den Grafen „verkauft“ hat, denn er ist ein Vampir. Und jetzt ist es soweit: Er will seinen Preis kassieren.

Also hält er Thomas in seinem Schloss gefangen und macht sich auf den Weg nach Deutschland, um Ellen zu holen – und er bringt die Pest mit sich …

Es gibt Regisseure, die bekommen Lob und Huldigung, egal was für einen Film sie abliefern. Das kommt immer wieder vor und ist auch nicht per se falsch. Wenn man den Stil eines Regisseurs gut findet, dann mag man natürlich die meisten seiner (oder ihrer) Filme. Robert Eggers hat das geschafft. Er hat es mit „The VVitch„, „The Lighthouse“ und „The Northman“ geschafft. Er kann nichts falsch machen. Sozusagen.

Und ich fand „The VVitch“ wirklich unheimlich und richtig, richtig gut gemacht. „The Lighthouse“ habe ich seit Ewigkeiten Zuhause und noch nicht gesehen und „The Northman“ war … okay.

Und „Nosferatu“ ist … tragisch schlecht. Und ich weiß, dass ich mit dieser Meinung ziemlich allein dastehe, aber – Himmel, was ist denn das hier? Selten einen Film gesehen, der dermaßen seelenlos war, wie dieser hier. Und selten hab ich einen Film gesehen, bei dem ich mir dachte, dass es mal Zeit wäre, dass dem Regisseur jemand sagt, dass er zu Mastur*****n aufhören und einen Film machen soll, der eine Geschichte erzählt.

Ich habe mir den 1922 „Nosferatu“ angesehen. Und die Herzog/Kinski-Version Und „Shadow Of The Vampire“ (mehr dazu ein anderes mal). Und nochmals: Der erste „Nosferatu“ wurde 1922 gedreht. Und ist unterhaltsamer und spannender als dieser hier. Und die 1979-Version mit Kinski war wirklich, wirklich zäh und lang, aber … ein Meisterwerk verglichen mit dem hier.

Wie oft Charaktere – allen voran der von Lily-Rose Depp – knapp an der Kamera vorbei ins Leere gucken und hochdramatische (im Kern zu 100% substanzlose und leere) Monologe zu halten, welch schlimme Dinge sie nicht geträumt haben … ach, langweilig. Zäh. Und seelenlos. Stellt euch den Monolog vom Architekten in „The Matrix Reloaded“ vor – und der kommt alle 15 Minuten vor. Toll, oder? Mit dem Unterschied, dass im eben erwähnten Film zumindest Inhalt(!) im Monolog vorkommt. Anders als hier.

Zwei Highlights: Willem Dafoe war jederzeit ein Traum auf der Leinwand, was aber auch dazu führt, dass man merkt, wie sehr andere (Nicholas Hoult, Lily-Rose Depp) im Vergleich schwach sind. Das zweite war die Figur von Aaron Taylor-Johnsons Friedrich. Das war der einzige Charakter im gesamten Film, der für mich auch nur halbwegs wie ein Mensch rüberkam und den ich sympathisch und nachvollziehbar fand. Alle anderen waren … Schablonen, bei denen man wusste, was ihr Auftrag ist, aber gefühlt habe ich Null für die. Teilweise fand ich sie auch einfach nur anstrengend.

Die Optik und die Bildkomposition sind großartig. Im Standbild. Jedes Bild kann man – perfekt durchkomponiert – an die Wand hängen. Und das ist ein Problem. Der Film wirkt zu 100% künstlich. Sieht super aus – im Standbild. Es wirkt einfach unnatürlich. Dazu kommen zwei weitere Dinge, nämlich, dass es Kamerafahrten gibt, die weder visuell noch narrativ Sinn ergeben und einfach nur sagen „Schaut mal, was ich kann!“ und es seit langem wieder vorkam, dass es Schnitte in einem Film gibt, die mich tatsächlich richtig aus dem Film rausgerissen haben, weil sie völlig … falsch waren. Sie haben sich einfach falsch angefühlt.

Ein weiterer Schwachpunkt ist Graf Orlok selbst. Dessen Optik ist … lächerlich trifft es nicht im Ansatz. Dieses Mal mit Schnurrbart. Ich weiß, was sie vorhatten damit, das merkt man. Aber für mich hat es nicht funktioniert. Die Stimme von Skarsgard ist großartig, aber auch hier das Problem: Er redet so viel und so viel heiße Luft, die hochdramatisch klingen soll, aber null Inhalt hat. Zöh. Und langweilig. Ich meine – die Optik von Max Schreck ist heute noch gruselig und unheimlich (1922!). Das hier … das … sieht aus wie die Disney-Version von Rasputin, der es halt liebt im dunklen zu stehen (die Stimme, ja, die Stimme ist super. Aber zu oft eingesetzt).

Auch ist die Geschichte per se eine Liebesgeschichte: Orlok sehnt sich nach Ellen und alles was er tut – Thomas zu sich locken, nach Deutschland reisen, die Pest loslassen und Menschen töten – tut er, um Ellen für sich zu haben. Und das ist auch sein Ende – wie in allen anderen Versionen. Er saugt sie aus, übersieht, dass die Sonne aufgeht und stirbt. Punkt. Das ist so.

Jetzt ist es in der 1979er Version so, dass Lucy (die Ellen von 1979) sich absichtlich opfert und Dracula (der Orlok aus dieser Version) so lange an sich binden will, dass er durch die Sonne getötet wird – um Jonathan zu retten (der Thomas aus der 1979er Version). Und da habe ich gespürt, warum sie das macht. Da habe ich gefühlt, warum Dracula sie will. Da war Verlangen, da war Gier, da war ein Bedürfnis, dass gestillt werden musste (wenn auch in extremer Zeitlupe …). Sogar 1922 habe ich verstanden, was Orlok (ja, da hieß er gleich) an ihr findet.

Hier … frage ich mich, warum? Diese Frau hat nichts. Keine Ausstrahlung. Keine Überzeugung, die er brechen will (wie in der 1979er Version). Nichts. Gar nichts. Es gibt für mich null nachvollziehbaren Grund, warum er die Hölle auf Erden über diese Stadt hereinbrechen lässt (die ich auch nicht sehe, übrigens – anders als in beiden(!) anderen Versionen). Ich verstehe es einfach nicht. Da ist nichts. Sorry.

Die Reise von Thomas zum Schloss von Orlok – die war in er 1979er Version lang, ja. Aber ich hatte das Gefühl, dass alles was am Weg passiert Spannung aufbaut, mich darauf vorbereitet, dass da bald was Schlimmes kommt. Hier hatte ich das Gefühl, da will jemand coole Szenen zeigen und mit Kamerafahrten angeben. Die „Zigeuner“-Szene? Kann man hier knicken. Tatsächlich dauert der Film knappe zwei Stunden und fünfzehn Minuten. Wenn man hier eine Stunde rausschneidet, dann ist das vielleicht ein Film, der funktioniert und Spannung aufbaut. Die Szene beim Abendessen, in welcher man Orlok immer nur teilweise sieht und die – ach nein – Spannung aufbauen soll. Und das dauert und dauert und dauert. Und der Graf wirkt nicht gefährlich. Der wirkt einfach wie ein A******h.

Und ich höre es schon: Ich habe den Film nicht verstanden. Sicher. Klar. Geschenkt. Was genau war nochmals mein Problem? Das ich langsame Filme nicht aushalte? Oder Vampire nicht mag? Oder zu sehr mag? Oder Robert Eggers nicht mag? Oder Filmsprache nicht verstehe? Oder …? Was auch immer.

In diesem Fall stimmt es sogar. Ich verstehe ganz viele Entscheidungen, die für diesen Film getroffen wurden, nicht. Das fängt beim Drehbuch an, geht beim Design von Orlok weiter und endet bei Gimmick-Kamerafahrten und komischen Schnitten (und das die Timeline schräg ist, … da fang ich nicht mal an).

Übrigens haben wir wieder mal so eine Szene in der den – meiner Ansicht nach – sympathischen und eigentlich bemühtesten (sie sind die ganze Zeit für ihre Freunde da und bitten um NICHTS als Gegenleistung) Figuren das schlimmste Vorstellbare passiert. Und das sieht man dann natürlich auch. Alles andere wird mehr angedeutet. Ich hasse das. Aber ich würde es aushalten, wenn es die Story vorantreiben würde. Tut es aber nicht – wenn das Ellen überzeugen soll, sich Orlok hinzugeben … was hätte sie für einen Grund, das danach(!) noch zu tun? Genau. Keinen.

Zusammenfassend: Völlig seelenloses und absolut unnötiges, schlecht geschriebenes Remake eines Films, welches sich selbst (in Inszenierung, Musiknutzung und Drehbuch) viel zu wichtig nimmt und anstatt Spannung viel heiße Luft produziert.

Und für’s Protokoll: Nein, YouTube – ich brauche keine Videos, die mir das Ende und alle anderen „subtilen“ (so subtil wie ein Schlag ins Gesicht) Symbole und Metaphern erklären. Ich hab’s schon verstanden. Ich fand es trotzdem s*****e.

