To the Bone (Filmkritik)

Ellen (Lily Collins) kämpft schon länger gegen ihren eigenen Körper. Sie ist magersüchtig und sieht aus wie ein wandelndes Skelett. Sie ist schon aus mehreren Therapie-Einrichtungen geflogen und es macht den Eindruck, sie will gar nicht gesund werden. Die Wohneinrichtung von Dr. William Beckham (Keanu Reeves) ist ihre letzte Chance gesund zu werden…

Nachdem ich verschiedenste Kommentare zu diesem Film gehört/gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich mir meine eigene Meinung bilden muss. Und ich muss sagen, „To the Bone“ ist ein gelungener, bewegender Film, der die Krankheit Anorexie in all ihrer Hässlichkeit zeigt und was sie mit einem Menschen macht.

Ellen hat schon viele Therapien versucht, ist aber bis jetzt immer an ihrem eigenen Sturschädel gescheitert. Sie will nicht gesund werden. Ellen wird von Lily Collins (Spieglein, Spieglein) gespielt, die für diesen Film gefährlich abnahm. Collins litt in ihrer Jugend selber an einer Essstörung, daher finde ich es ein wenig fragwürdig, für einen Film dermaßen abzunehmen, aber naja, ich hoffe sie schafft es, das verlorene Gewicht auch wieder zuzunehmen.

Collins als Ellen ist fantastisch. Es plagen sie sichtlich Schuldgefühle, weil sich ein „Fan“ wegen ihrem Web-Content das Leben genommen hat, aber es schmerzt sie, das laut auszusprechen. Dass es dieser cleveren Frau nicht zu gelingen vermag den Mund zu öffnen und zu essen, ist schwer nachzuvollziehen, aber Collins schafft es, den inneren Kampf zu zeigen.

Sehr gelungen finde ich eine Szene, in der sie von Luke ihre Lieblings-Süßigkeit unter die Nase gehalten bekommt und man ihren Kampf mit sich selbst beobachten kann und wie sie davor zögert, den Schoko-Riegel überhaupt zu berühren.

Luke wird von Alex Sharp (mehrfach preisgekrönter Theater-Schauspieler) gespielt. Der Brite ist in seiner Rolle unglaublich charmant und stellenweise ertappte ich mich bei dem Gedanken, ob er vielleicht gar kein Patient ist, sondern ein Undercover-Therapeut, der gute Laune und Positivität verbreiten soll. Luke ist ein Ballet-Tänzer, der sich nach einer Verletzung herunterhungerte, aber auf dem Weg der Besserung ist. Stellenweise ist er sehr aufdringlich und es fällt schwer zu verstehen, warum man sich so verhalten sollte.

Keanu Reeves (John Wick) spielt den Therapeuten Dr. William Beckham. Er ist sehr sympathisch in dieser Rolle. Beckham scheut nicht davor zurück, „tough love“ auszuteilen, was seinen Patienten nicht immer gefällt. Carrie Preston als Susan, Ellen´s Stiefmutter, ist fantastisch. Preston sah ich zum ersten Mal in der Serie „The Good Wife“ und ich finde, man sieht allgemein viel zu wenig von ihr. Sie hat nur eine kleine Rolle in diesem Film, strahlt wahre Herzlichkeit aus und man sieht, dass sie sich wirklich um ihre Stieftochter sorgt, dafür aber nur die scharfe Zunge von Ellen zu spüren bekommt.

Regie führt Marti Noxon, die auch das Drehbuch schrieb. Die Geschichte von Ellen basiert auf ihrem eigenen Kampf gegen eine Essstörung. Ihre Regie ist ziemlich unspektakulär und lässt oft Bilder für sich sprechen. Wenn man abgemagerte Körper sieht, herausstehende Rippen und blaue Flecken, zeigt sie dies in all seiner Hässlichkeit.

Fazit: „To the Bone“ ist ein ehrlicher Film, der einen authentisch wirkenden Einblick in das Leben einer jungen Frau mit Essstörung bietet.

Dieser Film bekommt von mir 7/10 das Leben genießende Punkte.


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