Dr. Strange (Filmkritik)

Dr. Steven Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein brillianter, erfolgreicher Chirurg, bis eines Tages seine Hände bei einem Auto-Unfall so gut wie zerstört werden. Er versucht mit allen Mitteln wieder gesund zu werden, doch zu seiner unendlichen Frustration scheint dies unmöglich. Eines Tages besucht er, wegen eines Tipps, den Kamar-Taj, in der Hoffnung dort geheilt zu werden. Dort wird er von The Ancient One (Tilda Swinton) empfangen, die ihn lehrt seine Prioritäten neu zu ordnen und dass es wichtigere Dinge als ihn selbst gibt…

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„Dr. Strange“ bekam hierzulande eine eigentlich stiefmütterliche Werbekampagne für einen Marvel-Film, nämlich eine quasi non-existente. Daher bin ich gespannt, wie der Film an den Kinokassen abschneiden wird. Doch da der Name Marvel normalerweise volle Kinosäle garantiert, muss man sich wohl keine Sorgen machen.

Wie immer wenn Benedict Cumberbatch in einem Film oder einer Serie vorkommt, hatte ich automatisch höhere Ansprüche/Erwartungen, denn es scheint, als ob der Brite bis jetzt kaum etwas falsch gemacht hat. Eigentlich unsinnig, denn ich weiß, dass ich vor allem wegen meinen hohen Erwartungen leicht enttäuscht werden kann und ich befürchtete, dass genau dieser Fall eintreten würde. Doch Gott sei Dank war der Film nicht nur bloßes Action-Popcorn-Kino, sondern lustig, intelligent und dank des Elements Magie auch innovativ.

Wo wir schon von Magie reden. Genau hier hätte der Film schon mal ordentlich in die Hose gehen können. Viele (ich inklusive) befürchteten ein Remake der Effekte von „Inception“. Diese „World-Bending“-Effekte kommen zwar schon vor, machen aber in Relation zum Film nur einen kleinen, wenn auch extrem gut gemachten Teil aus. Verfolgungsjagden, in der es von einer Wand zur nächsten Häuserwand geht, haben dann etwas Eigenständiges und Neues.

Das Sprechen und vor allem das Formen der Magie ist sehr beeindruckend. Wenn bei Strange anfangs nur einzelne Funken fliegen, ist das nicht nur lustig, sondern lehrt den oftmals hochmütigen Strange eine Lektion. Ganz anders sieht Magie bei „The Ancient One“ und den anderen erfahrenen Magiern aus. Die verwenden ihre Magie unter anderem in der Form von eindrucksvollen Waffen.

Sehr faszinierend und ein Stück gewöhnungsbedürftig ist die Sequenz, in der Strange von „The Ancient One“ auf eine Reise durch diverse Dimensionen geschickt wird. So ungefähr muss man sich wohl fühlen, wenn man auf Drogen ist. Grelle Farben, extrem schnelle Bewegungen – all das führt, vor allem wenn man sich den Film in 3D ansieht, dazu, dass man die Orientierung verliert.

Die Einführung von Paralleldimensionen, die die Realität per se nicht beeinflussen, sorgt für einen der wohl kreativsten Kämpfe in diesem Film. Hier liefert sich Strange mit den Bösen eine Auseinandersetzung sowohl auf der Astral-Ebene als auch (später) in der Spiegeldimension. Im Krankenhaus, in dem der Kampf auf der Astral-Ebene stattfindet, sind lustigerweise kleine Auswirkungen zu sehen.

Dr. Strange, gespielt von Benedict Cumberbatch (The Imitation Game) ist eine Mischung aus Tony Stark, Derek Shepard und Dr. House. Er ist ebenso brilliant wie arrogant und hätte ganz leicht ein Abziehbild von Tony Stark werden können (vor allem weil die Beiden den gleichen Bart haben und wenn sie in Aktion treten etwas leuchtendes auf der Brust haben). Strange ist zwar intelligent, lässt es aber nicht alle um ihn herum ständig spüren. Benedict Cumberbatch spielt den Wandel, den Strange im Film durchläuft, extrem gut.

Zuerst der erfolgreiche, gefeierte Chirurg, dann ein Unfallopfer, das immer verzweifelter wird und zuletzt alle Hoffnung auf einen Namen setzt: Kamar-Taj. Er hat keinerlei Interesse daran die Welt zu verbessern und zu beschützen, sondern er will einfach sein altes Leben zurück. Was er aber hat, ist eine ausgeprägte Willensstärke, was ihn zu einem Musterschüler macht, auch wenn ein Abstecher auf den Mount Everest notwendig ist, um ihm sein Potential vor Augen zu führen.

Ein wenig Bedenken hatte ich bezüglich seines Superhelden-Outfits, denn vor allem sein Mantel sah in den Promos nicht besonders gut aus. Doch gerade dieser Mantel funktioniert fantastisch als Comic-Relief und unterstützt Strange nicht nur bei diversen Gelegenheiten, sondern steht ihm quasi auch beratend (und sehr überzeugend) zur Seite. Kleiner Fun Fact: Cumberbatch brachte via Motion Capture das Superwesen Dormammu zum Leben.

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Tilda Swinton (Hail Caesar!) als The Ancient One ist eines der absoluten Highlights des Films. Es gab ja Diskussionen, ja es war sogar von White-Washing die Rede, weil dieser Charakter im Comic ein tibetanischer Mann ist. Ich denke hier an Filme wie „The Last Airbender“ wo eigentlich alle asiatischen Charaktere gegen weiße Amerikaner ausgetauscht wurden. Doch hier ist es ein geschickter Schachzug, denn Swinton ist wirklich fantastisch in dieser Rolle. Man nimmt ihr ab, uralt und weise zu sein und als sie zum ersten Mal kämpft, blieb mir mal der Mund offen, denn das sieht wirklich gut aus.

Chiwetel Ejiofor (The Martian) spielt Karl Mordo, einen Schüler von The Ancient One. Er wird Stranges Freund und Nachhilfe-Lehrer. Allerdings bleibt seine Figur ein wenig blass, wenn auch die After-Credit-Szene vermuten lässt, dass er in einer Fortsetzung mehr zu tun haben wird.

Mehr zur Zierde in diesem Film zu sein scheint Rachel McAdams (Spotlight) Charakter Christine Palmer, die eigentlich nicht viel zu tun hat, außer für Strange da zu sein. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, in welche Richtung sich Christine weiter entwickeln kann, doch ich wäre stark dafür, diese Rolle sinnvoll (!) auszubauen. Außerdem kann ich es mir nicht vorstellen, dass man nicht komplett ausflippt, wenn auf einmal ein Patient via Astral-Projektion bei der eigenen OP assistiert.

Mads Mikkelsen (The Three Musketeers) übernahm die undankbare Rolle des Bösewichts Kaecilius. Warum undankbar? Zum Einen bekommt er selbst für Marvel-Verhältnisse wenig zu tun und zum Anderen ist seine Motivation fast ein wenig lächerlich. (SPOILER Ich will ewig leben, daher ist es mir egal wenn die ganze Welt von Dormommu verschlungen wird? SPOILER ENDE)

Fazit: „Dr. Strange“ ist ein guter Marvel-Film mit sehr guten Schauspielern, der aber unter einem unterentwickelten Bösewicht leidet und Dr. Palmer kaum etwas zu tun gibt.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 magische Punkte.


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