„Nosferatu 2024“ bekommt von mir 3,5 von 10 möglichen, die blutleerste Version dieser Geschichte bis dato seiende, Punkte. Wem eine schöne Optik wichtiger ist als alles andere, der oder die kann gut 3 oder 4 Punkte draufschlagen (ja, er ist wirklich optisch gelungen).

PS: Bevor ich mir diesen Film hier nochmals ansehe, gucke ich mir die 1922-Version nochmals an.

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Nosferatu (1922 Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2025/01/30/nosferatu-1922-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2025/01/30/nosferatu-1922-filmkritik/#respond Thu, 30 Jan 2025 05:00:44 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37294 Graf Orlok (Max Schreck) will ein Haus in London kaufen. Und Hutter (Gustav von Wangenheim) würde ihm ein altes, verfallenes Gebäude – gegenüber seines Hauses – andrehen. Womit Hutter nicht rechnet als er Orlok in dessen Schloss besucht ist, dass … Weiterlesen

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Graf Orlok (Max Schreck) will ein Haus in London kaufen. Und Hutter (Gustav von Wangenheim) würde ihm ein altes, verfallenes Gebäude – gegenüber seines Hauses – andrehen. Womit Hutter nicht rechnet als er Orlok in dessen Schloss besucht ist, dass dieser sehr großen Gefallen an seiner Frau Ellen (Greta Schröder) findet – und das Haus auch kauft.

Außerdem stellt sich heraus, dass Orlok ein Vampir ist und sich an Hutters Lebenssaft gütlich tut. Und dann macht er sich auf den Weg nach London. Mitsamt Sarg und allem drum und dran.

Und Hutter? Er muss irgendwie entkommen, um seine Frau zu retten …

Es dürfte wohl überall bekannt sein, dass F.W. Murnau eigentlich Bram Stokers Dracula verfilmen wollte, aber die Rechte nicht bekam. Also hat er einfach die Figuren umbenannt und das Ende abgewandelt und eine Figur gestrichen. So einfach ging das damals. Ja, es gab Klagen – gerichtlich meine ich – aber da war „Nosferatu“ bereits Kult geworden. Und es hat gedauert bis sich Francis Ford Coppola Bram Stokers Buch angenommen hat und eine Version der Geschichte gedreht hat, die besser ist als dieser Film hier, auch wenn das Rennen knapp ausgeht.

Ob ich das ernst meine, dass ein Film aus 1922 sogut sein kann als ein Film aus dem Jahr 1992? Nun … ich sage mal so: Ich bin mir sicher, dass man von „Nosferatu“ noch im Jahr 2052 sprechen wird. Ob man sich an „Bram Stokers Dracula“ erinnert weiß ich nicht. Das liegt jetzt natürlich nicht zwingend an der Qualität oder deren Mangel des Films, sondern im geschichtlichen Kontext.

Aber auch ohne das Drumherum – ich bin tatsächlich erstaunt, dass „Nosferatu“ aus 1922 auch bei einer Wiedersichtung (ich habe ihn vor Jahren mal in meiner „Klassiker der Filmgeschichte gucken“-Phase gesehen, da hab ich auch „M“ gesehen oder „Metropolis“) wirklich richtig gut ist. Die Machart ist halt technisch völlig anders als heutzutage.

Der Kameraausschnitt ist im Grunde ein Kreis in der Mitte des Bildes, was bedeutet, dass es eigentlich immer nur eine Sache gibt, die im Mittelpunkt steht. Es gibt keine „Details im Hintergrund“ oder optische Nebenschauplätze gibt – es gibt nur einen Fokus und der ist im Mittelpunkt und am besten beleuchtet. Das führt dazu, dass der Film richtig entspannt anzusehen ist und man nie gestresst ist. Es gibt außerdem keinen Dialog der gesprochen wird – es gibt Texteinblendungen (die teilweise ein wenig zu lange stehen bleiben), was dazu führt, dass jedwede Emotion in den Gesichtern der Personen abgelesen werden muss und das führt zu genialem Overacting und richtig cooler Mimik und Gestik.

Was mir auch aufgefallen ist, wie extrem großartig der Schnitt damals schon war – ich meine Dialoge, Reaction-Shots, Zwischenschnitte, Schuss und Gegenschuss … ich meine, wir reden hier vo 1922(!). Hammer.

Und natürlich – die ikonischen Bilder, die F. W. Murnau auf die Leinwand gezaubert hat. Wer Graf Orlok gesehen hat vergisst ihn nicht wieder. Wer den Schatten über die Treppe raufhuschen sieht (und ihr alle(!) wisst, welches Bild ich meine, oder?), dann sind das großartige Bilder. Oder wenn Orlok ihr Herz stiehlt – Schattenhände, die sich über den Brustkorb schieben, dann eine Faust ballen genau über dem Herz und Ellen, die schmwerzvoll zusammenzuckt. Das sind Bilder – die brauchen keine Erklärung. Die versteht man. Die sind universal. Hammer!

Also entgegen aller Erwartungen hält sich „Nosferatu 1922“ auch heute noch ziemlich gut – wenn man ein wenig neugierig auf Filmgeschichte ist und einen Stummfilm (rein von Orchestermusik begleitet) aushält. Ich kann nur wiederholen: Der Film ist zwar lang und langsam erzählt und es dauert mal ca. 2/3 des Films bis Orlok bei Ellen ist und das Ende geht dann … Sonne – Zack – Aus. Also wirklich rasch und eigentlich ziemlich spannungsarm. Aber er hat immer noch eine morbide Faszination und so viele ikonische Bilder auf einem Haufen in einem Film … das ist schon ein Hammer.

„Nosferatu 1922“ bekommt auch heute von mir noch 9 von 10 möglichen, Filmgeschichte langsame, aber perfekt eingefangene, Punkte.

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The Witcher – Season 3 (Serienkritik) http://darkagent.blogsit.net/2025/01/07/the-witcher-season-3-serienkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2025/01/07/the-witcher-season-3-serienkritik/#respond Tue, 07 Jan 2025 05:00:31 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37252 Ciri (Freya Allan) ist auf dem besten Weg eine Hexerin zu werden. Und immer mehr Fraktionen auf der ganzen Welt suchen nach ihr, um sie für ihre Sache zu nutzen – immer darauf beharrend, dass sie ja nur das Beste … Weiterlesen

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Ciri (Freya Allan) ist auf dem besten Weg eine Hexerin zu werden. Und immer mehr Fraktionen auf der ganzen Welt suchen nach ihr, um sie für ihre Sache zu nutzen – immer darauf beharrend, dass sie ja nur das Beste für sie wollen.

Natürlich sehen Geralt (Henry Cavill) und Yennefer (Anya Chalotra) das anders. Aber es kommt wie es kommen muss und natürlich werden sie immer tiefer in die Sache hineingezogen, denn Ciri zu beschützen scheint auch zu bedeuten, sich mehr in Politik einzumischen, als Geralt lieb ist.

Und dann gibt es eine Ballnacht in welcher fast alle Fraktionen beisammen sind und jeder und jede scheint einen Plan und/oder eine Agenda zu haben. Mittendrin scheint noch alles glatt zu gehen, aber dann eskalieren die Dinge und ein Blutbad steht bevor …

Das ist sie also, die letzte Staffel von „The Witcher“ mit Henry Cavill als Geralt. In der vierten (und angeblich letzten) Staffel übernimmt ja Liam Hensworth die Rolle. Mal sehen, aber die Vorzeichen stehen jetzt nicht besonders gut. Diese Staffel (die dritte) wurde ja zerrissen von ganz vielen Leuten – allen voran natürlich, wie mittlerweile üblich den „wahren“ Fans.

Eine Kritik, die ich immer wieder gelesen habe, war, dass man sich irrsinnig weit von den Büchern entfernt und man viel zu wenig Zeit mit Geralt verbringt. Außerdem werde die ganze Sache viel zu politisch und man würde sich zu viel auf diese Verstrickungen konzentrieren. Nun, was soll ich sagen?

Haben diese Leute eigentlich die Bücher gelesen?

Ich denke nicht, denn in der so genannten „Geralt-Saga“ dreht sich meiner Ansicht nach auch in den Büchern erstaunlich viel nicht(!) um Geralt. Tatsächlich ist es die Geschichte von Ciri. Ganz, ganz viel davon dreht sich um Ciri. Da liegt Geralt quasi im Sterben im Broklion und wir haben ganz viel Ciri-Geschichte. Und auch davor dreht sich extrem viel um die politischen Verflechtungen – um die Zauberer, um Nilfgard, Redanien und und und. Das ist so in den Büchern.

Und jetzt habe ich Staffel 3 zur Gänze gesehen, die ja angeblich so weit weg von den Büchern ist und das sei ja auch der Grund warum der heilige Henry Cavill die Show verlassen hat. Er ist ja sozusagen der Hüter der „Lore“ der Bücher.

