Star Trek: Discovery – Staffel 1 (Serienkritik)

Nachdem Commander Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) im Zuge einer Meuterei den Tod ihres Captains verschuldet und dadurch einen Krieg mit den Klingonen angefangen hat, wartet eigentlich lebenslange Haft auf sie. Ihr Gefangenentransport wird jedoch von der USS Discovery aufgegriffen, denn deren Captain Lorca (Jason Isaacs) weiß um Burnhams Fähigkeiten und bittet sie darum Teil seiner Crew zu werden.

Nachdem die Abenteuer der Enterprise NX-01 im Jahr 2005 vorzeitig endeten, war es lange Zeit sehr ruhig im Star Trek-Universum. Voriges Jahr gab es dann schließlich gleich zwei Serien die das Interesse der meisten Trekkies geweckt haben. Da ich meine Meinung zu „The Orville“ bereits kundgetan habe, möchte ich das an dieser Stelle auch mit ST-D tun.

Discovery hatte es in der ersten Staffel nicht leicht. Zwar kam die Show bei Kritikern gut weg, konnte aber bei den Zuschauern zur bedingt überzeugen. Erschwerend kommt hinzu dass, soweit ohne konkrete Zahlen reproduzierbar, die Zuschauerzahlen bisher deutlich hinter den Erwartungen lagen. Doch warum ist das so? Erklärungsversuche!

Die Show ist, anders als die aktuelle Film-Trilogie, im ursprünglichen Prime-Universum angesiedelt. Das heißt erst einmal wenig. Insgesamt fühlt sich ST-D an als hätte man 30 Prozent Star Trek, mit 30 Prozent aus anderen Franchises und 30 Prozent eigenen Ideen vermischt, um daraus eine Show zu machen. Wer sich jetzt beim Lesen denkt hier würden 10 Prozent fehlen, der hat leider recht.

Hier fehlt der letzte Rest um aus Discovery eine wirklich konsequent gute Serie zu machen. An interessanten Ideen schien es hier nicht zu mangeln. Hier und da stellt sich die Frage, warum es notwendig war, die Geschichte im Star Trek-Universum anzusiedeln, und gerade als Fan stellt man sich bei zu genauem Nachdenken oft die Frage: Echt jetzt?

Die Klingonen, haben optisch nicht mehr viel mit den Klingonen gemeinsam, die man bisher in Star Trek gesehen hat. Deren Rüstungen wirken so als wären sie stark von Star Gate inspiriert. Dann gibt es Elemente wie die Hologramme, die stark an Star Wars erinnern. Schwierig bis unmöglich zu erklären ist der Sporenantrieb der USS Discovery.

Zur Erklärung: Die Serie spielt 10 Jahre vor den Abenteuern von James Tiberius Kirk. Der Sporenantrieb ist eine Technologie, die es einem Raumschiff ermöglicht sich innerhalb weniger Momente zu einem anderen Ort im Weltraum zu transportieren. Ungeachtet der damit verbundenen technischen Probleme ziemlich praktisch, oder?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine derartig mächtige Technologie einfach nicht mehr verwendet wird ist ziemlich unwahrscheinlich, wenn man bedenkt wie oft es in den darauf folgenden Jahren knapp für die Föderation war. Ungeachtet dessen wird die Discovery vermutlich in der zweiten Staffel auf diese Art der Fortbewegung verzichten müssen.

Die Crew ist durch die Bank ausgezeichnet gecastet. Leider, und da sind wir erneut bei den zehn Prozent, lernt man nicht einmal alle auf der Brücke befindlichen Crew-Mitglieder kennen. In Discovery geht es dann um die Abenteuer von Commander Michael Burnham, die von Sonequa Martin-Green (The Walking Dead) gespielt wird. Damit ist diese Star Trek-Serie auch die erste in der es nicht um einen Captain geht.

