Oldies but Goldies: Bernard und Bianca (Filmkritik)

Die kleine Penny wird von der schrecklichen Madame Medusa aus dem Waisenhaus entführt, um für sie in einem abgelegenen Sumpf einen großen Diamanten zu suchen. Penny kann aber einen Hilferuf in Form einer Flaschenpost absetzen und diese erreicht die „internationale Rettungsgesellschaft“ die aus allerlei Kleintieren besteht und deren Mitglied Ungarn sich sofort zur Rettungsaktion meldet – und zwar in Form des umwerfenden Fräulein Biancas. Und diese sucht sich Hausmeister Bernard als ihren Begleiter aus. Die beiden streifen durchs Waisenhaus, fliehen vor Krokodilen, bekommen Unterstützung von einer Stubenkatze und legen sich letztlich noch mit Madame Medusa und ihren Riesenkrokodilen an, denn wenn ein Kind um Hilfe ruft – dann ist die „internationale Rettungsgesellschaft“ zur Stelle um zu helfen!

bernard und bianca

„Bernard und Bianca“, wie „The Rescuers“ in unseren Breitengraden heißt, ist der 23. abendfüllende Spielfilm von Disney und der letzte an dem „die großen Gründerväter“ mitgearbeitet haben – also der letzte Film, bei dem rein von Hand gezeichnet wurde. Interessant auch, dass der Film jetzt in Form der Blue-Ray-Disc seine fünfte Wiederveröffentlichung erfährt. Das erste Mal neu herausgebracht wurde er im Dezember 1983, zusammen mit einem Mickey-Maus-film. 1989 wurde der zweite Teil „Bernard und Bianca im Känguruland“ veröffentlicht und hier wurde der erste Teil ebenfalls neu aufgelegt. Das dritte Mal wurder er 1992 in der „Walt Disney Classics Collection“ als VHS und Laserdisc auf den Markt gebracht. Und 1999 wurde er (DVD) nochmals wiederveröffentlicht. Und 2012 ist es nun mit der Blue-Ray soweit. Wahrscheinlich wird er 2020 als Virtual-Reality-Disc nochmals neu aufgelegt 😉

Der Film selbst ist keine von Disneys besten Arbeiten, hat das Herz aber am richtigen Fleck. Die Charaktere von Bianca und ihrem Freund und Weggefährten Bernard wachsen den Zusehern sehr rasch an Herz. Zum Beispiel die Szene in der Bernard am Anfang des Films eine Nachricht aus einer Flasche holen muss, weil er ja der „Hausmeister“ ist und eigentlich kein Agent – er macht die ganze Arbeit, während die anderen nur zusehen und irgendwie hat man als Zuseher den Eindruck, dass alle anderen das eh nicht geschafft hätten. Noch dazu ist Bernard sehr bescheiden und protzt mit seinen Fähigkeiten nicht herum – ein wirklich vom ersten Moment an sympathischer Charakter.

Das gleiche gilt auch für Fräulein Bianca – die feurige Ungarin – Fräulein Bianca ist die Art von Frau, die einfach Eleganz ausstrahlt ohne irgendwie überheblich zu wirken und der alle einfach nur eine Freude machen wollen indem sie ihr helfen – die Frau trickst nicht, lügt nicht, wickelt niemand um den Finger: Und trotzdem bemühen sich alle ihr, sie zu unterstützen. Und als Zuseher versteht man das sogar, ohne das es befremdlich rüberkommt. Solche Figuren muss man erst einmal richtig hinbekommen. Da hat Disney sehr gutes Feingefühl bewiesen.

Bernard ist natürlich von Anfang an sofort in die Dame verschossen und traut sich ihr das nur nicht sagen. Seine zarten Annäherungsversuche sind herzlich anzusehen. Die Geschichte selbst ist sehr einfach gestrickt, mit den klassischen Disney-Charakteren geschmückt und all die Zutaten, die man kennt, kommen auch hier vor: Böse Bösewichter (Madame Medusa ist alleine schon aufgrund der Art wie sie gezeichnet wurde abstossend in all ihrer Präsenz, wirklich, mich hat schon lange nicht mehr vor einer Person (die gezeichnet war!) dermaßen geekelt).

Außerdem war „Bernard und Bianca“ der erste Disney-Film, der NICHT mit dem Vorspann begann, sondern der bereits eine Szene davor zeigte und dessen Vorspann (die Reise von Pennys Nachricht bis zur „internationalen Rettungsgemeinschaft) die Geschichte weitererzählt. Der Film sowie sein Nachfolger basieren übrigens auf den „Miss Bianca“-Büchern (so, wie die meisten erfolgreichen Disney-Filme auf Büchern basieren) der schriftstellerin Magery Sharp (die 1991 verstorben ist).

„Bernard und Bianca“ bekommt von mir 6 von 10 Punkten, da man dem Film sein Alter anmerkt und er nach den ersten sechzig Minuten doch stark an Schwung verliert.


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