Nun, irgendwas davon kann nicht stimmen, denn … und ich bin selbst überrascht … die Serie hält sich an alle wichtigen Eckpunkte der Bücher. Die politischen Verflechtungen, die Tatsache, dass es die Story von Ciri ist und das Geralt (Vorsicht Spoiler!) halbtot im Broklion landet. Alles aus den Büchern. Sogar das doofe Einhorn ist aus den Büchern. Und ihr „wahren Fans“, die ihr ja alles wisst: Dann wisst ihr auch dass es noch viel irrer wird: Ciri kann in den Dimensionen und der Zeit reisen, trifft Sir Galahad (einen Ritter der Tafelrunde) und die Einhörner werden auch nochmals wichtig. Ja – das steht alles in den Büchern. Heult doch, wenn ihr meint, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Und ja, auch in den Büchern wird Geralt von Buch zu Buch immer mehr zum Nebencharakter. Ein großartiger, fantastischer und extrem wichtiger Nebencharakter – trotzdem ein Nebencharakter.

Also alles das, was man der Show jetzt vorwirft. Mhm. Tolle „wahre Fans“ seid ihr.

Ich bin kein „wahrer Fan“, ich fand die Bücher nur ziemlich gut und die Spiele ebenfalls. Auch die Comic-Reihe finde ich super. Und ja – wenn man von den ersten drei Folgen der dritten Staffel mal absieht (ich habe während Folge 3 aufgehört zu gucken …und erst nach Monaten zwecks Vollständigkeit weiter geguckt), dann ist die Staffel tatsächlich richtig cool geworden. Ich meine, die Schlacht der Zauberer gegen die Elfen, die Schwertkämpfe, die Fraktionen, die da aneinandergeraten und der Zweikampf von Geralt mit … (nein, das wäre ein Spoiler), denn er (ebenfalls Spoiler) – alles richtig cool gemacht und war richtig cool anzusehen.

Tatsächlich macht auch die letzte Folge nochmals richtig Lust darauf, zu sehen wie es weitergeht. Ich bin fast ein wenig sprachlos, weil ich finde, dass die dritte Staffel (nochmals: wenn man den Anfang ignoriert bzw. durchsteht) die beste der Drei ist. Denn ab der Hälfte gibt es ein richtig gutes Momentum welches bis zum Ende auf hohem Niveau bleibt. Abgesehen von den Teilen in den Wüste mit dem Einhorn. Das bremst alles aus und hätte sicher auf ein Drittel der Zeit gekürzt werden können. Aber ehrlich: Ich hab mir auch bei den Büchern hin und wieder gedacht: Das wäre kürzer gegangen. Aber hey – es gehört dazu. Und ja, auch viele Details und Kleinigkeiten mögen anders sein als in den Büchern – aber das ist halt so bei Serien. Und gerade bei „The Witcher“ … wenn man da alles wie in den Büchern machen würde, dann hätte man ganze Staffeln in denen Geralt nicht mal vorkommt … also ich finde, die Eckpunkte sind bis jetzt ganz gut getroffen (außer der „Wild Hunt“. Die sind … naja …).

Und ganz offen: Ich finde Freya Allan als Ciri genauso perfekt gecastet wie Henry Cavill und in Staffel 3 ist sie richtig gut. Ja, es gibt ein paar Mankos bei den Effekten und manche Teile hätte man sicher besser schreiben und inszenieren können (Kampf am Boot), aber alles in allem: Coole Sache.

Wer mir mittlerweile allerdings gewaltig auf den Senkel geht ist Yennefer. Die ist einfach schlecht geschrieben und stinkt gegen die Yennefer in den Büchern (und den Spielen) mächtig ab. Das liegt aber auch daran, dass Anya Chalotra schlichtweg eine fehlt, was Yennefer in Massen haben sollte: Charisma. Das hat in den vorigen Staffeln noch halbwegs gepasst, weil ihre Rolle zwar auch wichtig, aber doch jene der Außenseiterin war – aber spätestens jetzt, wo sie eine Führungsrolle einnehmen sollte und wo andere auf sie hören sollten/müssten, nun, da merkt man, dass das einfach fehlt.

Dafür hat mir Triss (Anna Schaffer) dieses Mal viel besser gefallen. Änder nichts daran, dass Yennefer so eine wichtige Figur ist, die hier – nicht nur neben Cavill, sondern auch neben Allan und so ziemlich allen anderen) einfach verliert.

Wie dem auch sei: Ich fand dann trotz aller anfänglichen Bedenken und trotz des schwierigen Einstiegs die dritte Staffel richtig stark und ich war unerwarteterweise auch emotional wirklich investiert. Hat mich überrascht. Hat mir gefallen.

„The Witcher – Staffel 3“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, durch den schwachen Anfang leider ein wenig nach unten gezogene, dann aber durchstartende, Punkte.

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Loudermilk – Staffel 1 (Serienkritik) http://darkagent.blogsit.net/2024/12/26/loudermilk-staffel-1-serienkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2024/12/26/loudermilk-staffel-1-serienkritik/#respond Thu, 26 Dec 2024 05:00:19 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37181 Loudermilk (Ron Livingston) leitet eine Selbsthilfegruppe von Suchtkranken. Er selbst war einst alkoholabhängig, ist aber schon seit Jahren trocken. Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt und alle sind willkommen. Allerdings wird die Sache ein wenig komplizierter, als eine junge Frau namens … Weiterlesen

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Loudermilk (Ron Livingston) leitet eine Selbsthilfegruppe von Suchtkranken. Er selbst war einst alkoholabhängig, ist aber schon seit Jahren trocken. Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt und alle sind willkommen. Allerdings wird die Sache ein wenig komplizierter, als eine junge Frau namens Claire (Anja Savcic) zur Gruppe stößt – und das auch nicht ganz freiwillig. Nach vielem hin und her kommt es sogar so weit, dass sie bei Loudermilk einzieht. Und das obwohl dieser bereits einen Mitbewohner hat: Sein Menter Ben (Will Sasso), der übergewichtige und wenig ambitionierte Typ, hat ein Auge darauf, dass Loudermilk nicht rückfällig wird. Scheinbar zumindest.

Alles wird noch komplizierter als eine neue Nachbarin ein paar Türen weiter unten einzieht und die Loudermilk sehr gut gefällt. Allerdings ist seine Art und Weise mit Menschen umzugehen mit „unbeholfen“ noch sehr nett umschrieben. Man könnte auch sagen er ist ein A******h das es gut meint.

Die Komplikationen in der Selbsthilfegruppe werden auch nicht weniger und immer wieder wird es knapp, dass der Pfarrer (Eric Keenleyside) sie nicht aus seinen Räumlichkeiten wirft, weil er doch ein Mindestmaß an Anstand, sprachlicher Rücksichtnahmen und … nun, Verlässlichkeit erwartet.

„Loudermilk“ ist tatsächlich eine Serie, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und durch die ich durch Zufall gestoßen bin. Die Serie bringt es auf drei Staffeln und lief von 2027 bis 2020. Ich wundere mich, dass ich noch nie davon gehört hatte, denn ich habe – wirklich durch Zufall – mal reingeschaut und bin dann gleich hängen geblieben.

Das liegt an mehreren Faktoren – einer davon natürlich völlig klar der Charakter von Loudermilk, der ja tatsächlich im Regelfall gute Absichten hat und es wirklich gut meint, aber … er kann halt nicht anders als immerzu in Sarkasmus und blöde Bemerkungen zu kippen, was ihn durchaus in die eine oder andere unangenehme Situation bringt. Auch wenn er – das muss man so sagen – ganz oft Recht hat damit.

Was aber dann auch dazu geführt hat, dass ich dran geblieben bin: Die Charaktere rund um ihn herum. Da ist zum einen sein Mitbewohner Ben, der ja schon sehr eigenwillig ist und – wie sich bis zum Serienende herausstellt – durchaus mehrere Geheimnisse hat, die er Loudermilk nicht mitteilt. Dann zum anderen Claire, die ein Kapitel für sich ist, sich aber noch als wichtiger Teil von Loudermilks Leben herausstellen wird und – nicht zu vergessen: Die Charaktere in der Selbsthilfegruppe.

Da sind schon eine Menge halbwegs kaputter Gestalten drin und anfangs dachte ich, dass die allesamt nur Stichwortgeber sind und für den Comic-Relief eingebaut wurden, so wurde ich eines Besseren belehrt. Die sind allesamt durchdachte Figuren und haben ihre eigenen Agenden und Lebenspläne und manche davon werden durchaus zentral genutzt für und eine Episode lang in den Mittelpunkt gerückt.

Bobby Mort, der die Serie erfunden hat, hatte wohl Glück: Er hat mit Peter Farrelly, der an sich ja kein Unbekannter sein sollte und durchaus auch bekannt ist für seine schrägen Filme und Drehbücher, einen Partner gefunden, der die Serie produziert hat und – ich nehme mal an – auch ein paar Ideen beisteuerte. Wer den Namen nicht kennt – die Farrelly Brüder Peter und Bobby waren in den 1990iger Jahren und Anfang der 2000er ziemlich bekannt für ihre Filme, wie „Verrückt nach Mary“ (hat Cameron Diaz zu Ruhm verholfen) oder auch Jim Carrey („Ich, beide & Sie“). Zuletzt hat Farrelly Peter mit „Green Book“ sogar einen Oscar-Film produziert.