Burnham ist die Adoptivtochter des vulkanischen Botschafters Sarek, damit auch mehr oder weniger Spocks Schwester und wurde auf Vulkan ausgebildet. Die Dynamiken die sich daraus ergeben sind interessant und werden auch in die Geschichte eingewoben. Sonequa Martin-Green spielt ihre Rolle in all ihren Fassetten hervorragend.

Leider wirkt ihr Charakter vor allem zu Beginn alles andere als sympathisch. Erst nach ein paar Folgen und in der Interaktion mit anderen Charakteren kann Burnham den Zuschauer allmählich für sich gewinnen. Jason Isaacs (A Cure for Wellness) als Captain Lorca hat eine immense, wenn auch etwas unheimlich Ausstrahlung. Diesbezüglich gibt es dann auch gegen Ende eine mehr oder weniger unerwartete Enthüllung.

Anthony Rapp (A Beautiful Mind) als Lieutenant Commander Stamets ist der Erfinder des Sporenantriebs, der Chefingenieur der Discovery und mit dem Schiffsarzt Hugh Culber verheiratet. Wie notwendig es war hier einen homosexuellen Charakter unterzubringen, sei an dieser Stelle dahingestellt. Die Beziehung der beiden funktioniert gut, unter anderem weil man Klischees vermeidet und sich auf das Wesentliche konzentriert.

Mary Wiseman (Longmire) als Ensign Sylvia Tilly redet viel wenn sie nervös ist und bringt damit einen menschlichen Aspekt und eine gewisse Liebenswürdigkeit in die Show. Michelle Yeoh (Guardians of the Galaxy Vol. 2) kann hier in einer Doppelrolle mühelos überzeugen, während Doug Jones (Hellboy) in seiner Rolle als Commander Saru irgendwo zwischen großem Bruder und dem idealen Chef angesiedelt ist.

Was die Geschichte betrifft braucht Discovery, wie die meisten Star Trek-Serien vor ihr, einige Folgen um sich selbst zu finden. Vor allem die zweite Hälfte kann dann durchaus überzeugen und hält auch ein paar Überraschungen parat. Vor allem (so viel sei an dieser Stelle verraten) der Abstecher ins Spiegel-Universum und die damit verbundenen Konsequenzen sind toll.

Leider hat dann scheinbar eine passende Idee für entsprechendes Ende gefehlt und das was mit viel Spannung aufgebaut wurde, verpufft etwas. Die Macher der Serie dürften sich auch noch nicht ganz sicher gewesen sein, wie es in der bereits angekündigten zweiten Staffel weiter geht und aus diesem Grund trifft die Discovery in den letzten Minuten die USS Enterprise – man darf gespannt sein.

Optisch kann die Serie überzeugen und zeigt eindrucksvoll was aktuell an Spezialeffekten möglich ist. Zwar befindet man sich in dem Bereich selbstverständlich nicht auf dem Niveau der aktuellen Kinofilme, da die finanziellen Möglichkeiten (Stichwort: Budget) vergleichsweise begrenzt sind. Zumindest mit den letzten Abenteuern von Captain Picard kann man mittlerweile leicht mithalten, womit sich auch zeigt, was sich in den letzten Jahren in dem Bereich getan hat.

Alles in allem ist Star Trek: Discovery in der ersten Staffel eine unterhaltsame Serie mit einigen guten Ideen, der jedoch ein wenig fehlt um wirklich gut zu sein. Speziell als Star Trek: Fan sollte man sich (unabhängig von den tatsächlichen Gegebenheiten) vor allem zwei Dinge einreden um die Show genießen zu können: Die Serie hat mit Star Trek nichts zu tun und daher sind die bösen Aliens keine Klingonen..! Dann muss man sich nicht unnötig ärgern und kann sich unterhalten lassen.

Die Serie Star Trek: Discovery bekommt in der ersten Staffel 7,5/10 mit unbekannter Warp-Geschwindigkeit durchstartende Empfehlungspunkte.


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