Stranger Things – Staffel 2 (Serienkritik)

Ein Jahr ist vergangen und es hat sich einiges verändert in Hawkins…

Vielleicht ist manchen unter euch inzwischen bekannt, dass ich nicht der größte Fan des Horror/Grusel-Genres bin und daher in der Regel einen großen Bogen um Filme (hust hust „It“) und Serien dieser Art mache. Als ich mitbekam, dass um die erste Staffel von „Stranger Things“ ein immer größerer Hype entstand, entschloss ich mich, mir selber ein Bild machen zu müssen. Gleich zu Anfang fand ich das Setting alleine von der Zeit her nicht so cool, doch schon in der ersten Folge entpuppten sich die 1980-er Jahre als extrem unterhaltsam.

Eines gleich vorweg, in einer Staffelkritik sind Spoiler eigentlich nicht zu vermeiden, also ist vorher die Staffel sehen und später weiterlesen ratsam – außer man hat nichts gegen Spoiler.

Zwischen Staffel 1 und 2 ist ein gutes Jahr vergangen und eigentlich haben viele der Hauptprotagonisten nicht so wirklich mit den Geschehnissen der ersten Staffel abgeschlossen. Nancy (Natalia Dyer) und Steve kämpfen mit dem Fakt, dass Barb tot ist und sie es deren Eltern nicht erzählen können und Mike (Finn Wolfhard) sucht jeden Tag mit seinem Funkgerät Eleven und bittet sie um ein Lebenszeichen (sehr süß). Da Wolfhard höchstwahrscheinlich mit dem filmen von „It“ beschäftigt war, sieht man in dieser Staffel nicht gar so viel von ihm.

Sehr angenehm finde ich, dass den bereits etablierten und beliebten Charakteren die Chance gegeben wird, sich weiter zu entwickeln. So landen Dustin (Gaten Matarazzo) und Steve (Joe Keery) auf einem Haufen. Dustin zieht aus Versehen einen Demodog namens Dart groß (Dart mag Nougat) und als er schließlich erkennt, dass er alleine der Situation nicht mehr gewachsen ist und seine besten Freunde nicht zu erreichen sind, schnappt er sich einmal die nächstbeste Person. So hilft Steve bei dem Versuch Dart zu vernichten und gibt Dustin nebenbei Tipps, wie man sein Haar zuverlässig stylt (gutes Shampoo und 4 Spraystöße von Farrah Fawcetts Haarspray sind Pflicht) – einfach zu komisch.

Als Neuzugang hat man es in einer Serie ja oft mal schwer, seinen Platz zu finden, doch bei Sean Astins (The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring) Bob hat man sofort das Gefühl, als wäre er schon immer da gewesen. Er ist ohne Hintergedanken nett und nebenbei löst er das Rätsel rund um das Riesengemälde von Max. Schade, dass er sich im Kampf gegen die Demodogs nicht gut behaupten kann.

Ebenfalls neu mit von der Partie ist Murray Bauman, gespielt von Brett Gelman (Twin Peaks). Anfangs nervte mich dieser Charakter ziemlich, doch die Szene, in der Nancy und Jonathan (Charlie Heaton – „Shut In“) bei ihm sind und sie gemeinsam ihren Wodka-Plan aushecken, machte ihn plötzlich äußerst sympathisch und vor allem sein wissendes Grinsen, als er Jonathan und Nancy quasi auf die Chemie zwischen ihnen anredet, war genial. Ich bin gespannt, ob er auch in der dritten Staffel wieder mit von der Partie ist.

Eleven ist über den größten Teil der Staffel vom restlichen Cast getrennt. Sie hat keine Freude damit, dass Hopper sie (zu ihrer eigenen Sicherheit) versteckt hält. Milly Bobby Brown ist eine extrem talentierte Schauspielerin, die es schafft mit ihrer Mimik zu zeigen, wie anstrengend Telekinese tatsächlich ist. Ihr Punk-inspirierter Look sah wirklich cool aus, leider sah sie am Ball wieder anders aus.

Der von Noah Schnapp (Bridge of Spies) gespielte Max hat in dieser Staffel eine deutlich größere Rolle und nutzt seine Screentime sehr, sehr gut. Der Moment, in dem er in der 9. Folge plötzlich so richtig aufdreht, ist echt gruselig und zeigt sein Talent. Wie Wills Familie damit umgehen wird, dass er sich alle ans Messer geliefert hätte, wird noch spannend.

Lucas (Caleb Reginald McLaughlin) war in der ersten Staffel der am wenigsten ausgebildete Charakter der Hauptclique. In dieser Staffel bekommt er dankenswerterweise mehr Hintergrundgeschichte. Seine Eltern und die Unterhaltung, was man machen muss, um ein Mädchen dazu zu bringen einem zu vergeben, war extrem komisch.

Eine Schwäche ist meiner Ansicht nach der große Bösewicht der 2. Staffel, der Mindflayer. Er bleibt die ganze Staffel über ein Umriss, der keine offensichtlichen Beweggründe hat, außer alle zu töten (weil sohalt?). Viel cooler sind dagegen seine Minions, die von Dustin einfach Demodogs genannt werden. Optisch machen sie anfangs nicht wirklich viel her, denn ihre wahre Gefährlichkeit offenbaren sie erst wenn sie ihr Maul ähnlich wie eine Blume aufklappen und tausende kleiner Zähne offenbaren, die ordentlich Schaden zufügen können.

Was ich persönlich sehr seltsam finde, ist schlicht und ergreifend die 7. Folge – „Chapter Seven: The Lost Sister“. Die 6. Folge hört sehr spannend auf und dann folgt man auf einmal Eleven auf einem Selbstfindungstripp? Anstatt wenigstens abwechselnd zu zeigen, was gerade mit Will und allen anderen passiert, lernt man „endlich“ das mysteriöse indische Mädchen aus der ersten Folge kennen. Die ganze Folge riecht nach einem Set-Up für eine dritte Staffel, doch in diese Richtung zu gehen halte ich für nicht sehr gescheit. Keiner will Eleven bei einem Rachetripp zusehen, noch dazu wenn die Story so vorhersehbar ist.

Fazit: Hier muss man gar nicht erst groß nachdenken. Hat einem die erste Staffel gefallen, wird einem auch die zweite gefallen.

Diese Staffel bekommt von mir 8,5/10 auf den Kopf gestellte Punkte.


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