Ich weiß nicht, wie viel davon man jetzt auf „Loudermilk“ übertragen kann, aber die Serie ist erdig, voller Menschen und Figuren, die vielleicht ein wenig überlebensgroß gezeichnet sind, aber alles ist stimmig, nett und trotzdem immer ein wenig schräger als man es im Alltag hat. So gern ich zB Loudermilk am TV zusehe – ich glaube nicht, dass ich ihn in meinem Umfeld haben möchte.

In Anbetracht dessen, was bereits in Staffel 1 alles passiert bin ich tatsächlich gespannt, was in Staffel 2 noch alles vorkommen kann, denn die Latte ist hoch gelegt. Der Witz, die Absurdität und ja, auch das Drama, werden hier groß geschrieben, aber irgendwie schaffen es alle, dass es trotzdem nicht kitschig wirkt.

Sicher nicht die beste aller Serien, aber in Anbetracht von all der Hochglanz- und Actionmaterie, die hier in diesen Tagen herumgeistert einfach mal wieder ein Highlight eine Serie zu sehen, die sich um Menschen mit all ihren Fehlern dreht, das Ganze mit Humor nimmt, sich aber dennoch nicht über die Figuren lustig macht.

Find ich gut. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

„Loudermilk – Staffel 1“ bekommt von mir 8 von 10 mögliche, die Zeit wie im Flug vergehen lassende, Punkte.

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Dragon Age: The Veilguard (Game-Review) http://darkagent.blogsit.net/2024/12/21/dragon-age-the-veilguard-game-review/ http://darkagent.blogsit.net/2024/12/21/dragon-age-the-veilguard-game-review/#respond Sat, 21 Dec 2024 05:00:51 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37184 Varric hat ein Problem: Sein alter Kampfgefährte Solas hat sich als der legendäre, alte Elfengott „Dreadwolf“ offenbart. Und dieser hat vor den „Schleier“ zu zerstören, der diese Welt von der Welt der Magie trennt. Das Ritual ist in vollem Gange … Weiterlesen

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Varric hat ein Problem: Sein alter Kampfgefährte Solas hat sich als der legendäre, alte Elfengott „Dreadwolf“ offenbart. Und dieser hat vor den „Schleier“ zu zerstören, der diese Welt von der Welt der Magie trennt. Das Ritual ist in vollem Gange und bereits jetzt fallen Dämonen über Minrathous, die Hauptstadt von Tevinter, her.

Aber gemeinsam mit euch, Lance Harding und der Detektivin Neve kann Solas aufgehalten und das Ritual gestört werden. Varric wird schwer verwundet und eure Einmischung hat eine ungeplante Konsequenz: Zwei der alten Elfengötter können durch den Schleier entkommen und in diese Welt eintauchen. Außerdem wird Solas an ihrer statt in das Gefängnis hinter dem „Schleier“ gezogen und ist zur Untätigkeit verdammt.

Da ihr seiner Ansicht nach die Schuld für diese … unangenehme Situation … habt, beauftragt er euch damit, diese beiden Götter aufzuhalten und trotz eurer Einmischung wird er euch anleiten und helfen: Denn es war nie seine Absicht die Welt zu zerstören – er wollte die beiden Welten, die er einst getrennt hat, nur wieder zusammenführen. Was natürlich auch gewisse Nebeneffekte wie viele Todesfälle und Chaos nach sich gezogen hätte – aber nicht die Vernichtung der Welt, denn das will selbst Solas nicht.

Also dürft ihr euch in seinem alten Zuhause, dem Leuchtturm, eine Zentrale einrichten, euch Zugang zu den Eluvians verschaffen (magische Spiegel mit denen man von Ort zu Ort reisen kann) und ein Team zusammenstellen, welches vielleicht – allerdings nur vielleicht, unter den richtigen Voraussetzungen – eine Chance hat die beiden Götter aufzuhalten.

Denn diese können den „Blight“ befehligen und formen, wollen die Welt ihrem Willen unterwerfen und schrecken nicht davor jene zu instrumentalisieren, die leicht zu beeinflussen sind und jene zu vernichten, die sich ihnen in den Weg stellen wollen. Noch ist Zeit, denn um ihre vollständige Macht zu erlangen ist noch einiges zu tun, aber die Uhr tickt.

Und es ist an euch sich gegen die Götter aufzulehnen …

Ach, es ist peinlich. Wirklich peinlich. Wenn ich jetzt schreibe, dass mir „The Veilguard“ gefällt, dann kann ich an dieser Stelle zum Schreiben aufhören, weil ja eh alle wissen, dass ich ein „woke“ „Shill“ bin und mich Bioware gekauft hat, denn diesen „woken Mist“ kann ein Normalsterblicher ja gar nicht gut finden. Also per se schon mal nicht. Immerhin wird man hier ja mit Wokeness, Transgender und überhaupt Gender-Politics erschlagen. Nämlich von Minute Eins an. Tja. So ist das nämlich.

Schreiben zumindest Leute, die meiner Ansicht nach nicht mal über den Charaktereditor rausgekommen sind. Denn das ist alles kompletter Müll. Wen die Option stört, dass man sich im Charaktereditor „Operationsnarben“, wie sie bei der Entfernung der Brüste enstehen, geben kann, bitte – dann lasst die Option (so wie ich) halt links liegen. Mir ist das nicht mal aufgefallen, bis mich jemand konkret darauf angesprochen hat. Für mich waren das Narben, die man seinem/ihrem Charakter geben kann wie Dutzende andere auch. Und was „woke“ ab Minute Eins betrifft: Bei mir kam das Thema von einem Teammitglied und da hatte ich bereits knappe 25 Stunden auf der Uhr. Und auch dann hielt es sich angenehm in Grenzen und passte meiner Ansicht nach absolut zum Charakter der Figur, die das zum Thema gemacht hat.

Aber nun zur eigentlichen Frage, die auch immer wieder gestellt wird: Ist das überhaupt noch „Dragon Age“?

Nun, die Antwort auf diese Frage ist ein klares, hartes, und absolut berechtigtes: Jein. Haha, ihr dachtet doch wohl nicht, dass ich euch einfache Antworten liefere, oder? Was? Doch? Das dachtet ihr? Na gut, dann will ich mal nicht so sein und euch helfen: Wenn „Dragon Age“ für euch ein korruptes, kaputtes, düsteres, dreckiges, blutspritzendes Sammelsurium an verfeindeten Völker, vollgestopft mit Rassismus und Dämonen ist, dann … nun, nein. Dann ist das hier kein „Dragon Age“. Absolut nicht.

Wenn „Dragon Age“ für euch ein rundenbasiertes Rollenspiel ist in welchem ihr harte Entscheidungen treffen könnt und so eure Spielfigur zu einem Engel oder einen Bösewicht mutieren lassen könnt, nun, dann ist das hier auch kein „Dragon Age“ (ich frage mich dann allerdings, wie ihr auf die Idee kommt, dass man in „Dragon Age“ jemals auch nur ansatzweise so etwas wie eine „böse Figur“ spielen konnte?). Erwartet ihr euch Partymanagement, die Anspannung jedes Wort auf die Waagschale legen zu müssen, weil euch sonst euer Team davonläuft oder eine:r aus der Truppe ungewollt den Löffel abgibt? Nein, auch dann ist „The Veilguard“ kein „Dragon Age“.

Was, werdet ihr euch fragen, bleibt denn dann noch übrig?

Für mich war „Dragon Age“ immer vor allem eine starke Geschichte in einer Welt, die ich faszinierend fand, umgeben von Figuren, die ihre eigenen Interessen hatten und die mich aus irgendeinem Grund zu ihrem Anführer erkoren haben. Und dann ging es darum die Welt (oder eine Stadt) vor irgendeinem alten Übel zu retten. Das Ganze am besten noch cool inszeniert und mit ein paar Entscheidungen am Weg, die auch durchaus Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte hatten. Wenn das „Dragon Age“ für euch ist, dann ist das hier immer noch „Dragon Age“.

Und die Story, die hier erzählt wird, ist eine Geschichte, die wirklich tief in die „Lore“ dieser Welt eintaucht und dort auch stellenweise richtig umrührt. Wir erfahren, warum es rotes und blaues Lyrium gibt, warum Zwerge nicht träumen können (und wer dafür verantwortlich ist), wie der „Schleier“ entstanden ist, was der „Blight“ eigentlich ist und noch vieles mehr. Auch, wie die Elfen standen sind und wer die „alten Götter“ eigentlich sind. Hier passiert so einiges und die Story hat mir wirklich gut gefallen – und das Ende bzw. der dritte Akt, wenn es dann richtig ab ins Finale geht – ja, das war wieder so richtige Bioware-Magie.

Ist also alles eitel Wonne in Thedas? Mitnichten. Denn es gibt durchaus ein paar Dinge, die „The Veilguard“ wenn schon nicht in den Sand setzt, dann zumindest halbherzig umsetzt. Tatsächlich denke ich, dass ein paar weitere Monate Politur dem Spiel ganz gut getan hätten. Und meine Kritik richtet sich in erster Linie ans Drehbuch bzw. an die Art, wie manche Dinge inszeniert sind.

