Rapunzel, neu verfönt – Tangled (Filmkritik)

Rapunzel (Mandy Moore) hat genug von ihrem Leben im Turm. Seit vielen Jahren ist der langhaarige Teenie eingesperrt und abgesehen von ihrer „Mutter“ Gothel (Donna Murphy), die sie gelegentlich besucht, ist sie noch keiner Menschenseele begegnet. Nun will sie endlich die Lichter, die zufällig immer an ihrem Geburtstag in der Ferne in den Himmel steigen, aus der Nähe sehen. Da kommt ihr der Ganove Flynn Ryder (Zachary Levi) gerade recht, der in ihrem Turm Zuflucht sucht. Erst gibt sie ihm mit der Bratpfanne eine über den Schädel, versteckt seine Beute und erpresst ihn dann, mit ihr zu den Lichtern zu reisen. Doch Gothel kann nicht zulassen, dass Rapunzel sie verlässt, verbirgt sich doch in ihrem Haar die Kraft zu ewiger Jugend…

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Disney ist mit diesem Film etwas gelungen, was stark an die Klassiker aus diesem Haus erinnert. Man schaffte es, Kitsch, Herzschmerz, tolle Melodien und liebenswerte und originelle Charaktere in einen Film zu packen und all das so, dass es ein stimmiges Paket ergibt. Warum genau der englische Titel nun „Tangled“ lautet und nicht Rapunzel lässt sich mit einer obskuren Marketingstrategie von Disney erklären, die wohl dachten, mit dem Originaltitel würde sich kein männliches Klientel ins Kino locken lassen. Idiotisch – bleibt abzusehen, ob das irgendetwas gebracht hat, denn in der ersten Woche spielte der Film eher magere 21,6 Millionen in Amerika ein. Wer auch immer sich den deutschen Bei-Titel „frisch verfönt“ einfallen lassen und und für gut befunden hat, der verdient meiner Meinung nach eine Ohrfeige. Ich weiß sowieso nicht, wozu wir neuerding unbedingt so etwas brauchen. Meiner Meinung nach, keine Ahnung wie es euch dabei geht, für mich ist das überflüssig und nervtötend.

Der Film ist bis dato der – Achtung jetzt kommts – ZWEITTEUERSTE der Geschichte, direkt nach dem Weltall-Kracher „Avatar“ und kam damit auf ein mehr als stolzes Budget von kolportierten 260 Millionen Dollar. Wo genau das Geld geblieben ist, kann ich mir anhand dessen, was auf der Leinwand zu sehen war, nicht wirklich erklären, denn es wäre übertrieben wenn man sagen würde, dass dieser Film technisch bahnbrechend ist. „Tangled“ ist schön anzusehen, farbenfroh, detailreich und einfach liebevoll als Ganzes, aber das Konkurrenzprodukt von Dreamworks „Megamind“ kostete nur die Hälfte und sah auch nicht schlechter aus (und es wurde nicht gesungen *g*). Vielleicht ist in 3D alles anders, aber bis jetzt ist mir da glaube ich, noch sehr selten etwas entgangen.

Die Story wurde leicht abgeändert, Gerüchten zufolge waren die Köpfe von Disney nicht mit den Einnahmen ihres letzten handgezeichneten Werkes „Küss den Frosch“ überhaupt nicht zufrieden und versuchten deshalb wie bereits oben erwähnt, hier Figuren zu zeichnen, mit denen sich Mädchen und Jungs gleichermaßen identifizieren können und so ins Kino gelockt werden. So wurde Rapunzel nicht von einem Prinzen befreit, sondern von dem schneidigen Gauner Flynn, der mit seinem sonst bei den Ladies sehr wirksamen Charme bei ihr anfangs auf Granit stößt. Widerwillig gibt er nach und so machen sie sich gemeinsam auf in die Stadt. Gothel kann nicht so einfach ihren Jungbrunnen entkommen lassen und greift zu drastischen Mitteln um die arme Rapunzel wieder in ihren Turm zu sperren.

Rapunzel, gesprochen von Mandy Moore, ist so süß, dass man davon fast Karies bekommt. Sie ist leicht schusselig, hat lange Haare, ist herzensgut und weiß auch durchaus mit einer Bratpfanne umzugehen. Achja – hab ich die langen blonden Haare schon erwähnt, die für sehr viele, sehr witzige Gags verantwortlich sind? Sie hat viele Talente, sie kann malen, backen, singen und schafft es dabei, ihre Frisur dabei nicht durcheinander zu bringen.

Flynn, gesprochen von Zachary Levi (aka Chuck aus der gleichnamigen Serie) ist ein Gentleman-Ganove, der zwar gerne reich wäre, aber nie auf die Idee kommen würde, jemanden ernsthaft zu schaden. Er verlässt sich, wenn es gar nicht mehr anders geht, auf sein gutes Aussehen und vertraut darauf, sich irgendwie durchschummeln zu können.

Was ich am Komischsten fand, waren die Nebencharaktere. Da wären z.B. das Chamäleon Pascal, das auch ohne Worte durch seine Gesten ALLES sagt – einfach genial, wenn er schon mal andeutet es würde für Flynn eine aufs Maul geben, wenn er Faxen macht. Dann gibt es da noch das Gardepferd Maximus – der sich selbst für eine Mischung aus Sherlock Holmes und einem Jagdhund hält und ganz nebenbei auch schon mal Schwertkämpfe ausficht.

Wo es Gute gibt muss es natürlich auch Böse geben und da haben wir auch schon Gothel, gesprochen von Donna Murphy. Sie entführt die arme Rapunzel als Baby, damit sie durch ihr Haar für immer jung bleiben kann. Sie sperrt sie ein und man hat dann anfangs doch tatsächlich den Eindruck, es würde ihr etwas an ihrem Zögling liegen. Doch als Rapunzel erzählt, sie würde gerne nach draußen gehen, tickt die Gute regelrecht aus und man verliert schnell alle Sympathie mit der Hexe.

Alles in allem ein Film für Jung und Alt, der durch schöne Optik, tollen Soundtrack und ein lustige Geschichte glänzt, wie ein frisch polierter Penny.

Der Film bekommt von mir 8/10 frisch frisierte Empfehlungspunkte.


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