Ein Beispiel: Um Lucanis zu rekrutieren müssen wir ihn erst aus einem Gefängnis befreien – dieses befindet sich unter Wasser (weil: Gründe) und als wir dorthin reisen, kommt es zu einer Cutscene, die uns auf einem Boot zeigt, dann beginnt eine Elfenmagierin einen Zauberspruch, im Wasser entsteht ein Wirbel und – wir stehen im Gefängnis. Punktum. Ja, die Zwischensequenz erfüllt ihren Zweck, aber irgendwie war da ein kurzes „Was?“, welches in meinem Kopf aufgetaucht ist. Von der Inszenierung wäre es weit stimmiger gewesen, wenn man noch mehr von diesem Übergang gesehen hätte. Ein Kippen in den Strudel, ein Portal, welches uns reinzieht und ausspuckt, irgendwas, was diese Lücke des Wegs von A nach B füllt.

Und solche Momente gibt es leider häufig im Spiel. Ist es notwendig das zu zeigen, damit ich als Spieler weiß, was passiert ist? Nein, sicher nicht. Aber hätte es für einen gewaltigen Atmosphäre-Bonus gesorgt: Mit Sicherheit. Wie gesagt: So ging es mir öfter im Spiel. Und ich weiß auch, dass es anders geht, weil es ja auch durchaus solche Momente gibt, die gut gemacht sind, wo man sich als Entwickler die Zeit genommen hat, genau solche Übergänge geschmeidig zu gestalten.

Oder auch manche Story-Entwicklungen – vor allem in den Geschichten des Teams. Da gibt es ein paar richtig gute, coole Momente, die man eigentlich auskosten möchte und die werden viel zu rasch abgehandelt. Entwicklung A. Erkenntis B. Schulterklopfen. Schnitt, weiter im Text. Da hat sich in der Anbahnung in mir eine Emotion aufgebaut, die eigentlich rausbrechen möchte (Freude, Schock, Frust) und dann wird mir das nicht gegönnt, weil es sofort – teilweise nach einer Sekunde – woanders weitergeht. Schade. Auch hier wäre es besser gewesen, man hätte sich mehr Zeit gelassen.

Das bedeutet nicht, dass die Geschichten der Teammitglieder schlecht sind – oh, nein. Sie hätten nur auf emotionaler Ebene meines Erachtens teilweise einfach mehr Raum verdient. Ich vermute mal, dass die Hauptstory fertig war mit allem Drum und Dran und man dann danach die Team-Geschichten eingebaut hat, denn anhand der Hauptstory merkt man, dass Bioware es immer noch kann. Da funktioniert das alles, da passt das, da gibt es Raum für diese Dinge. Und speziell bei ein paar der Story-Missionen merkt man was für Herzblut in dem Spiel steckt. Das sind Momente, da hatte ich eine Gänsehaut nach der nächsten. Da habe ich um Mitstreiter:innen gebangt und gehofft, dass Bioware bestimmte Personen nicht aus Story-Gründen über den Jordan schickt, da war es – das Mitfiebern und das Hoffen und das Bangen. All die Emotion und – Hölle, war das gut. Es gibt da eine Sequenz nach der ich kurz mal auf Pause schalten und dem Kollegen Spideragent eine Nachricht schicken musste mit dem Inhalt „Hölle – wenn das nicht rockt, dann weiß ich auch nicht“. Ja, so gut ist „The Veilguard“ in seinen besten Momenten.

Leider gibt es halt dazwischen auch andere Momente, die nie per se schlecht sind (Dialoge und Kitsch muss man halt aushalten können, aber das gilt für alle Spiele), aber leider streckenweise – wie eh schon erwähnt – entweder unter Zeitdruck oder aus anderen Gründen nicht optimal umgesetzt wurden.

Für die Begleiter kann ich übrigens eine Lanze brechen: Ich war skeptisch, weil mir die alle wie klischeetriefende, nette, aber im Kern uninteressante, Stereotypen vorgekommen sind. Und am Anfang sind sie das auch. Je länger man Zeit mit ihnen verbringt, desto mehr öffnen sie sich und desto mehr mochte ich sie. Neu ist, dass man egal welche Figur, Geschlecht oder Rasse man wählt, man mit allen anbandeln kann. Ich sag es gleich: Gefällt mir nicht. Ich hätte gerne mehr Ecken und Kanten gehabt und das alle auf „eh alles“ stehen scheint mir einfach unpassend. Ich habe mehrfach wo gelesen, dass Bioware den Spieler:innen mehr als je zuvor das Gefühl geben möchte, dass sich „alles um sie dreht“, aber für mich ist man da über das Ziel hinausgeschossen. Das gilt auch für ein paar Momente in den Begleiter-Missionen, in denen ich mir dachte: „Warum fragst du MICH das?“, aber in Summe war es okay.

Diese Eingängigkeit merkt man auch an vielen anderen Details. Bei der Karte und dem Schnellreisesystem angefangen (ihr könnt jederzeit von überall zu den Schnellreisepunkten springen, auch zu jenen in anderen Karten) über das Kampfsystem (actionreich, erinnert stark an das Kampfsystem von „Marvel’s Guardians Of The Galaxy„) bis hin zu den Verhaltensweisen von anderen Fraktionen. Und derer trefft ihr viele: Die Krähen von Antiva, die Schleierspringer, die Grauen Wächter und noch ein paar weitere – alle freuen sich euch zu treffen, alle haben bereits von dem Problem mit den zwei Göttern gehört und alle hoffen auf eure Unterstützung. Klar – nur … im besten Fall haben wir ein Team von 7 Leuten um uns. Wir haben keine Armee in der Hinterhand wie in „Inquisition“ oder so. Mir ist schon klar, dass wir hier ein Team von Spezialisten um uns sammeln, die alle unter ihren Leuten einen gewissen Ruf haben – und wenn der Beste der Besten aus „unseren Reihen“ auf Rook hört, dann muss der/die ja wohl was draufhaben. Könnte man sich zumindest so schönreden.

Jedenfalls bleibt viel Konfliktpotential auf der Strecke und auch einstige zwielichtige Fraktionen wie die Krähen von Antiva werden hier … sehr nett dargestellt. Auch hier gibt es grundsätzlich einen Grund – Treviso ist überrannt und wird von tyrannisiert, die Krähen sind also jetzt Widerstandskämpfer … aber das ändert nichts an ihren „interessanten“ Rekrutierungsmethoden, die ja Zevran im ersten „Dragon Age“ durchaus gut zu beschreiben weiß. Hier sind alle irgendwie „gut“. Die Bösen sind böse. Die Guten sind gut. Graubereiche? Wer braucht die denn?

Hier verschenkt man meiner Ansicht nach auch einiges an Potential. Das gilt auch für die Begleiter – so sehr ich letztlich alle mochte, so wenig Konflikte gibt es. Ja, es gibt Diskussionen und ja, sie reagieren aufeinander und ja, man kann sogar andere anstänkern, aber im Kern mögen sich letzten Endes alle. Das fand ich anfangs ein wenig seltsam, bis irgendwann der Groschen in meinem Kopf gefallen ist – das sind alles nicht nur Profis und die „besten der Besten“, es sind vor allem alle Außenseiter. Jede einzelne Figur, die ihr um euch scharrt ist ein Außenseiter, selbst in den eigenen Reihen. Emmerich, Lucanis, Taash, Neve, Bellara, Davrin und Lance … sie alle sind selbst in ihrer eigenen Fraktion aus diversen Gründen Außenseiter und – das wusste schon Stephen King – das verbindet. Denn hier werden alle akzeptiert. Anfangs aus einer Notwendigkeit, später aus echter Sympathie.

Und wenn dann im Finale eine:r eurer Gefährt:innen stirbt, dann tut das wirklich weh. So nobel das Opfer sein mag, es tut weh. Und Nein, in meinem Durchgang haben nicht alle überlebt. Aber das ist eine andere Geschichte, nur soviel: Das Finale zieht viele Ideen aus „Mass Effect 2“ und „Mass Effect 3„. Einerseits bei der Auswahl, wer welchen Job übernimmt und andererseits bei der Zusammenführung eurer Truppen – mit dem Unterschied, dass es hier eine extrem epische Montage gibt, die mir wirklich zeigt, wen ich aller überzeugen konnte an meiner Seite zu stehen. Gänsehaut-Momente: Ein paar davon.

Was den Aufbau des Spiels betrifft: Es gibt mehrere größere Karten, in allen sind im Regelfall Geheimnisse und Loot zu finden und es gibt auch Nebenmissionen, außerdem gibt es einen zentralen Hub (den Leuchtturm) und mehrere Gebiete in die ihr storybedingt nur einmal reist und dann nicht mehr hinkönnt. Das macht die ganze Sache im Grunde sehr kompakt und es spielt sich alles recht flott, zumal Rook auch springen und über Hindernisse klettern kann, was ziemlich gut von der Hand geht. Die Dialoge, welche die Figuren, die euch begleiten (es können immer nur zwei sein) führen sind auch großteils unterhaltsam und sie passen sich auch je nach Freunschaftsverhältnis der beiden Begleiter:innen den Umständen an.

Um kurz zum Kampfsystem zurückzukommen: Das spielt sich an ein wenig Eingewöhnung recht gut und einfach, die Befehle an die Kolleg:innen sind leicht ausgegeben und an das actionorientierte herumrollen, ausweichen und blockieren gewöhnt man sich ziemlich rasch. Einziges Manko: Die Gegnerauswahl ist relativ überschaubar und eigentlich bleibt alles bis zum Ende hin gleich. Hin und wieder gibt es Bossgegner, deren auftauchen cool inszeniert ist, die jedoch meist die gleichen Angriffsmuster haben. Man nehme nur die Drachen: Die haben alle quasi den selben Ablauf. Da wäre weit mehr drin gewesen. Auch hier meine Vermutung: Zu wenig Zeit, zu wenig Budget, in letzter Sekunde eingfügt. Schade. Potential verschenkt.

Generell denke ich bei „The Veilguard“ ganz oft: Potential verschenkt.

Alles was da ist funktioniert, ist gut gemacht und visuell umwerfend – da haben sich die Grafiker:innen vor allem bei den Umgebungen so richtig ausgetobt. Aber „das gewisse Etwas“ fehlt dann oft. Das schmerzt umso mehr, weil es doch einige Momente gibt, die das „gewisse Etwas“ haben und deshalb fällt einem umso mehr auf wenn es dann fehlt.

Ein paar Worte noch zu den „Entscheidungen, die sich nicht auswirken“: Kann ich nicht nachvollziehen. Auch, dass die Begleiter:innen alles verzeihen sehe ich nicht so. Das mag vor allem an einer großen Entscheidung liegen, die man relativ am Anfang trifft, aber für mich hat das bedeutet, dass eine Person die Gruppe verlassen hat, um sich um „wichtigere Dinge“ zu kümmern und nach ihrer Rückkehr ziemlich sauer auf mich war. Hat eine Weile gedauert, bis ich das Vertrauen dieser Person wieder zurückgewonnen hatte. Ich wurde sogar beim erfolgreichen Ende einer Mission, die ich dieser Person zuliebe gemacht habe, ziemlich schroff darauf hingewiesen, dass ich zwar dieses Mal geholfen hätte, man aber nicht vergessen hätte, dass ich/Rook jederzeit wieder „den Schwanz einziehen“ könne, wenn es um etwas ginge.

Und meine Entscheidung hatte für eine gewisse Stadt verheerende Konsequenzen.

Was stimmt: Rook kann nicht „böse“ sein. Wer also die Option böse haben will – bitte spielt „Baldur’s Gate III„. Das hier ist nicht euer Spiel und „Dragon Age“ war noch nie eine Reihe in der man „böse“ sein konnte. Hier läuft immer alles (wie in „Mass Effect„) hinaus, dass ihr es im Grunde ja gut meint. Ist mir nicht negativ aufgefallen, macht es aber halt auch schwer „Rook“ als eigene Persönlichkeit zu sehen, weil er/sie/es sich halt wenig vom Inquisitor oder Hawke unterscheidet. Heißt zwar neu, ist aber irgendwie noch die alte Person. Was mir widerum gut gefallen hat: Rook fängt nicht bei Null an. Wenn wir ihn/sie/es treffen, dann ist da bereits ein Grundgerüst als erfahrene:r Kämpfer:in oder Magier:in oder Schurk:in. Fand ich gut. War von der Story her auch notwendig.

Alles in allem: „Dragon Age: The Veilguard“ ist ein Schritt in die richtige Richtung für Bioware. Von einer Meisterleistung sind wir noch immer weit entfernt, aber – die Story wurde meines Erachtens gut fortgeführt, die Figuren haben mir gut gefallen, die Lore-Veränderungen haben es in sich und auch der bunte Grafikstil funktioniert dann irgendwann auf einmal. Schade finde ich es immer noch, dass man vom dreckigen, bodenständigen Dark Fantasy wieder ein Stück weit mehr weggerückt ist, aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass „The Veilguard“ mir keinen Spaß gemacht hat. Im Gegenteil: Die Rückkehr nach Thedas ist geglückt und ich bin happy.

Für den nächsten Teil gibt es aber auf jeden Fall trotzdem noch Luft nach oben.

„Dragon Age: The Veilguard“ bekommtm von mir 7,5 von 10 möglichen, unterhaltsam die Welt rettende, Punkte.

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Matt Walsh hat eine Frage: Was ist eine Frau? Was definiert eine Frau? Oder noch besser: Wie definiert man eine Frau? Und nachdem er als Mann ja keine Ahnung hat, beschließt er, herumzufragen. In Frauenaufmärschen, Wissenschaftler:innen, Politiker:innen, in vielen Interviews und irgendwie scheint niemand eine gute Antwort zu haben …

Ich kenne Matt Walsh nicht. Nie von ihm gehört, aber der Titel dieser „Dokumentation“ hat mich neugierig gemacht, weil das eine Frage ist, die ich mir in meinem Alltag auch immer wieder mal gestellt habe. Gerade in Zeiten wie diesen in denen es eine Anzahl an Geschlechtern gibt oder zu geben scheint, die ich nicht mal im Ansatz nachvollziehen geschweige denn aufzählen kann, dachte ich mir: „Hm. Gute Frage. Guck ich mir mal an.“

Und was soll ich sagen? Unterhaltsam. Auf jeden Fall unterhaltsam, wenn auch nicht immer aus den vielleicht beabsichtigen Gründen. Jedenfalls hat sich Matt Walsh, der hier als Erzähler und auch Interviewer auftritt, auf den Weg gemacht und hat viele Interviews geführt. Man mag von ihm oder seinen Fragen halten was man will und man darf natürlich nicht vergessen, dass man im Filmschnitt ganz viel auf seine eigene Ansicht hin schneiden kann, aber seine Gegenüber sind hier diejenigen, die sich hoffentlich in Grund und Boden schämen – zum Großteil zumindest.

Warum? Nun, er stellt meist die Frage, was denn nun eine Frau sei, wie man Frau definiert und ob es so etwas wie eine objektive Wahrheit dieser Definition gibt. Und seine Gegenüber – großteils natürlich aus dem linken Spektrum, Transgender, Forscher:innen, Pädagog:innen, Frauenrechtler:innen, usw – haben tatsächlich keine Antwort für ihn. Nicht wirklich. Hin und wieder werden sogar Interviews abgebrochen oder ihm wird vorgeworfen unhöflich, voreingenommen oder sogar übergriffig zu sein.

Und das ist dann meist richtig peinlich – für sein Gegenüber. Ich bin mir sicher, man wird viele Menschen von seinen Ideen überzeugen, wenn man Interviews abbricht, weil man keine Antwort auf scheinbar klare objektive Fragen hat. Es ist schon interessant zu sehen, wie eine einfache Frage á la „Was ist eine Frau?“ an ausweichenden, schwammigen Antworten liefern kann.

Die wohl häufigste Frage ist: „Dass müssen Sie eine Frau fragen.“ Aha. Kann ich das als Mann nicht einschätzen? Das führt zu teilweise wirklich witzigen (und erneut: peinlichen) Momenten, da irgendein Palaver folgt von wegen „Wer sich als Frau identifiziert ist eine Frau“ – was folgende Antwort hervorbringt: „Schön, eine Frau ist eine Frau, wenn sie sich als Frau fühlt, aber … was ist das: Was ist eine Frau? Wie muss man/frau sich fühlen, wenn man sich als Frau fühlt?“ Das Gegenüber: Panik im Gesicht. „Das kann ich nicht genau sagen, weil ich keine Frau bin.“ Walsh runzelt die Stirn. „Was?“ Sein Gegenüber gewinnt an Boden unter den Füssen: „Nun, ich maße mir nicht an, entscheiden zu können, eine objektive für alle gültige Wahrheit zu definieren.“ Walsh runzelt erneut die Stirn. „Kennen Sie Katzen?“ – Gegenüber, überrascht: „Ja. Natürlich.“ Walsh: „Können Sie mir objektiv schildern, was eine Katze ist?“ Gegenüber starrt ihn an. Kurze Pause. Dann „Dieses Interview ist zu Ende.“

Das ist so erbärmlich. Und das passiert immer wieder. Vier Frauen bei einem Protest für Frauenrechte können nicht sagen, was eine Frau sein soll. Niemand traut sich festlegen, alle scheinen Angst zu haben, sich auf die Biologie zu berufen – es ist ein peinlich anzusehender Eiertanz. Ehrlich. Es wäre zum Weinen, wenn es nicht zum Lachen wäre.

Tatsächlich gibt Walsh irgendwann auf und schreibt ein Kinderbuch (Eigenwerbung, irgendwer?). Und am Ende sitzt er vor Jordan B. Peterson (der oft als „rechts“ beschrieben wird, ich habe ein wenig was von ihm gelesen und ich finde die Sachen, die ich von ihm gelesen habe tatsächlich als sehr reflektiert und weder links noch rechts, sondern irgendwo gut in der Mitte mit meiner Ansicht nach sehr guten, wenn auch provokanten Fragen, die er stellt) und stellt ihm diese Fragen. Und zumindest in diesem Film kommt er finde ich sehr gut weg, weil er einer der wenigen ist, die einen klaren Standpunkt haben und diesen auch vertritt. Und seine Antwort auf die Frage „Was eine Frau ist?“ … ich musste grinsen: „Gehen Sie nach Hause, heiraten Sie eine und finden Sie es raus.“ (Walsh ist verheiratet und hat vier Kinder, nur zur Info).

Was aber auch in dem Film vorkommt und das muss ich ihm vorwerfen: In einem Interview erzählt eine Frau, dass sie von einer Schule weiß, in welcher sich Schüler:innen als Katzen identifizieren und die Lehrer:innen deshalb Katzenklos in die Klassenzimmer stellen müssen. Was nicht stimmt. Was nie gestimmt hat. Und niemals stimmen wird. Aber auch sowas bleibt unwidersprochen stehen in dieser „Dokumentation“. Also sind auch einige andere Dinge mit Vorsicht zu genießen.

Wie dem auch sei: Was für mich hängen geblieben ist: Vielleicht lese ich mal wieder ein Buch von Peterson. Vielleicht wäre es an der Zeit für die weltoffene Linke sich nach objektiven oder zumindest klaren Antworten umzusehen und zu diesen zu stehen anstatt immer alles als „relativ“ oder „du bist, was du denkst zu sein“ hinzustellen. Und „die Rechten/Konservativen“ schaffen es nicht mal in einer Doku wie dieser keine Falschinfo zu verbreiten.

Am Ende gewinnt niemand, aber die Reise war unterhaltsam. Und tja, was soll ich sagen? Wie Matt Walsh scheinbar in seinem Buch schreibt: „Glaubt nicht jeden Mist, den euch die Internet-Crowd erzählt.“ Ganz egal, ob es von links, rechts, oben oder unten kommt.

„What Is A Woman?“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, die Fakten vielleicht nach Ansicht überprüfen sollende, aber immerhin unterhaltsame Punkte.

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Oldies but Goldies: Reservoir Dogs (Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2024/12/12/oldies-but-goldies-reservoir-dogs-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2024/12/12/oldies-but-goldies-reservoir-dogs-filmkritik/#respond Thu, 12 Dec 2024 05:00:10 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37144 Es hätte ein einfacher Job werden sollen für die bunt zusammengewürfelte Truppe an Verbrechern, die sich alle nicht wirklich kennen und nur mit Codenamen anreden. Aber dann geht alles schief. Tote, Verletzte und eine Flucht, die beim vereinbarten Treffpunkt endet. … Weiterlesen

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Es hätte ein einfacher Job werden sollen für die bunt zusammengewürfelte Truppe an Verbrechern, die sich alle nicht wirklich kennen und nur mit Codenamen anreden. Aber dann geht alles schief. Tote, Verletzte und eine Flucht, die beim vereinbarten Treffpunkt endet. Aber was ist eigentlich schief gelaufen? Wie KONNTE das Ding überhaupt schiefgehen?

Der Verdacht liegt nahe, dass ein Polizeispitzel unter ihnen ist und den Plan vorab verraten hat. Anders kann es nicht gewesen sein. Das führt dazu, dass die nach und nach eintreffenden Überlebenden sich mehr als nur misstrauisch beäugen und wie es nicht anders sein kann: Gewalt bricht aus …

Es ist fast eine Schande, dass wir die neueren Filme von Quentin Tarantino hier am Blog haben, aber den Film mit alles anfang – nein, nicht „Pulp Fiction“ – noch nicht. Das sei deshalb hier nachgeholt. Vorhang auf für „Reservoir Dogs“. Im Grund ist es ja wie bei Christopher Nolan – die wenigsten kennen sein Erstwerk „Following“, obwohl das schon in seiner Struktur zeigt, dass der gute Mann was auf dem Kasten hat.

Hier auch bei Tarantino: Alle Merkmale und Kennzeichen von Tarantino sind bereits in seinem ersten Film von 1992 vorhanden und fügen sich bereits hier richtig gut zusammen. Der Clou ist natürlich gleich mal, dass wir den Überfall überhaupt nicht sehen. Der tut auch nichts zur Sache, denn es geht hier um was anderes – nämlich um die Spannungen in der Gruppe.

Der Film beginnt mit einer legendären Szene, in welcher die gesamte Truppe in einem Café beisammen sitzt und diskutiert. Nicht zwingend über den „Bruch“, aber generell. Und bereits hier erkennt man, von wem das Drehbuch ist. Der eine erklärt seinem Nachbarn, dass Madonnas „Like A Virgin“-Lied kein Liebeslied ist, sondern von einer Frau handelt, die so viel Sex hat, dass sie nichts mehr spürt und dann trifft sie einen Typen mit einem Megapenis und auf einmal hat sie wieder Spaß an der Sache. Nebenbei sitzt Mr. Pink, der sich beschwert, wer ihm denn diesen doofen Decknamen gegeben hat – warum ausgerechnet Pink? Es hätte doch so viele andere Farben gegeben. Und so weiter und so fort.

Da sitzt eine Gruppe an Profis zusammen und disktuiert über viele (abstruse) Dinge und man lernt sie kennen, wie sie ticken, wie sie sind, was sie bewegt und warum sie hier sind. Zum Teil zumindest. Und dann ist der Spaß vorbei – auf geht’s zur Arbeit. Dann ein harter Schnitt und wir befinden uns in einem Fluchtauto. Vorne sitzen zwei, auf der Rückbank liegt einer mit Bauchschuss der am Verbluten ist und Panik bei allen handelnden Personen. Und ab hier lässt das Tempo nicht mehr nach.

Die Dialoge sind großartig und pendeln zwischen absurd lustig und beinhart kalt hin und her. Die Aktionen, die von manchen gesetzt werden (ich sag nur: Ohr) sind brutal und auch an Blut wird nicht gespart. Die Dynamiken zwischen den Protagonisten wechseln herrlich hin und her und auch wenn es in letzter Konsequenz klare Hauptdarsteller gibt – Harvey Keitel – so ist es dennoch so, dass so ziemlich alle ihre Zeit im Rampenlicht haben. Von jenen, die beim Überfall sterben halt mal abgesehen.

Und es wird nie langweilig. Wir haben es hier zwar – wenn man es auf das Wesentliche runterbricht – mit einem Haufen Männer zu tun, die sich gegenseitig aushorchen und ausspionieren wollen um den Spitzel (so es einen gibt) zu finden, aber das hat Tempo und die Spannungen reißen tatsächlich mit.

Es ist schon eine große Leistung als ersten Film gleich mal einen Ensemble-Film zu drehen und die Tatsache, dass sich auch solche Kaliber (nicht vergessen, wir reden von 1992!) im Film wiederfinden wie eben Harvey Keitel (immer gut), Tim Roth (meistens gut), Michael Madsen (war mal gut), Steve Buscemi (immer ein Hammer) und Chris Penn (war auch immer gut, leider 2006 verstorben).

Es spricht meiner Ansicht nach auch für Tarantino, dass er mit vielen dieser Leute mehrmals zusammengearbeitet hat. Ich finde sowas immer sehr positiv, weil das im Regelfall heißt, dass die Atmospähre am Set scheinbar eine gute Atmosphäre war und ich persönlich hasse es, wenn ich nach Filmen lese, dass sich Schauspieler:innen nach dem Dreh zB über das Verhalten der Regie oder ähnliches beschweren (zB Jim Carrey bei „Kick-Ass 2„).

Dass manche von ihnen leider ziemlich abgestürzt sind (Michael Madsen, ich sehe dich an) ist schade, aber dennoch – hier sind alle in perfekter Spiellaune und ich kann nicht umhin zu sagen: Für ein Erstlingswerk so etwas abzuliefern – das muss Tarantino erst einmal jemand nachmachen. Egal was man von ihm oder den Filmen danach halten mag. Das hier ist ein kleines, feines, gemeines Meisterwerk.

Und für alle, die sich fragen, was mit der Musik ist, weil das Tarantino ja im Regelfall auch richtig gut kombiniert, lasst euch sagen: Ihr werdet „Stuck In The Middle With You“ nie wieder hören können ohne bestimmte Bilder im Kopf zu haben. Ja, auch das hatte er damals schon drauf.

„Reservoir Dogs“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, quasi alles richtig machende, Punkte.

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Joker: Folie á deux (Filmkritik) http://darkagent.blogsit.net/2024/12/07/joker-folie-a-deux-filmkritik/ http://darkagent.blogsit.net/2024/12/07/joker-folie-a-deux-filmkritik/#respond Sat, 07 Dec 2024 05:00:52 +0000 http://darkagent.blogsit.net/?p=37164 Nachdem Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) sechs Menschen ermordet und einen Aufstand in der Stadt ausgelöst hat, ist er nun in Arkham in einer Anstalt. Seine fünfzehn Minuten Ruhm sind vorbei. Die Tage vergehen einer wie der andere und er hat … Weiterlesen

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Nachdem Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) sechs Menschen ermordet und einen Aufstand in der Stadt ausgelöst hat, ist er nun in Arkham in einer Anstalt. Seine fünfzehn Minuten Ruhm sind vorbei. Die Tage vergehen einer wie der andere und er hat sich mit seinen Wachen arrangiert. Man mag sich vielleicht nicht, aber man ist nett zueinander, auch wenn man sich hin und wieder gegenseitig neckt.

Das ändert sich als Lee Quinzel (Lady Gaga) auftaucht und Arthur beichtet, dass sie in liebt, seit ihn das erste Mal im TV gesehen hat. Nein, stopp – sie liebt Joker, seit sie ihn das erste Mal im TV gesehen hat. Und Arthur ist doch Joker, oder?

Durch Lee inspiriert beginnt Arthur sich gegen seine Lethargie aufzubäumen. Gegen den Willen seiner Anwältin, die ihre Verteidigung so auslegt, dass Arthur eigentlich eine gespaltene Persönlichkeit hat und gar nicht der Joker ist, nimmt er wieder immer mehr die Verhaltensmuster von Joker an. Und nicht nur Lee gefällt das. Vor dem Gericht steht eine Menschenmenge – und nicht nur eine Person darin trägt Jokers Schminke im Gesicht …

Respekt. Respekt vor Todd Philipps und Scott Silver, die auch beide das Drehbuch zum ersten „Joker“ geschrieben haben. Sie gehen keine Kompromisse ein, sondern ziehen gnadenlos ihr Ding durch. Und dieses Ding hat es in sich, verlangt aber auch viel von seinen Seher:innen. Zum Beispiel die eigene Erwartungshaltung zu ignorieren. Und vermutlich sollte man auch die Marketing-Abteilung verklagen, denn alle Trailer und Vorschauen führen euch völlig in die Irre. Und damit meine ich nicht den Musical-Teil des Films, denn von dem weiß man im Regelfall ja schon bevor man den Film sieht (auch wenn der Anteil weit weniger war als ich dachte).

Ich gehe mal davon aus, dass Philipps und Silver bereits vor dem Dreh wussten, dass der Film krachend am Box-Office scheitern wird. Das liegt in der Natur der Sache und passt für mich auch perfekt zum Film und seiner Geschichte, denn – seht ihr: Alle dachten, es würde um den Joker gehen. Alle meinte, wir würden im zweiten Teil endlich den Wahnsinn des Jokers sehen in voller Joaquin Phoenix-Eleganz. Aber Nein. Nicht hier. Das ist eine andere Geschichte. Eine, die den Weg des ersten Teils konsequent weiterdenkt.

Der erste Teil erzählt von einem Menschen, dem so viel Schlimmes passiert und der für die Welt völlig irrelevant ist, dass er irgendwann durchdreht und in einer Art Rausch und Wahn sechs Menschen ermordet. In einer gesellschaftlich geplagten Zeit wird er zum Helden hochstilisiert – zum Joker. Damit endet der Film.

Wie lange kann so ein Hoch, so ein Rausch anhalten, wenn einem gezeigt wird, dass die Welt sich immer noch nicht um einen schert? Nicht lange. Deshalb ist Arthur Fleck in „Folie á Deux“ auch wieder Arthur Fleck. Die Wut ist weg. Der Hass ist weg. Das Aufbegehren war genau das: Ein Aufbegehren. Und zwar zu einem Zeitpunkt, der ihn zu einer Ikone machte. Für etwas, was er getan hat, nicht für das, wer er ist. Tatsächlich hat noch immer niemand Arthur Fleck gesehen. Tatsächlich ist er immer noch ein armes Würstchen. Ein trauriges, bemitleidenswertes, hilfsbedürftiges Würstchen, aber dennoch ein Kasper. Eine traurige, tragische Gestalt.

Das ändert sich erst, als er Lee kennenlernt. Und Lee liebt den Joker. Sie liebt seinen Nihilismus. Sie liebt seinen Hass auf die Welt. Sie liebt, das, was sie im Fernsehen gesehen hat. Und Arthur Fleck wird zum ersten Mal in seinem Leben gesehen. Und scheinbar sogar geliebt. Je länger er mit Lee zusammen ist, desto mehr wird er wieder zum Joker. Nicht weil er es fühlt, sondern weil sie ihn nur so sieht. Und Lee macht alles, um Arthur in diese Richtung zu drängen.

GROSSER SPOILER: Aber Arthur hat keine Wut mehr. Er hat keinen Hass mehr. Er hat Liebe. Liebe für Lee. Und wenn es dann drauf ankommt, dann kann er die Show – den Joker spielen – nicht länger am Leben halten. Er knickt ein und bekennt sich offen dazu, nur Arthur zu sein. Arthur Fleck, der aus Frust und Wut sechs Menschen getötet hat. Eben diese tragische, traurige Gestalt. Leider vergisst er dabei, dass Lee die Figur des Joker liebt – Arthur ist ihr völlig egal.

Und das gilt für alle anderen ebenfalls. Nochmals GROSSER SPOILER: Als ein paar Typen als Joker verkleidet ein Loch in den Gerichtssaal sprengen, da wollen sie den Joker befreien, aber sie treffen nur auf Arthur. Und der flieht vor ihnen. Weil er nicht der ist, für den sie ihn halten. Und das Ende des Films hämmert die Message mit dem Dampfhammer rein: Wenn du der Welt nicht bietest, wofür die Welt dich hält, dann rächt sich diese Welt für den scheinbaren Verrat. Wenn alle Arthur für den Joker halten, weil sein einziger „schlechter Tag“ so hochstilisiert und als Akt der Rebellion gefeiert wurde, man ihn zu einer Ikone „der Bewegung“ gemacht hat, dann muss die Realität wie ein Schlag ins Gesicht wirken. Das ist kein Rebell – das ist nur ein trauriger, kaputter Mann. Und dann werden die Rufe laut: Wie konnte er uns so betrügen? Verräter! Und dann folgt die bittere Konsequenz.

Dass daraus, aus der Enttäuschung, aus dem Entsetzen darüber, was für ein „Waschlappen“ Joker eigentlich ist, etwas Neues, gefährliches – zum Beispiel der Joker – entstehen kann, nun, das scheint fast ein Naturgesetz.

Alle, die also dachten, es würde im zweiten Teil um den Joker gehen – nun, die haben sich geirrt. Es geht tatsächlich nicht mal um Arthur Fleck. Es geht darum, wie eine Gesellschaft oder zumindest eine Gruppe davon, einen einmaligen, zufälligen(!) Event so hochstilisiert und als fast heiligen Akt feiert, dass die Erkenntnis über die eigentliche Banalität darüber in Wut und Enttäuschung gegen genau die Person umschlägt, die zuerst gefeiert wurde.

Gibt ja genug Beispiel dafür in der Gegenwart. Du entsprichst nicht meiner Erwartung? F*** you! („The Last Of Us Part II„, „Dragon Age: The Veilguard“, um nur zwei Beispiele zu nennen) Darum geht es um den Film. Arthur ist nur das fallende Symbol dazu. Passend dazu, wie jetzt alle über Philipps herfallen. Wenn das mal keine Parallele zum Film ist, seine Message bestätigt und dem Drehbuch einhundertprozentig recht gibt, dann weiß ich auch nicht.

Produktion und Schauspiel sind wie gewohnt auf hohem Niveau: Phoenix spielt wieder großartig. Sogar Lady Gaga, die ich üblicherweise nur sehr schwer aushalte, fand ich hier wirklich gut. Die Sets sind cool, die Lieder kennt man und ja – Phoenix schneidet beim Singen nicht ganz so toll ab, aber damit war zu rechnen.

Philipps und Silver hatten Mumm, diesen Film so zu machen und ich habe großen Respekt davor. Mir war die über zwei Stunden auch nicht langweilig und sie vergingen ziemlich schnell – einzig gegen Ende hat man es dann ein wenig zu sehr in die Länge gezogen, aber in Summe: Wow.

Für mich war „Folie á Deux“ die fast perfekte Fortsetzung des ersten Teils. Mir ist klar, dass ich mit dieser Meinung sehr allein dastehe und wer den Film anders sieht als ich: Bitteschön, ich habe ja kein Recht auf „die Wahrheit“ gepachtet, aber wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt und ihr guckt ihn euch an, dann denkt an meine Worte: Erwartet euch keinen Film in dem ihr einen Joker findet, sondern die Geschichte eines Mannes, in dessen Taten viel zu viel hinein interpretiert wird und der mit allen Konsequenzen daran scheitert, die dahinter liegende Erwartungshaltung zu erfüllen – dann, ja, dann seht ihr einen richtig gut gemachten Film.

„Joker: Folie á Deux“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, eine grandiose Story ein wenig schräg erzählt bekommende, Punkte.

PS: In einem Interview meinte Quentin Tarantino, dass Philipps der Joker sei. Viele haben das verstanden als „Er hat uns übers Ohr gehauen.“ Ich denke Tarantino meinte genau das, was ich hier beschrieben habe. Ironie, irgendwer?

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